Bei nicht verpflichtenden Schulveranstaltungen haben gehörlose Eltern noch keinen Anspruch auf einen Gebärdendolmetscher.

Petra Moser-Meyer kämpft : Sehnsüchtiges Warten auf neues Gesetz

Kein Anspruch auf Gebärdendolmetscher für gehörlose Eltern.

Sie kämpft wie eine Löwin, und die Kreisbehindertenbeauftragte Petra Moser-Meyer hat die leise Hoffnung, dass sich für gehörlose Eltern aus dem Kreis Neunkirchen doch noch zeitnah eine akzeptable Lösung für ihr Problem findet. Konkret geht es um zwei gehörlose Elternpaare, deren Kinder hörend sind und die weiterführende Schulen im Landkreis Neunkirchen besuchen. Damit sie den Elternabenden und Schulveranstaltungen folgen können, benötigen sie einen Gebärdendolmetscher. Bis dato gibt es im Saarland noch keinen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme für diese (nicht verpflichtenden) schulischen Veranstaltungen. Wie Moser-Meyer unserer Zeitung berichtet, konnten die Eltern nicht, beziehungsweise nur unregelmäßig an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Eine der Familien habe aus Kostengründen bereits vier Elternabende verpasst, der anderen Familie sei die Teilnahme an einem Entwicklungsgespräch gespendet worden. Eine Dolmetscherstunde koste etwa 75 Euro.

Die „gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft“ wird im neuen Saarländischen Behindertengleichstellungsgesetz (SBGG) neu geregelt. Eine erste Lesung fand im Landtag Mitte November 2018 statt, mit der Verabschiedung des Gesetzes ist vor der Sommerpause wohl nicht zu rechnen. In dem Gesetz heißt es unter anderem, dass Eltern mit Hörbehinderungen von Kindern ohne Hörbehinderung auf Antrag die notwendigen Aufwendungen für die Kommunikation mit der Schule in deutscher Gebärdensprache, mit lautsprachbegleitenden Gebärden oder über andere geeignete Kommunikationshilfen erstattet werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings sieht das Kultusministerium „auch nach erneuter Prüfung der Möglichkeiten unseres Hauses die Kostenübernahme für einen Gebärdendolmetscher nicht möglich“ und bittet hierfür in einem Antwortbrief um Verständnis.

Eine enttäuschende Antwort für die betroffenen Eltern und die Kreisbehindertenbeauftragte. Petra Moser-Meyer hofft darauf, die Politik doch noch zu einer Regelung schon vor der Verabschiedung des Gesetzes zu bewegen. „Für gehörlose Menschen ist es wirklich sehr schwer, ihr tägliches Leben zu gestalten.“ Wenn nun diese Menschen im Arbeitsleben integriert seien, aber aus finanziellen Gründen nicht am schulischen Leben wie andere Eltern teilnehmen könnten, sei dies klar eine Diskriminierung.

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