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Nationalspieler Rolf Denig ist im Alter von 78 Jahren verstorben.

Trauer um eine Legende des Saar-Handballs : Der Saar-Handball trauert um Rolf Denig

Der Nationalspieler aus Neunkirchen ist am Montag im Alter von 78 Jahren verstorben.

Ein ganz Großer des Handballsports ist von uns gegangen. Der Neunkircher Rolf Denig ist am vergangenen Montag nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren verstorben. Der zehnfache deutsche A- und sechzehnfache B-Nationalspieler unter Bundestrainer Werner Vick war das prägende Gesicht, das die Handballer des TuS Neunkirchen in den 60er Jahren in ganz Deutschland bekannt machte.

Schon vor der Einführung der Bundesliga sorgte Denig mit den TuS-Handballern für Furore. Sowohl in der Saison 1963/64 als auch in den beiden folgenden Spielzeiten qualifizierten sich die Neunkircher als Südwest-Meister für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Die drei besten Mannschaften des Südwestens, darunter der TuS als Titelträger, spielten dann in der Saison 1966/67 in die Südstaffel der neu gegründeten Handball-Bundesliga. Neunkirchen feierte nach der Spielzeit den Klassenerhalt – vor allem dank Denig. Er erzielte 49 Tore. Nur vier Spieler in der Liga trafen öfter.

In der darauf folgenden Saison gelangen Denig sogar 58 Tore – dennoch stieg der TuS unglücklich ab. Die Neunkircher wiesen im Vergleich zur SpVgg. Möhringen zwar das bessere Torverhältnis auf und hatten auch den direkten Vergleich für sich entschieden. Weil beide Teams aber elf Zähler gesammelt hatten, kam es in Mannheim zu einem Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt. Neunkirchen unterlag mit 17:18 nach Verlängerung.

Denig war allerdings schon vor den Bundesligazeiten des TuS dabei, als eine der prägendsten Begebenheiten der Vereinsgeschichte ihren Anfang nahm. Noch als Jugendlicher stand er auf dem Spielfeld, als die Neunkircher 1959 zum ersten Mal auf das europäische Starensemble von Borac Banja Luka aus dem damaligen Jugoslawien trafen. Aus der Partie entwickelte sich eine über 30 Jahre andauernde Freundschaft. Als 1969 ein furchtbares Erdbeben die bosnische Stadt Banja Luka erschütterte, boten die Neunkircher Hilfe an, fuhren sogar ins Katastrophengebiet. Erst als sich die Borac-Handballer während der Jugoslawienkriege in alle Winde zerstreuten, brach der Kontakt zunehmend ab.

Auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn blieb Rolf Denig, von Beruf musisch-technischer Lehrer an der Grundschule am Steinwald, dem Handball treu. Er war direkt im Anschluss an die Bundesligajahre des TuS Trainer der Neunkircher Regionalligamannschaft. Und die A-Jugend des Vereins führte er 1970 zur Saarlandmeisterschaft.

Denig war aber nicht nur ein überragender Handballer, sondern auch ein ausgezeichneter Tennisspieler. Mit den Herren 55 des Tennisclubs Süd-Ost Neunkirchen stieg er 1998 in die Regionalliga auf – damals die höchste deutsche Spielklasse.

Einer, der zu den Handball-Bundesligazeiten der Neunkircher zusammen mit Denig auf dem Feld stand, ist der heutige Ehrenpräsident des Handballverbands Saar, Hans Joachim Müller. „Rolf hat auf rechtsaußen gespielt, ich auf linksaußen. Er war pfeilschnell – und sein Zusammenspiel mit Torwart Günther Michel war geradezu legendär. Sein Markenzeichen war ein Seitfallwurf, den man im Handball heute kaum noch sieht. Rolf ist vor seinem Gegenspieler abgekippt und hat im Fallen abgeschlossen. Er war der einzige im Saarland, der das wirklich konnte“, erinnert sich Müller. „Wir trauern aber nicht nur um einen überragenden Handballer – sondern vor allem um einen ganz feinen Menschen. Unsere tiefe Anteilnahme gilt seiner Frau und seiner Tochter“, sagt der HVS-Ehrenpräsident.

Beim Fest der Meister des Neunkircher Sportverbandes in der Gebläsehalle erhielten die ehemaligen Handball-Bundesligaspieler des TuS Neunkirchen um Nationalspieler Rolf Denig (3.v.r.) im Jahr 2015 den Ehrenpreis. Foto: Willi Hiegel

Die Gemeinschaft der Neunkircher Bundesliga-Handballer, die 2015 beim Fest der Meister des Neunkircher Sportverbandes in der Gebläsehalle mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurden, sei über die Jahre von Freundschaft und großem Zusammenhalt geprägt gewesen, betont Müller. Auch heute noch kommt die Mannschaft ein bis zwei Mal im Jahr zusammen und erinnert sich daran, wie der TuS Neunkirchen die Bundesliga aufmischte. Ein ganz Großer des saarländischen und deutschen Handballsports wird dabei künftig fehlen.