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Mechern
Keine Reifen und kein Treibstoff für die Laster

Eine Detailaufnahme aus dem Modell der Gipsgrube St. Maria Mechern, das Stefan Siebenborn gebaut hat.
Eine Detailaufnahme aus dem Modell der Gipsgrube St. Maria Mechern, das Stefan Siebenborn gebaut hat. FOTO: Stefan Siebenborn
Mechern. Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, erzählt unsere Serie. Teil zwölf: viele technische Probleme und Mängel nach dem Krieg.


Im Frühjahr 1947 spitzt sich die Versorgungslage weiter zu. Den Lastwagen, die das  Rohmaterial zum Gipswerk nach Siersburg bringen, fehlt es an Treibstoff und Reifen.  Von den drei noch vorhandenen Siemens-Bohrmaschinen ist mindestens eine ständig in Reparatur. Da die Siemens-Schuckert Werke ausgefallen sind, ist an eine Neubeschaffung nicht zu denken. Abhilfe könnte zwar die Umstellung auf Pressluftbetrieb bringen, jedoch müssten alle Geräte und Einrichtungen neu beschafft werden. Das wiederum ist genau so unsicher.

Alle auswärtigen Arbeiter werden durch Männer aus den umliegenden Dörfern ersetzt. Neben Johann Dollwet und seinem Sohn Gilbert stammen Mathias Thiel, Karl Webers, Mathias Bourgeois und Johann Hoffmann aus Mechern. Das Arbeitsamt hat die Zuweisung weiterer ortsansässiger Leute zugesagt. Die Ernährungslage, die Arbeitsdisziplin und der Gesundheitszustand der Beschäftigten wird als den Umständen entsprechend als gut bezeichnet.

Die tägliche Fördermenge erreichte zu dieser Zeit gerade rund 60 Tonnen. Jeden Tag werden mindestens acht bis neun Stunden gearbeitet, auch der Samstag ist ein Arbeitstag. Der Bericht über die elektrischen Einrichtungen der Grube durch den Technischen Überwachungs-Verein Frankfurt/Main,  Dienststelle Saarbrücken 3, am 21. März 1947 ist alles andere als berauschend. Am Endmast der Freileitung ist die Überleitung in die Feuchtraumleitung und die Sicherungselemente gegen Feuchtigkeit zu schützen.

Am Haspelmotor ist der nicht mehr betriebsfähige Schütz auszutauschen, die Verkabelung und der Trennsicherungsschalter sind zu überarbeiten und die Beleuchtung im Haspelraum ist defekt. Untertage sind es vor allem schlechte Kabel, blanke Drähte, falsche Leitungsverbindungen und falsche Anschlussleitungen der Leuchten, fehlende Beschriftungen, geflickte Sicherungen und fehlerhafte Aufhängungen. Teilweise mit blankem Draht versehene Freileitungen untertage sind vollkommen unzulässig. An Leuchten fehlen die Schutzglocken und an Handlampen die Schutzkörbe. Der Prüfer stellt fest, dass ein erheblicher Teil der festgestellten Mängel nicht nur auf den heute bestehenden Materialmangel, sondern auch auf eine wenig sorgfältige laufende Unterhaltung der Anlage zurück zuführen ist. Einzige nicht beanstandete und nach den VDE-Vorschriften ordnungsgemäß hergestellte Installation ist die neue Beleuchtung des Sprengstoffraumes.



Die Arbeiten an dem auf kürzestem Weg nach oben vorangetriebenen zweiten Ausgang müssen eingestellt werden, da die Wassereinbrüche ein Ausmaß angenommen haben, dass der Grubenbetrieb gefährdet wird. Da der vom Markscheider Eisenbeis geplante Ausgang eine Wasserhaltung mit Druckpumpe und Rohrleitungen erfordern würde, wäre ein zweiter Ausgang als Stollenabbau mit geringem Gefälle nach außen die Lösung des Problems. Am 7. Januar 1948 bittet man das Bergamt zu einem Termin vor Ort.