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Autoland Saarland in Fahrradland verwandeln
Radclub schiebt das Groko-Tandem an

Symbolisch steht dieser Rad-Kadaver für den Zustand des Saar-Radverkehrs. Wegen der Auto-freundlichen Verkehrspolitik der CDU/SPD-Landesregierung trauen sich zu wenige Alltagsradler auf die Straßen, sagt der ADFC. 
Symbolisch steht dieser Rad-Kadaver für den Zustand des Saar-Radverkehrs. Wegen der Auto-freundlichen Verkehrspolitik der CDU/SPD-Landesregierung trauen sich zu wenige Alltagsradler auf die Straßen, sagt der ADFC.  FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Saarbrücken. ADFC will das „Autoland“ Saarland in ein Fahrradland verwandeln. Dazu soll die Landesregierung mehr investieren. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im Saarland hat gestern Abend von der CDU/SPD-Landesregierung gefordert, die Landesmittel für die Verbesserung des Radverkehrs im Saarland um 1,4 Millionen Euro zu erhöhen. Eine ADFC-Versammlung in Dudweiler verabschiedete ein radverkehrspolitisches Programm, das unter der Überschrift „Fahrradland Saarland Jetzt!“ steht.


Vor allem gelte es, das klassische „Autoland“ Saarland angesichts der CO2-Emissionen in ein Radlerland zu verwandeln. Denn nach Angaben des ADFC-Saar-Chefs Thomas Fläschner würden mehr als die Hälfte der täglichen 3,5 Millionen Wege, die Saarländer unter fünf Kilometern zurücklegen, mit dem Auto absolviert. Im Jahr könne ein Berufspendler, der werktags je fünf Kilometer zur Arbeitsstelle hin und zurück mit dem Rad fahre, 350 Kilogramm an CO2-Emissisionen einsparen.

Zudem würden durch Radverkehr überflüssige betonierte Verkehrsflächen wie Parkhäuser und Parkplätze eingespart. Radverkehr sei weitaus geräuschärmer, das Herzinfarktrisiko durch dauernd erhöhte Lärmpegel sinke. Außerdem sei das Rad viel kostengünstiger als das Auto, Radler zahlten nur zehn Cent je zurückgelegtem Kilometer, Autofahrer etwa das Fünffache davon. „Besonders Gesundheitsvorteile durch die körperliche Bewegung fallen ins Gewicht“, erklärte der drahtige ADFC-Saar-Chef Fläschner.



Ein weiterer Vorteil des Rades sei, dass es „angesagt“ sei, zu radeln. „Die prestigeträchtige Rolle, die heute teure Autos bei uns innehaben, wird zunehmend durch das Fahrrad übernommen“, sagte Fläschner.

Deshalb sei es so bedauerlich, dass der Radverkehrsanteil im Saarland weit hinter dem Bundesdurchschnitt liege. Als Gründe dafür nannte Fläschner die Siedlungsstruktur, die Topografie mit engen Tal-Lagen, die fehlende Fahrradkultur, die fehlende Infrastruktur an Radwegen und den mangelnden politischen Willen, etwas für den Radverkehr zu tun. Im Saarland hatte zuletzt der CDU-Verkehrsminister Hanspeter Georgi (CDU) vor 15 Jahren größere Anstrengungen unternommen, um zumindest das touristische Radwegnetz auszubauen.

Neben den zwei Prozent der Verkehrsmittel aus dem Landeshaushalt für den Radverkehr fordert der ADFC die Schaffung einer auf Landesebene angesiedelten Planungsstelle. Diese soll im Auftrag der Kommunen eine kompetente Radverkehrsplanung gewährleisten. „Vor allem kleinere Städte und Gemeinden verfügen nicht über ausreichendes und speziell ausgebildetes Personal zur Planung einer fahrradfreundlichen Infrastruktur“, heißt es im ADFC-Programm. Zudem will der Rad-Lobby-Club, dass es in den Kommunen Radbeauftragte gibt. Der Radbeauftragte in Saarbrücken wird jedoch regelmäßig seitens der CDU- und FDP-Stadtratsfraktionen in Frage gestellt.

Um die Umgestaltung des CO2-intensiven Autolands in ein Fahrradland zu beschleunigen, schlägt der ADFC der CDU/SPD-Landesregierung konkrete Projekte vor, die sich schnell realisieren ließen. So einen grenzüberschreitenden Radweg zwischen Saarbrücken und Stiring-Wendel/Forbach, den es bisher nicht gibt. Fast alle Lothringer, die nach Saarbrücken zum Einkaufen und Genießen kommen, benutzen bisher das Auto. Zudem müssten Radschnellwege zur Uni im Saarbrücker Stadtwald dringend gebaut werden. Täglich bewegen sich etwa 20 000 Menschen dorthin, doch nur die allerwenigsten sind auf den Radwegen neben dem Meerwiesertalweg oder im Stadtwald oberhalb der Sportschule zu sehen. Zudem müssten die Zeiten der Radmitnahme in Bussen und Bahnen ausgedehnt werden. Bisher dürfen Räder im morgendlichen Berufsverkehr nicht kostenlos mitgenommen werden.

Auch die bisher kaum vorhandenen Möglichkeiten, Räder zu entleihen, müssten verbessert werden, so der ADFC. Ein Leihsystem der ÖPNV-Betreiber, das mit dem ÖPNV-Ticket nutzbar sei, sei der beste Weg.