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Gipsabbau 5
Brüder Knauf träumen von Seilbahn, Kammeröfen und Mühle

Merzig. Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, kann in drei Zeitabschnitte eingeordnet werden. Die erste Abbauphase beginnt Ende 1897 und endet kurz vor dem 1. Weltkrieg. 1919 wird zum zweiten Mal der Betrieb für kaum fünf Jahre aufgenommen. Zwischen 1924 und 1936 ruht der Abbau. Im Herbst 1935 übernehmen die Gebr. Knauf den Betrieb. Erst mit der vollständigen Ausbeutung der Gipslager kommt im Frühjahr 1955 die endgültige Stilllegung der Gipsgrube „Auf Kappen“.Teil fünf unserer Serie: technische Details.


Mit der Steigerung der Gipsproduktion im Saargebiet liegt die Fa. Knauf voll im Trend. Die Gipsgrube wird durch einen söhligen Stollen erschlossen, der nicht durchgängig verbaut ist. Nur an einsturzgefährdeten Punkten wird ein Verbau mit Holzstempeln durchgeführt. Die Abbauhöhe entspricht der Mächtigkeit der Lager, nämlich 4 Meter. Die Abbaubreite richtet sich nach der Beschaffenheit des Hangenden und überschreitet nicht die 7 Meter. Jeder Abbau wird von einem Hauer und einem oder mehreren Schleppern belegt, die den Gipsstein zerkleinern und in Muldenkipper mit 0,75 cbm Inhalt verladen.

Auf jeder Schicht ist ein Bohrhauer vorgesehen, der sämtliche Abbaue mit einer neuen Drehbohrmaschine von Siemens abbohrt. Die Schüsse werden von dem jeweiligen Ortshauer besetzt und abgetan. Die Grube erhält eine elektrische  Anlage. Eine Überlandleitung (220/380 Volt) bringt den Strom zu einem gekapselten Trockentransformator (125/220 Volt) am Stolleneingang. Von dort führen die Leitungen in die beiden Förderstrecken. Sie enden jeweils 30 bis 50 Meter vor der Abbaustelle. Kabeltrommeln mit 50 Meter Gummikabel versorgen die Handbohrmaschinen mit Strom. Die Hauptförderstrecken werden elektrisch beleuchtet. Die Schlepper bringen die gefüllten Muldenkipper vor das Bergwerk, von wo die Wagen auf einer etwa 400 Meter langen Pferdebahn zur Verladeanlage am Waldrand befördert werden. Im Betriebsplan der Grube vom 4. Dezember 1935 ist die Planung einer Drahtseilbahn (Zweiseilbahn) von etwa 550 Meter Länge zu der neuen Mondorfer Straße aufgeführt. Hier soll der Gipsstein in zwei Kammeröfen gebrannt, gemahlen und mit Lastkraftwagen abgefahren werden. Zwei weitere Kammeröfen sind an der oberen Seilbahnstation geplant. Das in den Öfen bei einem Temperaturintervall von 150 bis 1000° C gebrannte Rohmaterial soll in einer Mühle gemahlen und in Papiersäcken in den Handel gebracht werden. Ausgelegt ist die Anlage für die tägliche Produktion von 150 Tonnen gebranntem und gemahlenem Baugips. Seilbahn, Kammeröfen und Mühle werden jedoch nie gebaut.



Im Februar/März 1936 ist die Gipsgrube in Betrieb. Als Betriebsführer ist Alfons Knauf, der in Hilbringen im Schloss wohnt, angegeben, als Schießmeister wird Johann Dollwet und als Bergmeister werden namentlich Michel Scheer, Dechert, Sommer, Schmidt und Nermer aufgelistet. Insgesamt sind 14 Männer in der Anlage beschäftigt. Das alte Grubenbild der Fa. Knauf ist wieder aufgetaucht. Die technische Überprüfung des Bergamtes zeigt, dass Schießkisten und Transportkasten für den Schießmeister, eiserne Türen an den Tagesöffnungen, sämtliche Warntafeln, Tragbahre, Waschgelegenheit und Aborte noch fehlen. Auch müssen noch die richtigen Vordrucke für das Lagerbuch beschafft werden. Ohne Bürokratie ging es schon damals nicht. Zur gleichen Zeit, als noch von einer Seilbahn zur neuen Mondorfer Straße die Rede war, hatten die beiden Brüder schon eine weitere Idee, wo der in Mechern geförderte Gipsstein verarbeitet und wie er abtransportiert werden könnte.