1. Saarland

Neues Kapitel der Wirtschaftsförderung: Dock 11 ist in Saarbrücken am Start

Zukunft in Saarbrücken : Kreative Menschen docken am Osthafen an

Am Saarbrücker Osthafen entsteht eine neue Zukunftswerkstatt für die Saar-Wirtschaft. Dock 11 bringt Kreative und traditionelle Unternehmer zusammen. Wie geht das?

Wann habt ihr den Strukturwandel denn endlich abgeschlossen?, wurde der Geschäftsführer von Saaris (Saarland.Innovation &Standort e.V.) dieser Tage auf der Leipziger Buchmesse gefragt. Nie, war die Antwort von Stefan Schweitzer. Und deshalb kann es offensichtlich im Saarland gar nicht genug Innovations- und Technologietransfer-Stellen geben. Vernetzung ist überall in der Republik das nicht mehr ganz neue Entwicklungs-Zauberwort. Durch den freien Zugang zu Wissen im Internet werden immer mehr Menschen befähigt, Probleme selbst zu lösen – oder die anderer. Nur wie finden potentielle Top-Partner zusammen? An der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und an der Universität gibt es bereits Beratungs- und Vernetzungsstellen für Gründer, hinzu kommt das an der Kunsthochschule angesiedelte K8-Institut für strategische Ästhetik – und eben das Kreativzentrum Saar. Seit dessen Gründung 2012 hat die breitere Öffentlichkeit allerdings wenig von ihm gehört. Das soll sich ändern. Neuer Name, neue Adresse, neues Glück: Dock 11. Die Zukunftswerkstatt, in der die rund 8000 Kreativen des Saarlandes mit etablierten Unternehmern zu Produktionsgemeinschaften zusammenfinden sollen, ging am Montag mit einer bestens besuchten und von Bastian Lange (Berlin) moderierten Kickoff-Seminar-Veranstaltung in die offizielle Arbeitsphase. Mit dabei: Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).

178 000 Euro steckt die Ministerin in das Förderinstrument für die Kreativbranche. Geschäftsführer ist Lars Potyka, ein gebürtiger Saarländer. Untergebracht ist der Zweimann-Betrieb in der Fase 15, einem funktional sanierten Bürogebäude am Saarbrücker Osthafen. Den Ortswechsel des früheren Kreativzentrums kann man symbolisch nennen. Die erste Unterbringung bot das Kulturzentrum und Atelierhaus am Eurobahnhof (Kuba). Es war dies  eine der ersten Ansiedlungen im einst brach liegenden und dann  zum Vorzeige-Quartier entwickelten Areal hinter dem Saarbrücker Hauptbahnhof. Nun also erfolgt der Umzug des Kreativzentrums ans andere, eben noch nicht glanzvoll entwickelte  Ende der Stadt, an den Osthafen. Ein derzeit noch ziemlich verrumpelt wirkendes Stadtviertel mit Leerständen und Gewerbe-Zweckbauten. Einmal mehr geht es bei Dock 11 auch um Stadtentwicklung, man versteht sich als Keimzelle. Ein Einzimmer-Büro wurde in der Fase 15 angemietet, doch die räumliche Expansion steht bereits auf dem To-do-Plan. das erfährt man von Saaris. Denn die neuen Formen des vernetzten Arbeitens und Produzierens brauchen sogenannte „dritte Orte“, frei zugängliche Treffpunkte und Veranstaltungs-Orte, die weder nur Arbeits- oder nur Freizeit-Orte sind, sondern Impulse bringende Kontakthöfe. Potyka erklärt den Umzug an den Osthafen und das Verlassen des Kuba damit, dass er den Fokus ganz auf die Wirtschaft legen möchte: „Wir werden proaktiv unterwegs sein“, sagt er. Als erstes steht der Aufbau einer Dock11-Community an, der über die Homepage läuft. Es folgen Workshops, Vorträge, Kennenlern-Events. Potyka muss das Rad gar nicht neu erfinden. Es gibt bereits erfolgreiche Kollegen am Markt, unter anderem Jonas Lindemann, der den „Hafven“ in Hannover managt, der mit 2000 Quadratmetern Fläche wohl eine der größten Innovations-Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Potyka hatte Lindemann und weitere Akteure der Start-up-Förderszene zur Einweihungsparty eingeladen: Sophia Jaenicke (Hamburg Kreativ), Julia Hartnik (K8 Institut), Marc Lis (Creative Industries, Luxinnovation, Luxemburg). Ihre Werkstattberichte lieferten Tipps und Erkenntnisse. Stressfreies Dazulernen ist im Dock11 offensichtlich Teil des Konzeptes – und des Spaßes.

Was war zu hören? Viel Ermutigendes. Etwa, dass in Hannover mittlerweile 60 Unternehmen fest zur Community gehören, und dass diese zunehmend begreifen, dass Ideen an sich bereits einen Wert besitzen – unabhängig davon, ob sich daraus Produkte oder Prozesse generieren lassen. Wichtig sei für die Kreativen wie für die Firmen eine Atmosphäre des Vertrauens. Dafür und auch für wasserdichte Verträge sorgen Institutionen wie Dock 11. „Gute Arbeit braucht gute Übersetzer“, hieß es an einer Stelle während der Podiumsrunde. Und neue Orte Brücken in die Gesellschaft. Denn, so ein Hinweis von Lindemann,  Stadtgesellschaften würden nicht unbedingt Hurra schreien, wenn sich Co-Working-Areas bildeten: „Es gibt Berührungsängste“. Wie auch nicht? Wer weiß schon, wie Wirtschaft 4.0 funktioniert? Dock 11 experimentiert mit.

www.dock11.saarland