Serie Naturdenkmäler : Sie steht im Schatten ihres Nachbarn

Serie „Naturdenkmäler in unserer Region“. Heute: die Rosskastanie von Reinheim.

Die Gersheimer Rosskastanie in der Straße am Staaten hat als Naturdenkmal einen besonderen Platz, sie liegt im Siedlungsgebiet zwischen der ehemaliger Bahnstrecke und der Blies nahe der Wohnhäuser. Gefühlt steht sie dort schon ewig, kein Anwohner kann sich an Zeiten erinnern, in denen der Baum nicht schon unverändert dort gestanden hätte. Das liegt aber am Alter der Bäume, die vom Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) generell geschützt werden. Gewächse, die nicht mindestens ein dreistelliges Alter haben, werden nicht unter Naturschutz gestellt. Dirk Hemmerling vom LUA betreut im Fachbereich Natur- und Artenschutz die Naturdenkmäler landesweit und hat bei den meisten trotzdem keine genauen Angaben. Auch bei der Kastanie in Reinheim gibt es nur eine pauschal begründete Verordnung, Informationen zum Baum selbst sind nicht enthalten, sagt Hemmerling. Er kennt die Kastanie gar nicht. Das sei allerdings die Regel, nur selten seien die geschützten Denkmale selbst präzise beschrieben.

 Man weiß also wenig über die Kastanie. Um so mehr weiß man über die Zeit, die dieser Baum begleitet hat. Schätzt man sein Alter auf gute 200 Jahre, dann stand er schon vor der Erbauung der Bliestalbahn 1879 an seinem Standort und hatte Glück, dass er gerade weit genug von der Trasse entfernt war. Die Kastanie erlebte die Elektrifizierung der Ortschaft, den Bau des Wasserleitungsnetzes und zwei Weltkriege, die im Ort für erhebliche Zerstörungen sorgten. Die Rosskastanie überlebte auch das. Sie wurde Zeuge von Hochwasser und stand als ganz junger Baum vermutlich noch auf bayerischem Boden. Heute ist sie nur wenigen bekannt. Die Nachbarn kennen den alten Baum, doch seine Lage am Ortsrand sorgt für wenig zufällige Besucher. Die Nutzer des Freizeitwegs kommen alle an ihm vorbei, von Gersheim kommend finden sie ihn an den ersten Häusern links. Allerdings drängt sich die Kastanie nicht auf, sie hat keine Infotafel und auch am Stamm kein Schild. Sie ist wild umwuchert, die Linde nebenan ist höher und buhlt erfolgreich um das Licht. Ein unauffälliges Denkmal also, ein Baum im Schatten seines größeren Nachbarn.