Abschied von der Friedenskirche

Drei ihrer sechs Predigtstätten gibt die evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen auf (wir berichteten). Die Friedenskirche im Beerwaldweg auf der Scheib macht nun den Anfang, die Kirche Kohlhof folgt am 13. Dezember, die Pauluskirche im kommenden Jahr.

Dankbarkeit - das soll das Motto sein beim Abschiedsgottesdienst in der Friedenskirche an diesem Sonntag, 18. Oktober, 14 Uhr. Dankbarkeit für die Erinnerungen, die die Neunkircher mit dem Gebäude verbinden - zum Beispiel als Ort lebensbegleitender Feiern wie Taufe, Hochzeit oder Jubel-Konfirmation. Erinnerungen, die jetzt auch nach der Entwidmung des Gotteshauses bleiben und die Wehmut, ja den Schmerz mildern, fassen es Pfarrerin Christiane Rolffs und Pfarrer Bertram Weber vor Ort im Gespräch mit unserer Zeitung zusammen. Rolffs spricht von "einer goldenen Brücke".

Drei ihrer sechs Predigtstätten gibt die evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen mit rund 9700 Protestanten in vier Bezirken auf (wir berichteten) - "ein geordneter Rückbau", um sich zukunftsfähig aufzustellen, auf schwindende Mitgliederzahlen und wachsende Finanzlast zu reagieren. Die Friedenskirche im Beerwaldweg auf der Scheib macht nun den Anfang, die Kirche Kohlhof folgt am 13. Dezember, die Pauluskirche im kommenden Jahr.

Der Abschiedsgottesdienst - Rolffs und Weber leiten ihn gemeinsam - bekommt Symbolkraft: Liturgische Gegenstände wie Osterkerze, Bibel, Kelch oder Taufschale werden am Ende aus der Kirche getragen. "Die Osterkerze wird dabei brennen, denn auch Erinnerung kann nicht ausgehen", sagt Rolffs. Die bisherige Gemeinschaft könne im Gottesdienst an den anderen Predigtstätten weiter erlebt werden: "Das Wichtigste ist doch, dass die Menschen mitgehen und nicht einfach wegbleiben." Passend dazu das Schlusslied "Vertraut den neuen Wegen" - "eine Einladung".

Nicht läuten können zum Abschiedsgottesdienst die Kirchenglocken - sie sind reparaturbedürftig und verstummt. Für die Gottesdienstbesucher und Gemeindemitglieder gibt es ein Faltblatt, das die Geschichte der Friedenskirche skizziert und wichtige Zeugnisse in Bild und Text dokumentiert - den Altar, die Glocken, das Keramikmosaik im Altarraum und die Orgel. Was mit diesen Zeugnissen und anderem Inventar geschieht, ist ebenso noch ungeklärt wie die Zukunft von Gebäude und Grundstück. Die Stadt hat Kaufinteresse (die SZ berichtete). "Unter Wert wird nicht verkauft", betont Weber aber noch einmal.

Gottesdienst wird nach dem 18. Oktober nicht mehr gefeiert in der Friedenskirche, aber Konzerte zum Beispiel können weiter stattfinden. Als Unterkunft für Flüchtlinge - das tagesaktuelle Thema - scheidet das Gebäude aus, dafür fehlt Infrastruktur.

Zum Thema:

Rückblick1956 werden die Planungen für die Friedenskirche nach längerem Vorlauf konkret, Baubeginn noch im gleichen Jahr (Architekten Ruckert und Bernstein). Turm und Schiff entstehen in Stahlbeton-Skelettbau mit Klinkerausmauerung. Das Kirchenschiff verjüngt sich zum Altar. Ein Keramikmosaik (Entwurf Perron) schließt den Raum. Die Kirche ist 33,20 Meter lang, 14,80 Metern bzw. 12,20 Meter breit und elf Meter hoch (im Altarraum zehn Meter). In der Kirche finden 350 Personen Platz. Der Turm ist acht Meter vom Kirchenschiff abgerückt. Er ist 4,7 mal 4,7 Meter in der Grundfläche und 34 Meter hoch. 1959 erfolgt am 1. Advent die offizielle "Indienstnahme" der Kirche. Das Gotteshaus erhält den Namen Friedenskirche. Das Wort "Er ist unser Friede" ist über dem Eingangsportal aus dem Beton herausgemeißelt (Entwurf Perron). 2015 wird bei der Landeskirche der Antrag auf Entwidmung gestellt. Quelle Ruppenthal