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Amerikanischer Tradition auf der Spur

Familiäres  Idyll: Maiken Klinke (rechts) und ihre Gastschwester streicheln den Familienhund.
Familiäres  Idyll: Maiken Klinke (rechts) und ihre Gastschwester streicheln den Familienhund. FOTO: Maiken Klinke
Merzig/Falmouth. Die 16-jährige Schülerin Maiken Klinke aus Merzig erfüllt sich ihren Traum von Amerika und verbringt die Zeit bis Sommer 2018 in Maine. Für die SZ berichtet sie regelmäßig über ihren Alltag in den Staaten.

Ich freue mich, hier in Nordamerika zu sein, um unter anderem auch verschiedene Feiertage und Bräuche miterleben zu können. Viele haben bestimmt schon von dem bekannten Feiertag Thanksgiving („Danksagung“) in den USA oder auch Kanada gehört. In diesem Artikel werde ich mich mit diesem Feiertag befassen, der für viele Amerikaner den Höhepunkt des Jahres darstellt. Von der Geschichte, den Bräuchen, dem Black Friday (Schwarzer Freitag), aber auch von meinem Tagesablauf an Thanksgiving werde ich berichten.


Thanksgiving ist ein in den USA und Kanada gefeiertes Erntedankfest und zählt zu den gesetzlichen Feiertagen. Er ist jedoch nicht zu vergleichen mit dem Erntedankfest, welches wir in Deutschland kennen, er besitzt eine ganz andere Tradition.

Das Fest fällt in den USA auf den vierten Donnerstag des Monats November. Er gehört zu den wichtigsten Familienfesten in den USA und wird manchmal auch mit Freunden zelebriert. Den Höhepunkt des Tages stellt ein großes Festmahl dar. In der Zeit um Thanksgiving herrscht meist große Aufregung –  sowohl auf den Straßen als auch in den Kaufhäusern. Familienmitglieder reisen von überall her an, und natürlich wird auch viel für das gemeinsame Essen eingekauft, damit das Fest ein alljährlicher Erfolg wird.

Dieser Feiertag hat einen sehr bedeutenden geschichtlichen Hintergrund. Es gibt verschiedene Ansichten und Meinungen, welchen Ursprung das Fest wirklich hat. Eine verbreitete Theorie ist, dass der Ursprung dieses Festes in der Zeit der Pilgerväter (Plymouth Colony) um 1621 zu suchen ist. Nachdem die englischen, zum Teil sehr gläubigen Auswanderer (Pilger/Pilgrims) mit ihrem Schiff, der Mayflower, in Plymouth an der Ostküste Nordamerikas gestrandet sind, versuchten sie, sich ein neues und besseres Leben aufzubauen. Doch während ihres ersten sehr harten und kalten Winters in ihrer neuen Heimat starben etwa die Hälfte ihrer Leute.

In ihrer Not sahen sie keine andere Möglichkeit, als sich an die benachbarten Indianerstämme zu wenden und um Hilfe zu bitten. Diese zeigten ihnen viele überlebenswichtige Anbauweisen einheimischer Pflanzen, etwa die von Mais. Die reiche Ernte des folgenden Herbstes veranlasste zu einem großen Erntedankfest der Pilger mit den Indianern. So wurde das Fest zu einer großen Tradition der US-Amerikaner. Für diese Festivität kommen heutzutage noch immer die Familie und auch Freunde von überall her zusammen.



Zu der Tradition heute und auch damals gehörte ein großes Gericht. Dieses wird in den meisten Familien noch sehr ähnlich wie in der Pilgerzeit zubereitet und angerichtet: gebratener Truthahn mit Preiselbeersauce, Süßkartoffeln, pumpkin pie (Kürbiskuchen) oder Apfelkuchen und viele weitere saisonale Gemüsesorten. Das gemeinsame Essen wird von einem Dankgebet begleitet. Auch der Besuch eines Gottesdienstes ist ganz wichtig. Der Altar ist mit zahlreichen Gaben wie (Feld-) Früchten und Getreide geschmückt. In vielen Städten finden Thanksgiving-Paraden statt. Viele Amerikaner besuchen aber auch eines der amerikanischen Football-Spiele. Der Präsident der Vereinigten Staaten bringt zu diesem Tag regelmäßig den Dank der Nation an den Allerhöchsten zum Ausdruck. Geschenke sind zu diesem Fest im Gegensatz zu Weihnachten jedoch unüblich.

Mein Thanksgiving-Tag war sehr entspannt. Meine Gastmutter kochte bereits ganz fleißig am Vortag. An Thanksgiving besuchte sie ihre Mutter. Mein Gastvater, meine Gastschwestern und ich machten uns auf den 40-minütigen Weg zu den Großeltern väterlicherseits. Wir brachten etwas für das gemeinsame Festessen mit, auch die Großeltern hatten  vieles vorbereitet. Da meine Gastfamilie und ich Vegetarier sind, gab es für uns keinen Truthahn. Nach dem Dankesgebet speisten wir eine Gemüsequiche mit Bohnensalat und Kartoffel-Gemüse-Salat. Als Nachtisch gab es einen Apfelkuchen. Nach dem großen Mahl war jeder satt gegessen, und wir haben uns in gemütlicher Runde gut miteinander unterhalten. Nebenbei haben wir auch etwas Football geschaut. Am Nachmittag ging es wieder zurück nach Falmouth. Um Mitternacht hieß es Black  Friday Shopping für uns Mädels.

Was ist Black Friday Shopping? Vielen ist der Begriff sicherlich bekannt, denn es ist mittlerweile auch in Deutschland populär. Doch in Amerika ist alles nochmal verrückter.Thanksgiving und Black Friday hängen miteinander zusammen. Da der Donnerstag an Thanksgiving ein nationaler Feiertag ist, sind meist alle Geschäfte geschlossen. Doch gegen Mitternacht in der Nacht auf Freitag, heutzutage schon früh am Nachmittag, öffnen die meisten Geschäfte wieder mit vielen Angeboten. Viele US-Amerikaner werden „verrückt“ bei den günstigen Preisen. Dieser Tag wird Black Friday genannt (Schwarzer Freitag).

Die Angebote gelten online bis etwa eine Woche nach Black Friday, und jeder liebt es. Viele kaufen ihre Weihnachtsgeschenke zu dieser Zeit. Manche warten sogar in langen Schlangen, um tolle Schnäppchen zu ergattern. Black Friday ist nicht zu verwechseln mit dem Börsenzusammenbruch in New York 1929, dem so genannten Black Thursday (Schwarzer Donnerstag). Die Herkunft dieser Bezeichnung Black Friday ist darauf zurückzuführen, dass an diesem umsatzstarken Tag Händler eine große Chance haben, aus dem Minus herauszukommen, also statt rote Zahlen schwarze zu schreiben.

Mit Thanksgiving und Black Friday habe ich weitere Traditionen in den USA kennen gelernt. Auch wenn wir keinen typischen Truthahn hatten, war es ein toller Tag und eine schöne Erfahrung, diesen besonderen Feiertag mit meiner Gastfamilie verbracht zu haben. Es freut mich jeden Tag, den amerikanischen Lifestyle mitzuerleben, neue Dinge kennen zu lernen und einfach tolle Erfahrungen zu sammeln.

Ein zauberhaftes Farbenspiel am abendlichen Himmel in Maine beeindruckt den Gast aus Deutschland.
Ein zauberhaftes Farbenspiel am abendlichen Himmel in Maine beeindruckt den Gast aus Deutschland. FOTO: Maiken Klinke