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Bergkapelle St. Ingbert in der Corona-Krise

So steht’s um den Traditionsverein in St. Ingbert : Die Bergkapelle im Corona-Krisen-Modus

Erstmals in der Geschichte des ältesten St. Ingberter Vereins ruht der Probebetrieb. Doch der Vorstand lässt sich nicht unterkriegen.

) Es war ausgerechnet ein Freitag, der 13. (März), als die Bergkapelle St. Ingbert den Probebetrieb bis auf Weiteres einstellen musste – zum ersten Mal in ihrer 180-jährigen Geschichte. Nicht gerade ein Glückstag für den Verein, aber eine absolut notwendige Entscheidung. Noch bevor die offizielle Meldung über das Schließen von Schulen und Kitas im Saarland kam, hatte der Vorstand des St. Ingberter Vereins bereits beschlossen, die für den folgenden Sonntag angesetzte Marschprobe abzusagen. Vorstandsmitglied und Notfallmedizinerin Dr. Claudia Meyer-Lang: „Gerade das Einüben einer Marschformation mit geringem Körperabstand im geschlossenen Raum konnten wir bereits zum damaligen frühen Zeitpunkt nicht mehr dulden. Auch gibt es unter unseren Musikerkameraden Risikokandidaten, die es unbedingt zu schützen gilt.“

Dirigent Matthias Weißenauer steckte mit seinen knapp 80 Musikerinnen und Musikern gerade mitten in den Vorbereitungen des neuen Programms der Konzertreihe „A day at the Proms“ am Saarländischen Staatstheater. Weißenauer: „Beide Konzerte Mitte Juni sind fast ausverkauft. Einfach zu Hause hinsetzen und Däumchen drehen können wir jetzt nicht. Da wir noch keine Absage vom Theater bekommen haben, müssen wir immer noch davon ausgehen, dass die Konzerte stattfinden und uns entsprechend darauf vorbereiten, schließlich haben wir einen Vertrag zu erfüllen. Also haben wir in einer Hau-Ruck-Aktion kurz bevor die Ausgangsbeschränkung kam, die neue Konzertliteratur an unsere Musikerinnen und Musiker verteilt sowie Ton-Dateien zum Üben zur Verfügung gestellt.“

Der erste Vorsitzende Reinhard Huy ergänzt: „Noch hängen wir in der Luft. Auch unser geplantes ,Duell der Filmmusik-Giganten‘ im August in der Alten Schmelz steht in den Sternen. Zwar gibt es bis dato noch keine genaue Definition, ab wie vielen Personen eine Veranstaltung als Großveranstaltung gilt – diese sind ja bekanntlich bis 31. August im Saarland abgesagt - da die Industriekathedrale Alte Schmelz aber weit über 1000 Personen fasst, gehen wir zurzeit davon aus, dass das Konzert zumindest im geplanten Rahmen nicht stattfinden kann. Sobald wir Genaueres wissen, werden wir natürlich direkt informieren. Was wir heute bereits definitiv absagen können, ist unser traditionelles Familienfest an Fronleichnam. Das bedauere ich wirklich sehr, denn auch gerade unsere Nachwuchsmusikanten haben sich darauf gefreut, all das zu präsentieren, was sie das ganze Jahr über eingeübt haben.“

Auch wenn derzeit keine Proben stattfinden, die Arbeiten im Hintergrund laufen weiter. So tagt der Vorstand der Bergkapelle per Videokonferenz. Holger Carstensen kümmert sich um die Mitgliederverwaltung: „Es muss derzeit viel organisiert werden. Auch unsere Früherziehungskurse finden nicht statt, selbstverständlich müssen die Eltern dann auch die Kursgebühren nicht zahlen. Hier sind viele Kontobewegungen umzustellen.“

Schatzmeisterin Margit Buck fügt hinzu: „Viele Vereine im Saarland trifft diese Krise hart. Uns brechen sämtliche Einnahmen durch die Kurse und vor allem durch die Vielzahl an abgesagten Auftritten weg. Einen Teil unserer laufenden Kosten können wir glücklicherweise durch die Einnahmen aus unserem Neujahrskonzert finanzieren.“

Reinhard Huy resümiert: „Wir sind froh und dankbar dafür, dass wir die Krise im Saarland bis jetzt so gut im Griff haben und dass unser Gesundheitssystem so gut funktioniert. Für uns in der Bergkapelle geht es ,nur’ um unser Hobby, die Musik.“ Beisitzerin Carolin Stauner ergänzt: „Es gibt definitiv Wichtigeres im Moment, trotzdem können wir alle es kaum erwarten, bis wir uns wieder zum Musizieren treffen können.

Die gemeinsamen Proben, das Erarbeiten der Stücke, die Gespräche mit den Kollegen, das fehlt uns sehr. Viele unserer Musiker beteiligen sich zurzeit an Aktionen in den sozialen Medien oder Aktionen wie dem St. Ingberter Musikfenster und musizieren für die Nachbarn. Wir hoffen sehr, dass wir der St. Ingberter Bevölkerung bald wieder gemeinsam eine Freude machen können.“

In ihrer 180-jährigen Geschichte ruht der Probebetrieb der Bergkapelle nun tatsächlich zum ersten Mal. Hobby-Historiker Huy erläutert nach Studium der Chronik: „Sogar während des Ersten Weltkriegs hielten die Kameraden, die nicht ins Feld ziehen mussten, durch. Sie spielten auf Beerdigungen verstorbener Bergleute und gaben Soldaten in den Lazaretten das letzte Geleit. Außerdem fanden viele Konzerte zur Erbauung der verwundeten Soldaten statt. Auch der zweite Weltkrieg störte zwar das Gleichgewicht der Bergkapelle, zum völligen Erliegen kam der Betrieb aber auch zu jener Zeit nicht. Sogar als die Grube St. Ingbert 1959 endgültig stillgelegt wurde, probte der damalige Kapellmeister Engelbert Wild mit 30 Musikern einfach weiter. Ihm ist es zu verdanken, dass das Schicksal der Bergmusik damals zum Tagesgespräch des ganzen Kreises wurde. So gelang es bereits wenige Monate später, die ehemalige Grubenkapelle in eine Traditionskapelle mit Vereinscharakter umzuwandeln.“

Die Bergkapelle St. Ingbert hat in ihrer langen Geschichte also schon ganz andere Krisen gemeistert, und Kapellmeister Matthias Weißenauer hat bereits Pläne für nächstes Jahr: „Sollten in diesem Jahr wirklich alle Veranstaltungen abgesagt werden, planen wir auf jeden Fall ein ganz besonderes Neujahrskonzert am Neujahrstag. Engagiert wurden wir bereits für die Internationale Musikparade vom 11. bis 14. März 2021. Hier werden wir auf Tournee gehen und unsere neue Marschformation in Saarbrücken, Kempten, Stuttgart und Wetzlar präsentieren. Auch gibt es bereits Termine für ,A day at the Proms‘ im Staatstheater nächstes Jahr, am 26. und 27. Juni 2021 werden wir dort auf der großen Bühne stehen. Und eins ist klar: Alles was in diesem Jahr ausfällt, holen wir natürlich nach, versprochen.“