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Kommentar
Fortschrittlicher, aber einsamer Weg 

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Tholeyer Klostergemeinschaft beschreitet einen bemerkenswerten Weg Richtung Zeitgenossenschaft. Obwohl sie wusste, dass die alten Fenster in der Abtei vielen Menschen lieb geworden sind, lehnte sie es ab, sie zu belassen. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Die Fratres wollten und suchten nach aktueller Kunst, nach einem Spiegel für das Hier und Heute. Neben einem der größten Gegenwartskünstler – Gerhard Richter – wählten sie sehr bewusst eine Frau aus, eine Künstlerin nicht-christlichen Glaubens. Das sehen sie als Vorteil an in einer globalen Welt und als Zeichen für die universelle Botschaft des Christentums. Fortschrittlicher und weltoffener lässt sich kaum entscheiden. Freilich, es ist eine einsame Entscheidung. Sie fiel, wie man jetzt erfuhr, ohne Beratung der staatlichen Denkmalbehörden. Just darauf weist zu Recht der Bund Deutscher Architekten hin. Mögen Kirchenrecht und Denkmalschutzgesetz den Fratres auch jedwedes Recht dazu geben, mögen Rang und Qualifikation beider Künstler auch unstrittig sein – die Kircheninnenraumgestaltung in einem der ältesten Klöster Deutschlands ist nun mal ein öffentliches Gut. Sie verdient noch mehr Transparenz und Publizität. Die Fratres haben für ihre Gestaltungsideen gute Argumente, sie müssen den Meinungsaustausch bei einem Symposium nicht fürchten. Vielmehr ließe sich hier beispielhaft erörtern, wie man Kirchendenkmäler erneuert.