1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Kommentar zum Fahrradfahren in Zweibrücken

Kommentar zum Radverkehr in Zweibrücken : Motiviert wirken, aber kaum etwas tun

Zweibrücken muss sich unzweifelhaft den Vorwurf gefallen lassen, dass sein schlechtes Abschneiden beim Fahrradklimatest mit der Note 4,17 aus Bequemlichkeit resultierte. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass die Stadt beim Radverkehr nicht so recht zu Potte kommt?

Beispiel: Die Initiative „Pro Fahrrad“ wies im Januar 2020 auf fehlende Fahrradständer hin. Ein Mangel, der Monate später abermals deutlich wurde. Im Juni, beim Stadtradeln. Nur getan hat sich seitdem kaum etwas – bis heute. Vor diesem Hintergrund wirkt es geradezu höhnisch und spöttisch, dass die Stadt bei der Bereitstellung von Fahrradständern von „schnell umsetzbaren Maßnahmen“ spricht. Und das, obwohl sie äußerst langsam vorgeht.

Wie sehr die Stadt den Radverkehr im sicherlich vielschichtigen politischen Tagesgeschäft vernachlässigt, zeigt sich auch daran, dass sie bis heute noch keinen Radfahrbeauftragten berufen hat. Dabei hatten schon im November die Stadträte dafür gestimmt, einen solchen Posten zu schaffen. Nur: Seitdem hat sich nichts getan – bis auf die Tatsache, dass die Stadträte zuletzt erneut über diese Frage abgestimmt haben. Und sich, trotz zweier Nein-Stimmen, auch diesmal sehr klar für einen Radverkehrsbeauftragten aussprachen. Das Problem: Motiviert wirken, jedoch fast gar nichts tun – dieses Prinzip hat schon in der Schule nicht funktioniert.

Ja, mit dieser Scharade senden die Stadträte letztlich nur eine Botschaft aus: „Jeder andere soll es gerne machen – solange ich es selbst nicht bin!“ Nur, wer macht es dann, wenn keiner will, weil andere sollen? Mit dieser passiven Haltung wird sich die Infrastruktur für Radfahrer gewiss nicht verbessern. Dafür braucht es Fleiß, Begeisterung, Ideen, Mut. Denn die Mobilitätswende, die im Kampf gegen den Klimawandel unerlässlich ist, geht schlicht nur mit mehr Radverkehr. 

Es bleibt zu hoffen, dass Zweibrückens OB Marold Wosnitza (SPD) sein Versprechen noch einlöst, das er 2020 abgab: „Das Stadtradeln werde ich zum Anlass nehmen, mich auf eine Affäre mit dem Fahrrad einzulassen und aus meiner monogamen Beziehung mit dem Auto auszusteigen.“ Bis heute ging er aber, um in seinem Sprachbild zu bleiben, keine polygame Beziehung ein. Auch das bei Dienstantritt angekündigte „umfassende Fahrradverkehrskonzept“ liegt noch nicht einmal in seiner Schublade. 

Die Verantwortlichen sollten endlich mehr Taten folgen lassen und sich von ihrer Zeitlupen-Politik verabschieden.