Jubel bei SPD und Grünen, Linke betrübt

Jubel bei SPD und Grünen, Linke betrübt

Berlin. Eine Stehkapelle sorgt schon am Eingang des Willy-Brandt-Hauses für gute Stimmung. Als um 18 Uhr die erste Prognose über die Bildschirme flimmert, kennen die Genossen kein Halten mehr. Ohrenbetäubender Jubel über das CDU-Debakel, der sich fast zum Orkan steigert, als die gut 38 Prozent für die eigene Partei eingeblendet werden. Rhythmisches Klatschen

Berlin. Eine Stehkapelle sorgt schon am Eingang des Willy-Brandt-Hauses für gute Stimmung. Als um 18 Uhr die erste Prognose über die Bildschirme flimmert, kennen die Genossen kein Halten mehr. Ohrenbetäubender Jubel über das CDU-Debakel, der sich fast zum Orkan steigert, als die gut 38 Prozent für die eigene Partei eingeblendet werden. Rhythmisches Klatschen. Die Sozialdemokraten sind sogar stärker geworden als Union und FDP zusammen, rechnet Parteichef Sigmar Gabriel vor. "Wenn die Menschen wissen, worum es geht, wenn die Richtung klar ist, dann haben SPD und Grüne auch trotz der Piraten eine eigene Mehrheit". Das sei ein "guter Ausblick für 2013", so Gabriel weiter. Kein Zweifel, mit einer soliden rot-grünen Mehrheit im bevölkerungsreichsten Bundesland im Rücken lässt es sich gut für die nächste Bundestagewahl trommeln.In etwas kleinerem Rahmen, aber nicht minder ausgelassen feiern ein paar Kilometer weiter die Grünen ihren Wahlerfolg. Anders als bei den Genossen gibt es sogar Sekt in ihrer Parteizentrale. Lange Zeit hatte man befürchtet, dass es wegen eigener Schwächen und des Aufwinds der Piraten womöglich doch nicht für eine Mehrheit mit der SPD reichen könnte. Doch es kam anders. Und die Erleichterung darüber steht auch Parteichefin Claudia Roth ins Gesicht geschrieben. Mehr noch als den eigenen Erfolg beklatschen die Grünen jedoch die krachende Niederlage der CDU. Damit habe auch Merkel eine "schallende Ohrfeige" bekommen, triumphiert Roth.

Partei-Chef Gabriel ist im siebten Himmel - und die SPD außer sich vor Begeisterung. Foto: Kumm/dpa.

Als schallende Ohrfeige muss auch die Linkspartei ihr dürftiges Abschneiden empfinden. Erst am vorletzten Sonntag war sie aus dem Landtag von Schleswig-Holstein geflogen. Und nun auch noch das parlamentarische Aus an Rhein und Ruhr. "Alle, die jetzt anfangen, das Totenglöckchen der Linken zu läuten, haben sich zu früh gefreut", meinte die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht. Doch auch sie musste einräumen, dass es nicht geholfen habe, "dass wir sehr viel Streitereien auf Bundesebene hatten". vet