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"Der Zug war wie das Wetter"Neunkircher Polizei hatte alle Hände voll zu tun

"Der Zug war wie das Wetter"Neunkircher Polizei hatte alle Hände voll zu tun

Neunkirchen. "Der Zug war wie's Wetter" - Friedel Wagner hatte gestern keinerlei Grund zur getrübten Laune. Der Cheforganisator hat seinen mittlerweile neunten Neunkircher Rosenmontagszug mit Bravour gestemmt

Neunkirchen. "Der Zug war wie's Wetter" - Friedel Wagner hatte gestern keinerlei Grund zur getrübten Laune. Der Cheforganisator hat seinen mittlerweile neunten Neunkircher Rosenmontagszug mit Bravour gestemmt. Und weil Narren-Gott Jokus Traumwetter beschert habe, sei auch alles andere rund gelaufen, befindet der Organisationsleiter des Neunkircher Karnevals-Ausschusses (NKA), zugleich Zugmarschall des Gaudiwurms. "Wir waren pünktlich, Zugteilnehmer wie auch Zuschauer waren diszipliniert, es gab keine Verletzten", bilanziert Wagner. Ausnahme: Er selbst und sein Orgaleiter-Vize Werner Schwan. Der eine schrammte sich Knie und Schienbein auf, als er an der Leiter eines Zugwagens hängen blieb, der andere übersah eine tückische Eisscholle und prellte sich den Allerwertesten. "Ein paar Blessuren gehören an einem solchen Tag dazu", wiegelt Wagner unbeeindruckt ab.Rund 1300 närrische Enthusiasten formte Friedel Wagner diesmal per ausgefeilter Computer-Strategie zum 1,5 Kilometer langen Gaudiwurm, der sich über drei Kilometer von der Hermannstraße bis zum Stummplatz schlängelte. 30 Vereine mit 117 Gruppen marschierten mit. Neun Musikgruppen im Zug und drei Standkapellen sorgten für den aufmunternden Ton. Sechs Tieflader, ein Traktor und 15 Pkw rollten zwischen den unermüdlichen Fußgruppen. "Wir haben vermieden, dass der Zug abriss", führt Wagner auf der Habenseite auf. Dazu habe man bewusst langsamere Gruppen - etwa solche mit Kindern - nach vorne beordert.

Eine gute Neuerung sei gewesen, dass der Prinzenwagen kurz vorm Ziel in der Mitte der Lindenallee stoppte. Von dort hatte NKA-Präsident Karl Albert über Lautsprecher noch einmal alle vorbei defilierenden Teilnehmer gegrüßt und vorgestellt. Ideal findet es der Zugmarschall auch, dass sich die "Auflösungszone" seit dem vergangenen Jahr hinter der Keksdose in der Lindenallee befindet. In diesem Abschnitt könne man künftig noch für etwas mehr "Remmidemmi" sorgen.

Positiv habe sich eine weitere Neuerung ausgewirkt: Der NKA habe 50 faltbare Körbe für das Wurfmaterial auf den Wagen angeschafft. Folge: Merkbar weniger Verpackung und Kartonage sei auf der Straße gelandet. Dies unterstreicht die Bilanz des Zentralen Betriebshofs: Diesmal wurden rund 3,2 Tonnen Müll aufgesammelt, gut eine halbe Tonne weniger als im vergangenen Jahr. 22 ZBN-Leute machten sich mit drei Kehrmaschinen und zwei Kleintransportern unmittelbar hinter dem Zug ans Aufsammeln der Unmengen von Konfetti und Luftschlangen, Verpackungen und Plastikgläser. Bürgermeister Jörg Aumann lobte gestern: "Gegen 20 Uhr war die Stadt wieder sauber. Da haben die Teams des Zentralen Betriebshofes wieder einen tollen Job gemacht!" Grund zur Klage waren für Aumann einmal mehr "die Glasflaschen, die in großer Zahl von den Besuchern mitgebracht und leer einfach auf die Straße geworfen wurden, wo die Scherben dann eine große Verletzungsgefahr darstellen". Eine reibungslose Zusammenarbeit mit NKA und Stadt bescheinigt die Neunkircher Polizei, die - mit Verstärkung von außerhalb - 80 Beamte für den Rosenmontagszug abgestellt hatte. Insgesamt sei das Geschehen rund um den Zug aus polizeilicher Sicht in Ordnung gewesen, so Bernd Jurkschat auf SZ-Nachfrage. Weit weniger akzeptabel seien aber die Auswüchse in der Innenstadt am Abend und in der Nacht gewesen (siehe unten).

 Ein besonderes Rosenmontags-Outfit hat sich Friedel Wagner zugelegt: Seit 2004 begleitet er die Umzüge als Zugmarschall in der Straßenbahner-Uniform seines Vaters. Foto: Wagner
Ein besonderes Rosenmontags-Outfit hat sich Friedel Wagner zugelegt: Seit 2004 begleitet er die Umzüge als Zugmarschall in der Straßenbahner-Uniform seines Vaters. Foto: Wagner

Neunkirchen. Der Rosenmontag und die Nacht zum Dienstag forderten die Polizei Neunkirchen mit etlichen Einsätzen. So wurde ein Einschreiten bei zwei größeren Schlägereien und bei drei randalierenden Einzelpersonen erforderlich, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Es gab fünf Strafanzeigen wegen Körperverletzung. Vier Mal kam es zu körperlichem Widerstand gegen die polizeilichen Maßnahmen, zum Teil unter Beleidigung der Polizeibeamten. Mehrere Betrunkene mussten zur Ausnüchterung mitgenommen werden. Die Betroffenen erwarten nun Anzeigen und die Kosten für die "Unterbringung" bei der Polizei. Weitere fünf Mal rückte die Polizei zu hilflosen Personen aus, deren Aufnahme in ein Krankenhaus wegen ihrer Alkoholisierung veranlasst werden musste. Dem Vandalismus fielen in der Innenstadt vier Autos zum Opfer, Anzeigen wegen Sachbeschädigung waren die Folge. Trotz der Vielzahl konnten die Einsätze bewältigt werden, ohne dass Polizeibeamte verletzt wurden. Ein Grund dafür waren vermutlich auch die zusätzlich in Neunkirchen eingesetzten Unterstützungskräfte der Bereitschaftspolizei. red