„Ohne Ehrenamt geht nichts“

Freizeit und deren Gestaltung hat für Menschen mit Behinderung eine elementare Bedeutung. Sie gibt Lebenszufriedenheit und menschliches Lebensglück. Da der Zugang zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung für Menschen mit Behinderung oftmals schwierig ist, hat die Lebenshilfe Merzig es sich zur Aufgabe gemacht, ein Angebot an Aktivitäten zu entwickeln: die Freizeitgruppe. Hier haben diejenigen, die daran teilnehmen, die Möglichkeit, ihre Freizeit unter Begleitung engagierter Helfer miteinander zu verbringen.

Mia Hoffeld tanzt ihren Schützlingen vor. Freudig tanzen sie die Schritte nach.Fotos: Michael Rauch

Die Freizeitgruppe der Lebenshilfe Merzig trifft sich regelmäßig im ehemaligen Pumpenhaus des Freibades Heilborn. Dort, wo früher das technische Herzstück des alten Freibades war, wird heute getanzt, gespielt und gemeinsam gefeiert. Hauptamtlich verantwortlich ist Sozialarbeiterin Kathrin Petry. Sie ist gleichzeitig die einzige Hauptamtliche, die in der Freizeitgruppe mitwirkt. "Es ist der Bereich der Lebenshilfe , der nicht refinanziert werden kann. So können die Aktivitäten der Freizeitgruppe nur durch Spenden, die die Lebenshilfe erhält, finanziert werden. Zudem unterstützt die Stadt Merzig die Gruppe", erläutert die Sozialarbeiterin. Deshalb sei dieser Bereich der Lebenshilfe , mehr als jeder andere, auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Ohne das gehe nichts.

Mia Hoffeld gehört zu den vielen ehrenamtlichen Helfern. Sie hat schon lange vor dem Treffen an diesem Tag, bei dem die SZ dabei sein kann, das Pumpenhaus in eine Tanzfläche umgebaut. Diesmal steht nämlich Tanzen auf dem Programm. Den Kuchen hat sie am Nachmittag gebacken. Dazu hat sie eine Kanne Kaffee und kalte Getränke mitgebracht. Es ist angerichtet, als nach und nach die Teilnehmer zu ihrem Tanzabend kommen. Die Begrüßung ist herzlich. Die Teilnehmer küssen und umarmen sich - wie alte Freunde, die sich länger nicht gesehen haben. "Das ist es, was mich und meine Kolleginnen immer wieder motiviert: diesen Menschen zu helfen. Wir bekommen sehr viel zurück", schildert Hoffeld ihre Beweggründe, für die sie sich bei der Lebenshilfe engagiert.

Da ist etwa Luisa, die ganz unsicher mit ihrer Mutter zum Tanzabend kommt. Die Mutter weiß nicht, ob sie Luisa alleine lassen kann. Doch schließlich gibt das Mädchen ihr zu verstehen, dass sie wieder fahren könne. Sofort kümmert sich Norma um sie und erzählt ihr von Fußball, für den sich Luisa interessiert. Sie ist Deutschland-Fan und trägt auch ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft - das ist noch eines mit drei Sternen auf der Brust. "Ich kaufe mir aber bald eines, das den vierten Stern hat", freut sie sich.

Birgit Mautes ist ebenfalls ehrenamtliche Mitarbeiterin und erzählt, dass sie einen persönlichen Bezug zu Menschen mit Behinderung habe. Sie betreut die Tochter ihrer Freundin. "Marion ist mehrfach schwerstbehindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen", schildert Mautes das Schicksal des Mädchens. Doch es sei etwas ganz Besonderes diesen Menschen zu helfen.

Das sieht auch Petra Reiter so, die seit sieben Jahren dabei ist. Durch einen Presse-Artikel ist sie zu der Lebenshilfe gekommen. "Diese lieben Menschen geben mir mehr, als ich ihnen geben kann", findet Reiter. Es sei vor allem die Freude, die sie ausstrahlten, und die Ungezwungenheit, mit der sie ihr Leben meisterten. Gehe es einem schlecht, bauten die anderen einen wieder auf.

"Ich habe jetzt etwas Zeit, mir geht es gut und möchte deshalb etwas zurückgeben", schildert Angelika Becker ihre Beweggründe, sich in der Gruppe zu engagieren. Habe man einmal das Herz dieser Menschen gewonnen, sei es eine Freundschaft für Ewigkeit. Dabei würden alle Menschen, die eine körperliche oder geistige Behinderung haben, aufgenommen. "Jeder hat eine Chance verdient. Wir versuchen, auch schwierige Menschen zu integrieren", erklärt Sozialarbeiterin Kathrin Petry die Philosophie. Doch würden Grenzen des Zumutbaren überschritten, dann müsste die Gruppe verlassen werden. Zum Glück sei dies noch nicht vorgekommen.