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Kinderärzte in Zweibrücken und Contwig über Impfungen gegen Corona

Kinderärzte über Impfungen : „Die Eltern haben jede Menge Fragen“

Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, nur Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen gegen Corona zu impfen. Kinderärzte in den beiden Zweibrücker Praxen befürworten Impfungen, Kinderarzt aus Contwig zeigt Skepsis.

Es ist eine Entscheidung, die vielen Eltern und ihren Kindern offenbar schwer fällt. Wie umgehen mit der Impfung? Die Unsicherheit darüber, ob die Kinder und Jugendlichen sich das Vakzin gegen das Corona-Virus verabreichen lassen sollen ist groß, berichten Kinderärzte aus den beiden Praxen in Zweibrücken und der Praxis in Contwig.

Die Kinderärzte selbst bekommen es auch nicht gerade leicht gemacht. Schauen sie doch auf die Empfehlungen der Stiko (Ständige Impfkommission). Diese tat sich zuletzt selbst schwer und erklärte, keine generelle Empfehlung aussprechen zu wollen. Am Dienstag schließlich wurde bekannt, dass die Stiko in engen Grenzen eine Impf-Empfehlung aussprechen werde (siehe Infokasten).

Christian Neumann betreibt seit vielen Jahren eine Kinderarzt-Praxis in der Hallplatz-Galerie. Neumann, der zudem Sprecher des BVKJ (Berufsverband Kinder- und Jugendärzte) ist, wurde vom Merkur bereits am Montag um eine Stellungnahme gebeten – einen Tag, bevor die neue Impf-Empfehlung der Stiko bekannt wurde.

Doch hatte Neumann bereits am Montag eine klare Haltung: „Kinder sollten dringend geimpft werden“, sagte er. Zuerst sollten Kinder mit Vorerkrankungen das Vakzin erhalten, danach die anderen Kinder.

Sicher sei die Stiko vorsichtig, aber er blicke auch auf die USA, um diese Frage einzuordnen. Die dortige Arzneimittelbehörde FDA habe bereits vor acht Wochen den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf zugelassen. „Die sind in den USA auch nicht dümmer als wir hier“, merkt Neumann an, dass die Einschätzung der FDA für ihn Gewicht habe. Die Erziehungsberechtigten seien verunsichert, hat er beobachtet. „Die Eltern haben jede Menge Fragen. Das ist verständlich.“ Neumann hat beobachtet, dass die Kinder in der Pandemie leiden, sowohl sie wie auch ihre Eltern hätten vielfach den Wunsch, geimpft zu werden.

Anette Koschela arbeitet als Kinderärztin in der Praxisgemeinschaft Moser, Semar und Koschela in der Gutenbergstraße. Koschela sagt: „Die Kinder sollten dieselben Rechte haben, sich impfen zu lassen wie die Erwachsenen.“ Auch sie verweist auf die USA: „Kinder wurden dort mit sehr gutem Erfolg mit Biontech geimpft.“ Die Verträglichkeit sei überzeugend. Auch in ihrer Praxis gebe es sehr viele Anrufe von Eltern, viele Fragen – und eine lange Warteliste. Denn viele Kinder wollten sich impfen lassen. Eine Herausforderung sei, dass so wenig Vakzin zugeteilt werde. „Manchmal erhalten wir drei Flaschen, aus denen wir 18 bis 21 Spritzen ziehen können, manchmal kommen vier an, manchmal nur zwei.“ Es sei schwer, zu planen, man wolle Schritt für Schritt die Warteliste abarbeiten.

Harald Schönhofen ist Kinderarzt in Contwig, er hat seine Praxis in der Hauptstraße. Schönhofen äußert sich skeptischer. So hätten junge Männer bei Biontech „häufiger Nebenwirkungen gezeigt“, sagt er. In Fachkreisen werde darüber diskutiert, „ob die Impfung für Kinder nicht etwas überstürzt kommt“. Es sei „ein hohes Risko, das man trägt“, gibt er zu bedenken. Schönhofen, der ebenfalls viele Fragen von Eltern zu beantworten hat, sagt, jeder müsse das selbst abwägen; in der Altersklasse unter 16 gebe es nur wenig gesicherte Erkenntnisse. Schönhofen ist auf jeden Fall vorsichtig und rät zu einer genauen Abwägung.