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Das Theater Überzwerg in Saarbrücken stellt sein neues Programm vor

Neue Spielzeit : Theater Überzwerg in Saarbrücken stellt sein neues Programm vor

Stephanie Rolser, die neue Leiterin des Saarbrücker Kinder- und Jugendtheaters Überzwerg, hat den kommenden Spielplan vorgestellt. Einen Blick auf die Besucherzahlen in Corona-Zeiten gab es auch.

„Nein, von der Pleite oder der Schließung sind wir nicht bedroht“, sagt Christoph Dewes, Geschäftsführer des Kinder- und Jugendtheaters Überzwerg. Aber natürlich hat Corona der Bühne in Saarbrücken schmerzhaft geschadet. 71 Vorstellungen habe man in der Spielzeit 2020/21 spielen können, 116 weniger als in der Saison davor, bilanziert Dewes beim Pressetermin im Überzwerg am Montag. 3146 Zuschauerinnen und Zuschauer habe man gezählt, in der Saison davor 11 987. Die Folge von „fast sieben Monate Lockdown, in denen wir nicht spielen konnten“: 65 000 Euro weniger Einnahmen als kalkuliert. Auch im Kalenderjahr 2021 werde es noch „ein ordentliches Loch“ geben, weil man erst im Mai wieder mit dem Spielbetrieb habe beginnen können.

Die vergleichsweise gute Nachricht: „Wir konnten das einigermaßen kompensieren, weil wir bei weniger Aufführungen auch weniger Kosten haben, wie Strom, Tantiemen, Reinigung.“ Und da das Theater vom Land eine institutionelle Förderung erhält (2021: 867 700 Euro), sind zumindest die Personalkosten des Theaters einigermaßen gedeckt, sagt Dewes. Glück im Unglück. „Wir sparen, wo wir können, und rechnen Spitz auf Knopf“, sagt Dewes, „wir wissen natürlich auch, dass es den freien Künstlerinnen und Künstlern da viel schlechter geht“.

Jenseits der Corona-Bilanz zeigt sich die Jugendbühne aber optimistisch und mit einer neuen Leitung: Am 1. August hat Stephanie Rolser die Nachfolge des in Ruhestand gegangenen Bob Ziegenbalg angetreten, sie ist seit 15 Jahren beim Überwerg dabei, für sie „ein großartiges Haus mit 18 Stellen – das ist viel für ein Kinder- und Jugendtheater. Ich freue mich sehr.“

Die erste Premiere der neuen Spielzeit 2021/22 ist eine Inszenierung Rolsers „mit dem gesamten Enemble, das ist mir sehr wichtig“. So werden bei „Gips – oder wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte“ alle sechs Darstellerinnen und Darsteller auftreten. Das Stück, vom Theater ab elf Jahren empfohlen, hat am 6. November Premiere. Die Geschichte der niederländischen Autorin Anna Woltz erzählt von der 12-jährigen Fitz, die entsetzt ist von der Trennung ihrer Eltern. Ein Unfall führt die Familie zwangsweise im Krankenhaus zusammen, wo die wütende Fitz einiges erlebt. Rolser verspricht ein „sehr warmherziges Stück“ mit viel Musik – und mit „schönen Klischees aus Arztserien“, fügt Geschäftsführer Dewes hinzu.

Ab dem 22. Januar gibt es Friedrich Schiller, eingeköchelt: „Kabale und Liebe“ in einer Fassung für zwei Mimen – Eva Coenen und Gerrit Bernstein. Sie spielen Luise und Ferdi­nand, deren Liebe zwar blüht, aber von der konservativen Gesellschaft wenig goutiert wird. Schillers Trauerspiel mag knapp 240 Jahre alt sein, aber in der Überzwerg-Fassung, inszeniert von Marion Schneider-Bast und empfohlen ab 14, soll es auch um „Fake News“ gehen, ebenso um leider ewig Zeitloses wie Armut, Macht- und Geldgier. „Und es wird möglichst viel Originalsprache von Schiller geben“, verspricht Rolser.

Tanz gibt es auch: Regisseurin Katharina Wiedenhofer hat aus dem Bilderbuch „Die große Wörterfabrik“ von Agnès Le Lestrade und Valeria Docampo ein Tanzstück für Drei entwickelt (Gerrit Bernstein, Eva Coenen und Reinhold Rolser) – in besagter Wörterfabrik muss man, um sprechen zu könne, Worte kaufen. Doch die sind teuer – und der kleine Paul hat wenig Geld,  hätte aber so viel zu sagen, ist er doch für die hübsche Marie entbrannt. Das nahezu wortlose Stück, das am 13. März seine Premiere hat, richtet sich an ein Publikum ab vier Jahren.

Am 7. Mai erlebt „Kirschrotgalaxie“ seine Uraufführung – so zumindest ist der Arbeitstitel: ein Stück, das die Autorin Anah Filou gerade mit dem Überzwerg-Ensemble zusammen entwickelt. Der rote Tesla-Cabrio, den Elon Musk 2018 ins All schoss, ist Startpunkt einer gedanklichen Reise ganz nach oben – wem gehört das All? Und wie zerbrechlich ist die Erde? Theaterleiterin Rolser inszeniert das Stück, empfohlen ist es ab acht Jahren.

Zwei personelle Neuzugänge vermeldet das Theater: Die Illustratorin Dorota Wünsch wird Koordinatorin für die Ausstattung, um die sich zuvor Rolser gekümmert hatte; Mirka Borchardt vom Netzwerk Freie Szene Saar wird den theaterpädagogischen Bereich des Überzwerg verstärken, der für die neue Leiterin „unser zweites Standbein ist, so wichtig wie der Spielbetrieb“. So bietet das Theater diesmal zu seinen Premieren Workshops an: bei „Kabale und Liebe“ am 29. Januar, bei „Gips ...“ am 20. Februar, bei „Die große Wörterfabrik“ am 26. Mai.

Außerdem bietet das Überzwerg in dieser Spielzeit statt des bisherigen „Kinderclubs“ nun „Ferienclubs“ in den Herbstferien an: mehrtägige Workshops (jeweils 10 bis 13 Uhr), bei denen Kinder zwischen acht und zehn Jahren das Theaterspielen ausprobieren können: in Saarbrücken, in Ottweiler und in Saarlouis. Weiterhin läuft der „Jugendclub“ für  Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren: mit Konzentrations- und Wahrnehmungs-Übungen, mit Improvisation, Rollen- und Textarbeit – unter Anleitung der „Überzwerg“-­Künstlerinnen und –Künstler.

Abseits der Premieren behält das Theater neun bewährte Stücke auf dem Spielplan: „Quartier für Vier“, „Es klopft bei Wanja in der Nacht“, „Klein“, „Die Werkstatt der Schmetterlinge“, „Die Geschichte von Lena“, „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, „Patricks Trick“, Shut up“ sowie „Das Tagebuch der Anne Frank“  – zu sehen am 17. und 18. September.

  Stephanie Rolser ist die neue „Überzwerg“-Leiterin.
Stephanie Rolser ist die neue „Überzwerg“-Leiterin. Foto: Liliane Breininger

Das Überzwerg-Theater feiert am Sonntag, 12. September, sein traditionelles Hoffest: von 15 bis 18 Uhr.