| 21:14 Uhr

Mechern
Marmorzement soll die Angebotspalette der Grube erweitern

Stefan Siebenborn, der Autor unserer Serie über die Geschichte des Gipsabbaus in Mechern, hat ein Modell des einstigen Betriebsgeländes der Gispgrube gebastelt. Es zeigt den Arbeitsalltag und die Betriebsabläufe.
Stefan Siebenborn, der Autor unserer Serie über die Geschichte des Gipsabbaus in Mechern, hat ein Modell des einstigen Betriebsgeländes der Gispgrube gebastelt. Es zeigt den Arbeitsalltag und die Betriebsabläufe. FOTO: Stefan Siebenborn
Mechern. Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, kann in drei Zeitabschnitte eingeordnet werden. Die erste Abbauphase beginnt Ende 1897 und endet kurz vor dem 1. Weltkrieg. 1919 wird zum zweiten Mal der Betrieb für kaum fünf Jahre aufgenommen. Zwischen 1924 und 1936 ruht der Abbau. Im Herbst 1935 übernehmen die Gebrüder Knauf den Betrieb. Erst mit der vollständigen Ausbeutung der Gipslager kommt im Frühjahr 1955 die endgültige Stilllegung der Gipsgrube „Auf Kappen“. Teil acht: das neue Gipslager. Von Stefan Siebenborn

Um den etwa 14 Kilometer langen Transportweg zum Gipswerk in Siersburg, das jährlich zwischen 15 000 und 20 000 Tonnen Gipsstein verarbeiten kann, auf etwa zwei Kilometer zu verkürzen, beabsichtigt Knauf von der Eimersdorfer Seite das Gipslager anzugehen. Der Landrat in Saarlautern (Saarlouis) teilt jedoch am 28. September 1938 mit, dass die Heeresdienststelle XI in Heidelberg die Genehmigung verweigert. Die Firma Knauf bittet daraufhin das Bergamt um Intervention, da man die Erschließung während des Winters durchführen möchte. Am 7. April 1937 geht ein Schreiben der Firmenleitung an das Bergamt Saarbrücken-West. Inhalt ist die „Mitteilung über Neuerrichtung von Betriebsanlagen auf der Gipsgrube ‚Maria’ in Mechern“.


Darin heißt es: „Im Laufe dieses Jahres soll ein Bahnanschluss an das Reichsbahngleis in der Nähe der Gipsgrube Maria gelegt werden. Von der Gipsgrube bis zum Anschlussgleis wird ein Brems- oder Haspelwerk von 200 bis 300 Meter errichtet. Noch im Laufe des Jahres soll auch mit den Vorarbeiten für die Errichtung eines neuen Gipswerkes in der Nähe des Bahnanschlusses begonnen werden. Das Gipswerk soll die Produktion unseres Perler und Bürener Werkes umfassen, stellt also eine aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus vollzogene Zusammenfassung der beiden Betriebsstätten dar.

Die Leistungsfähigkeit soll 200 Tonnen Baugips pro Tag betragen. Außerdem soll unser bisheriges Produktionsprogramm durch die Aufnahme der Erzeugung von Zementgips, einer Art Marmorzement, wie er in Amerika und England (hier unter dem Namen Kaene’s-Zement üblich) erweitert werden. Ein ähnliches Material wird in Deutschland unter der Bezeichnung Marmorzement vertrieben. Das Werk soll im Frühjahr 1938 in Betrieb gehen.“

In einem Schreiben vom 18. November 1937 kündigt die Firma Knauf an, dass sie das unwirtschaftlich arbeitende Werk in Siersburg stilllegen möchte. Vorläufig sollen aber nur 100 Tonnen Gips pro Tag das neue Werk in Mechern verlassen. „Der neue Betrieb stellt also keine Erweiterung, sondern eine Zentralisierung unserer bisherigen Betriebe dar.“ Der Standort Mechern soll die neue Zentrale des Unternehmens werden.

Die Inbetriebnahme des neuen Werkes wird aber nun auf das Frühjahr 1939 hinausgeschoben. Am 5. Mai 1937 meldet die Firmenleitung in einem kurzen Schreiben dem Berg-
amt, dass die Gipsgrube ab dem 1. Mai 1937 vorübergehend stillgelegt ist. Es wird keine Begründung dafür angegeben. Diplom-Ingenieur W. Groezinger, Oberingenieur der Überwachungstelle für elektrische Anlagen und Grubenlokomotiven der Saargruben, beanstandet am 31. Juli 1937 mehrere Punkte der Elek-
troinstallation.



An den Ankern für die Maste am Steinbrecher und an der Haspel möchte er über Reichhöhe den Einbau von Installationsschnallen, damit beim Bruch eines Isolators der Mastanker nicht unter Spannung gerät. Auch fordert er eine Erneuerung der Erdungsleitungen am Steinbrecher und an der Haspel. Im Juni 1938 sind die Planungen für den Gleisanschluss abgeschlossen. Er soll zwischen Kilometer 35,760 und 35,960 der Reichsbahnstrecke Merzig-Mondorf hergestellt werden. Im Herbst 1938 wird die Genehmigung für das Bauvorhaben erteilt.

Nachdem die wegen Hartsteinschichten und Verdrückungen unregelmäßig verlaufenden Abbaustrecken abgebaut und umgangen worden sind, kann der geplante Abbau in zwei parallelen Stollen vorangetrieben werden. Schwierigkeiten gibt es bei dem Vorhaben, einen zweiten Ausgang zu schaffen. Die schmale Strecke nach Osten muss wegen nasser Lehmeinbrüche aufgegeben werden. Der Versuch an einem nach Südosten führenden Abbau einen weiteren Ausgang zu schaffen, scheitert an starken Wasseransammlungen. Jedoch ist etwa 75 Meter seitwärts vom äußersten Punkt der Hauptförderstrecke eine günstige Stelle für den zweiten Ausgang ausgemacht worden.