Drama der Union rührt Liberale nicht

Drama der Union rührt Liberale nicht

Berlin. Zweimal wird es im Konrad-Adenauer-Haus der CDU ganz still. Das erste Mal, als um 18 Uhr die Prognose über die Bildschirme flimmert. Als dann zehn Minuten später Spitzenkandidat Norbert Röttgen auf den Monitoren erscheint, verstummen erneut alle Gespräche

Berlin. Zweimal wird es im Konrad-Adenauer-Haus der CDU ganz still. Das erste Mal, als um 18 Uhr die Prognose über die Bildschirme flimmert. Als dann zehn Minuten später Spitzenkandidat Norbert Röttgen auf den Monitoren erscheint, verstummen erneut alle Gespräche. Er trete vom Amt des CDU-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen zurück, verkündet der große Verlierer der Landtagswahlen. Jetzt wird in der Berliner Parteizentrale höhnisch aufgelacht.Röttgen, auch Stellvertreter von Angela Merkel im CDU-Vorsitz sowie Bundesumweltminister, ist bei den Unionsanhängern unten durch. "Er hat es vermasselt", sagt einer, der auf Röttgens Fehler im Wahlkampf verweist; vor allem darauf, dass der 46-Jährige sich nie klar für NRW entschieden hat. Die Parteioberen wollen mit dem grandios Gescheiterten allerdings nicht so hart ins Gericht gehen, noch nicht. Peter Altmaier, Parlamentsgeschäftsführer, sagt, es sei "nicht der Tag der Schuldzuweisungen". CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe betont erst auf Nachfrage, dass Röttgen "mit voller Kraft" seine Arbeit in Berlin weiter erledigen werde. Heute kommen die Gremien der CDU in Berlin zusammen. Bei den Sitzungen dürfte es entgegen Gröhes Einschätzung auch um Röttgens weitere Zukunft in Partei und Regierung gehen.

Bei den Liberalen rührt das Drama der CDU keinen. Im Gegenteil. Es zeige sich, sagt etwa Fraktionschef Rainer Brüderle, dass "die Wähler der Union schwarz-grüne Spielereien nicht wollen". Die FDP hat am Sonntag ordentlich Selbstbewusstsein getankt. Die über acht Prozent in NRW wirken wie ein Befreiungsschlag aus bleierner Zeit. Nach Schleswig-Holstein der zweite in Folge.

FDP-Fraktionschef Brüderle klatscht erfreut: Mit der Union hat er wenig Mitleid. Foto: Pilick/dpa.

Vor fünf Monaten hat sich Lindner noch im Streit mit Parteichef Philipp Rösler als Generalsekretär davongemacht, heute kommt er zu den Gremiensitzungen als Triumphator zurück nach Berlin. Wird der Erfolg in NRW auch eine Führungsdiskussion bei den Liberalen auslösen? Dieses Thema vermeiden alle bei der Wahlparty. Rösler dankt Lindner aber ganz uneingeschränkt, weil der sich "in schwierigster Lage" in die Verantwortung habe nehmen lassen. Dafür gibt es besonders deutlichen Applaus. kol/has