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Jetzt kann der Osterhase kommen

Neunkirchen. Gut besucht war der Ostermarkt der reha gmbh in der Werkstatt für körperbehinderte Menschen am Sonntag. In frühlingshaftem Ambiente wurden Produkte aus sechs Handwerksbereichen angeboten. Anja Kernig

"Ich bin hier im Paradies." Tessa Hirschel kann ihr Glück gar nicht fassen und das wortwörtlich: die drei von ihr ausgesuchten Schalen sind groß und schwer. Sie zieren Abdrücke von Blättern, wohl Rhabarber und Platane, was der Gebrauchskeramik eine sowohl künstlerische als auch naturalistische Note verleiht. "Das sind ganz, ganz tolle Produkte zu super Preisen", strahlt die Besucherin aus Kusel, die ihren ersten reha Ostermarkt später mit drei gut gefüllten Papiertüten verlassen wird. "Der helle Wahnsinn", das sagt kein Laie, sondern Jemand vom Fach. Schafft Tessa Hirschel doch selbst im Behindertenbereich und mit Ton. "Ich weiß, wieviel Arbeit da drin steckt."

Lob wurde am Sonntag viel gespendet. "Eine bessere Werbung gibt es nicht", freute sich Mitarbeiterin Andrea Becker . Auch intern sind die zwei traditionellen Märkte vor Ostern und Weihnachten die Höhepunkte schlechthin, "darauf arbeiten wir das ganze Jahr hin". Bringen diese Verkaufstage neben dem Hauptumsatz doch auch "Wertschätzung für unsere behinderten Mitarbeiter".

Beim Gang durch die liebevoll dekorierten Räume gab es jede Menge zu entdecken, darunter filigrane Glasobjekte und die farbenfrohen Bilder der Malgruppe "Wir machen Kunst". Ganze Hundertschaften von Kerzen in frühlingshaftem Orange, Gelb und Hellgrün warteten in der Kerzenabteilung, "Ohrenschliwerhotels" und Blumentöpfe mit Gesichtern neben vielen anderem in der Keramikabteilung. Multifunktionale Taschen im Leder-Webstoff-Mix, in denen man seinen Laptop oder einen Ordner verstauen kann, zogen viele Blicke in der Textilwerkstatt auf sich: "Das ist das Anspruchsvollste, was wir herstellen", erklärte Werkstattleiter Boris Rödelstürtz. Zum Glück hat er einen ausgebildeten Näher in seinem Team, er selbst ist gelernter Herrenschneider. "Ich war lange als Flugbegleiter unterwegs, wollte jetzt aber zurück ins Handwerk", verriet Rödelstürtz. Seit drei Wochen ist er bei der reha tätig und wird in Kürze eine sonderpädagogische Zusatzausbildung beginnen. Ihn reizt das kreative Arbeiten, "das kann man sonst nur als Selbständiger". In Planung ist übrigens gerade ein ganz besonderer Clou: in die Taschenklappen integrierte Solarmodule.

Edle Designobjekte konnte man in der Holzwerkstatt erwerben, Pflanzgefäße auf großen Holzstelen zum Beispiel, aber auch Häschen zum Ziehen, die Karotten hinterher flitzen oder mannshohe Sonnenblumen.Rund wurde das Angebot durch kulinarische Genüsse. Flammkuchen und Wein kredenzte man in den Häuschen im kühlen Außenbereich, wo es allerdings nur ganz Hartgesottene mit Decken über den Schultern aushielten.

Gut frequentiert war dagegen die Indoor-Mitmach-Ecke, wo die kleinen Gäste mittels Tretlaubsäge Herzen und Pilze aussägen konnten. Selbst ältere Semester griffen an den Mal-Tischen daneben gern zum Pinsel und verliehen Keramik-Rohlingen eine ganz individuelle Note. Die fertig gebrannten Kunstwerke können demnächst abgeholt werden - wenn in den Werkstätten schon die ersten Nikoläuse entstehen.