Rauswurf statt Pulitzerpreis

George W. Bush soll sich vor dem Dienst im Irakkrieg gedrückt haben – enthüllt im Jahre 2004 ein renommiertes Fernsehmagazin in den USA. Doch dann, mitten im Wahlkampf, geht es den Journalisten an den Kragen. Der Film „Der Moment der Wahrheit“ komprimiert diese wahre Geschichte in zwei packenden Stunden.

Hat sich George W. Bush lange vor seiner Amtszeit als US-Präsident als junger Soldat vor dem Einsatz im Vietnamkrieg gedrückt? Nachdem ihr von Informanten entsprechende Hinweise und Dokumente zugespielt werden, stellt sich diese Frage im New York des Jahres 2004 der allseits respektierten und geschätzten Journalistin Mary Mapes (Cate Blanchett ). Sie produziert "60 Minutes", das erfolgreichste Fernsehnachrichtenmagazin des Landes und macht sich mit ihrem Team an die Recherche.

Es ist eine besonders brisante Zeit - 9/11 liegt gerade drei Jahre zurück, zudem tobt der Präsidentschaftswahlkampf "Bush gegen Kerry”. Als Mapes ihre Ergebnisse gemeinsam mit dem angesehenen Anchorman des Senders, Dan Rather (Robert Redford ), als investigativen Bericht enthüllt, scheint das eine journalistische Glanzleistung zu sein, die Bush schwer schaden und seine Wiederwahl verhindern könnte. Doch plötzlich kippt die Stimmung: Öffentlichkeit und andere Medien prügeln auf Mapes und ihr Team ein, hinterfragen die Echtheit der Dokumente, der Informant knickt ein, zurate gezogene Experten relativieren ihre Ergebnisse - die Journalisten stehen am Pranger.

Robert Redford hat 1976 in "Die Unbestechlichen", dem Film um die Enthüllung der Watergateaffäre, eine Glanzleistung abgeliefert. Acht Oscars setzte es damals für diesen starken Streifen über die investigative Recherche der Zeitung "Washington Post", über die der damalige US-Präsident Richard Nixon stolperte. In "Der Moment der Wahrheit" ist seinem Charakter am Ende allerdings nicht der Pulitzerpreis, sondern die Arbeitslosigkeit beschieden.

Hat das Team einen Fehler gemacht, schlampig recherchiert, war es zu gutgläubig oder gar ideologisch geprägt? Oder haben Bush und sein mächtiger Wahlkampfsponsor, der Medienkonzern Viacom , Druck auf CBS ausgeübt, um Mapes und Rather zu feuern? All das lässt Regisseur, Drehbuchschreiber und Produzent James Vanderbilt offen. Auch wenn im Film nie offen Bösewichte, zwielichtige Hintermänner oder offen Manipulatoren auftreten, ist die Tendenz klar pro Mapes. Das liegt unweigerlich daran, dass der Verfilmung ihre Biografie "Truth and Duty: The Press, the President, and the Privilege of Power" zugrunde liegt.

Und Mapes-Darstellerin Cate Blanchett liefert eine starke Leistung als engagierte, akribische, leidenschaftliche, neutrale Journalistin, deren Existenz durch Entwicklungen von außen zerbricht. Selbst wenn die Kamera in wesentlichen Teilen die Handlung im Schnittraum, bei Telefonaten oder dem Studium von Akten einfängt, bleibt die Geschichte durchweg spannend. Das liegt auch an der herausragenden Besetzung bis in die Nebenrollen, wobei die schauspielerischen Talente eines Dennis Quaid , Topher Grace oder Bruce Greenwood wegen ihren geringen Handlungsanteilen leider auch verschenkt werden. Die Einflüsse auf das Mediensystem, die Beschneidung der Rolle des Journalisten als vierter Macht - das sind zentrale Aspekte, die "Der Moment der Wahrheit" thematisiert. Im Vergleich zur Watergate-Affäre, die den Präsidenten stürzte, haben sich die Zeiten zu dieser "Rathergate-Affäre", weil Nachrichtensprecher Rather ihr bekanntestes (Bauern-)Opfer war, diesbezüglich in Amerika nicht zum Besseren gewendet. Bush trat nicht zurück, sondern wurde wiedergewählt.

Erschienen bei Universum Film, 121 Minuten, DVD

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Am Rande Ein Aha-Erlebnis dürften all diejenigen Filmfans haben, die sich für das militärische Geschehen in der Region interessieren. Denn es taucht auch ein Mann auf, der in Baumholder einen Teil seiner Kindheit verbracht hat - und der in den 1990er-Jahren als Kommandeur der Divisionsartillerie zurück auf dem US-Militärstandort in seiner nach eigenen Angaben "zweiten Heimat" war. Die Rede ist von General Mark Kimmitt, der, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, selbst überrascht war, sich - gespielt von einem Schauspieler - auf der Leinwand zu sehen. "Das war im Flugzeug und schon ein komisches Gefühl", sagt er. Etwas unangenehm sei ihm das gewesen. Und er fügt hinzu: "Gott sei Dank war es nur eine kurze Szene." Seinem Auftritt in dem sehr spannenden und informativen Film kommt eine Schlüsselrolle zu, wie er selbst sagt: "Das Abu-Ghraib-Interview war sehr wichtig, so dass Mary Mapes für diese Story einen Emmy bekommen hat. Und ein Jahr später wurde sie gefeuert - wegen der George-Bush-Story". him