1. Saarland

Im Saarlsnd bekommt Weiterbildung künftig mehr Gewicht.

Saarländische Beschäftigungskonferenz : „Schneller und cleverer sein als die Anderen“

Wie die Saarländerinnen und Saarländer nach Corona ihre Arbeitsplätze auch langfristig absichern können, dafür gab eine Expertenrunde auf der ersten Saarländischen Beschäftigungskonferenz in der Saarlandhalle Tipps.

Von Thomas Sponticcia

So viel ist sicher: Nach Corona wird der Arbeitsmarkt im Saarland zum Teil völlig auf den Kopf gestellt. Zahlreiche Existenzen hat die Pandemie vernichtet. Und in der Industrie stehen große Veränderungen an. So ist die Zukunft der Autohersteller inklusive deren Zulieferer ebenso offen wie die der Saar-Hütten. Und nach Überzeugung der Teilnehmer der ersten Saarländischen Beschäftigungskonferenz in der Saarlandhalle werden sich in nächster Zeit auch zahlreiche Berufsbilder verändern sowie die Anforderungen erheblich erhöhen. Dabei wird wohl am meisten die Flexibilität der saarländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt auf die Probe gestellt, wie sich auf der Beschäftigungskonferenz zeigte.

Was das in der Realität heißt, verdeutlichte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). Wenn der Verbrennungsmotor vom Markt verschwindet und etwa Bosch in Homburg folglich auch keine Diesel-Einspritzpumpen mehr bauen wird, dann müssten Mitarbeiter auch bereit sein, das Unternehmen zu wechseln und stattdessen Küchen in einem anderen Unternehmen zu produzieren inklusive einer entsprechenden Qualifizierung. Jetzt schon nehmen sich Ansprechadressen wie etwa die Gesellschaft für Transformationsmanagement Saar (GeTS) Ford-Mitarbeitern an, die bereits auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung sind, erläuterte Geschäftsführer Harry Laufer auf der zur Beschäftigungskonferenz parallel verlaufenden Messe mit Kammern, Gewerkschaften und Weiterbildungsträgern. So unterhält alleine die GeTS schon Kontakte zu 50 Unternehmen, die Mitarbeiter suchen. Viele Ford-Beschäftigten wechselten zum Beispiel derzeit ins Handwerk.

Andere Ansprechpartner wie etwa die Transformationswerkstatt Saar der IG Metall rücken in der Krise enger mit den Unternehmen zusammen. Dabei geht es auch darum, unter der Vielzahl an Förderangeboten diejenigen herauszufiltern, die maßgeschneidert zum jeweiligen Unternehmen passen. „Wir gehen derzeit auf viele Unternehmen und auch Betriebsräte zu, weisen auf Fördergelder hin, die von der EU, vom Bund und vom Land zur Verfügung gestellt werden. Und wir wollen dann gemeinsam darüber diskutieren, welche Weiterbildungs- und Qualifizierungsprojekte im jeweiligen Unternehmen Sinn machen", erläutert Timo Ahr von der IG Metall.

Wir wichtig dieser eingeschlagene Kurs ist, zeigt sich wiederum auf der Beschäftigungskonferenz. Auch Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU), unterstützt eine verstärkte Weiterbildung. Die deutsche Industrie habe alleine 2021 insgesamt 43 Milliarden Euro für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten in die Hand genommen. Angebote der Weiterbildung seien jedoch nicht nur Sache der Unternehmen, sondern jeder Einzelne könne solche Möglichkeiten auch mehr in seiner Freizeit nutzen. In der Kombination aus beruflicher und privater Weiterbildung habe jeder Beschäftigte nur Vorteile. Die Weiterbildungsangebote müssten allerdings auch zum beruflichen Profil der Beschäftigten passen, zumal in der heutigen Wirklichkeit auch der Wechsel eines Arbeitgebers immer mehr zur Gewohnheit werde.

Bettina Altersleben vom DGB sieht in einer stärkeren Weiterbildungsbereitschaft der Unternehmen den besten Hebel, um die Konkurrenzfähigkeit der Saar-Unternehmen auch längerfristig zu garantieren. Martin Schlechter betont, die Unternehmen müssten künftig sowohl über die richtigen Produkte verfügen, die sich auch verkaufen lassen, sowie über qualifizierte Mitarbeiter.

Dass die Saar-Industrie erheblich unter Druck gerät, verdeutlichte Enzo Weber, Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit. Er verwies auf Untersuchungen, nach denen zwischen 2021 und 2040 im Saarland der Fahrzeugbau rund 8000 Beschäftigte verlieren wird, die Unternehmen in der Metallerzeugung 6000 Menschen, der Einzelhandel ohne Handel mit Kraftfahrzeugen 6000 Beschäftigte sowie die Bereiche Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung rund 5000 Beschäftigte. Gewinner seien dagegen das Heim- und Sozialwesen mit einem Plus von 2000 Beschäftigten, die Gastronomie mit 3000, Kunst, Unterhaltung und Erholung mit 1000 sowie sonstige Unternehmensdienstleister mit 5000 zusätzlichen Beschäftigten. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger fasst die gewonnenen Erkenntnisse so zusammen: „Wir müssen die Saarländerinnen und Saarländer motivieren. Und wir müssen als Region schneller und cleverer sein als andere."