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Sie trotzen der Kälte Klimawandel ist kein Schnee von gestern

Sie trotzen der Kälte Klimawandel ist kein Schnee von gestern

Zweibrücken. Seit einigen Tagen klettert das Thermometer nicht mehr über die Null-Grad-Grenze. Da ist es gut, wenn man in der warmen Stube sitzt. Doch es gibt auch in Zweibrücken Menschen, die müssen raus in die sibirische Kälte.Wie Michael Wolf oder Kurt Schmidt vom Entsorgungsbetrieb Zweibrücken (EBZ). Derzeit füllen die beiden Mitarbeiter die 152 Salzbehälter im Stadtgebiet auf

Zweibrücken. Seit einigen Tagen klettert das Thermometer nicht mehr über die Null-Grad-Grenze. Da ist es gut, wenn man in der warmen Stube sitzt. Doch es gibt auch in Zweibrücken Menschen, die müssen raus in die sibirische Kälte.Wie Michael Wolf oder Kurt Schmidt vom Entsorgungsbetrieb Zweibrücken (EBZ). Derzeit füllen die beiden Mitarbeiter die 152 Salzbehälter im Stadtgebiet auf. Damit können die Anlieger die Straßen, besonders die Steigungsstrecken, mit Salz streuen und für einen sicheren Fahrweg sorgen. "Einer muss es ja machen", meint Wolf. Seit 13 Jahren ist er im Winter mit seinem Fahrzeug unterwegs. "Dann ist es halt kalt. Aber daran gewöhnt man sich auch." Es sei zwar nicht jedermanns Sache. "Aber wenn man immer im Freien arbeitet, wird man weniger krank", sagt der EBZ-Mitarbeiter. Mit einem Hemd und einem Pullover unter der Jacke schützt er sich vor der Kälte. "Man muss sich halt entsprechend anziehen", fügt Kurt Schmidt hinzu. "Wenn man das Salz reinschippt, bekommt aber schon warm."Neben den beiden sind noch rund 50 weitere Beschäftigte des EBZ im Freien tätig. Seien es die Müllwerker, die Straßenreiniger oder die Straßenbauer. "Die müssen raus. Wenn eine Straße kaputt ist, müssen wir die flicken", erklärt der Leiter des Betriebshofs, Steffen Mannschatz. Jetzt wird so genanntes Kaltmaterial eingesetzt. Mannschatz: "Und dem Schneeräumdienst müssen wir im Winter nachkommen." Bei Notfällen wie Rohrbrüchen müssen auch die Mitarbeiter der Stadtwerke bei Wind und Wetter raus. Aber von einem solchen Einsatz blieben die Mitarbeiter gestern verschont. Raus mussten am Dienstagabend aber zwei Mitarbeiter der Wärmeservice GmbH (eine Tochter der Stadtwerke), als um 22 Uhr die Heizungszentrale auf den Sechsmorgen ausfiel. Rund 160 Einfamilienhäuser und 186 Wohnungen der Gesellschaft für Wohnen und Bauen waren ohne Heizung. Bis um vier Uhr hatten dann die Mitarbeiter mit den Heizungsinstallateuren zu tun, bis die Heizung wieder lief. "Um fünf Uhr war es in den ersten Häuser wieder warm", sagt der Geschäftsführer der Wärmeservice, Horst Heinrich. Weiter entfernt liegende Wohnungen mussten noch etwas länger warten. "Das war die bisher größte Störung."Ebenfalls der Kälte müssen die Mitarbeiter des Landgestüts standhalten. "Die Pferde müssen täglich bewegt werden. Und in der Reithalle ist es nicht wärmer als draußen", sagt der Geschäftsführer des Landgestüts, Alexander Kölsch. In der Halle ist es aber zumindest trocken. "Aber auch da muss man sich warm einpacken", erklärt die angehende Pferdewirtin Mara Liesen. Aber sie macht klar: "Das gehört zum Beruf." Die Pferdewirte arbeiten im Winter mit den Pferden aber nicht im Freien. Die Kälte ist jedoch nicht der Grund. "Auf dem gefrorenen Boden können wir die Pferde nicht richtig bewegen. Das ist zu gefährlich", erklärt Kölsch. Deshalb findet die Arbeit in der Halle statt. Aber auch dort müssen die Pferde mit der Kälte umgehen. Deshalb hat Damarco derzeit auch zwei wärmende Decken. Zweibrücken. Den aktuellen tiefen Temperaturen zum Trotz: Das zu Ende gehende Jahrzehnt war in Deutschland das wärmste seit 130 Jahren. Während viele Südwestpfälzer noch vor einigen Jahren die Klimawandel-Diskussion als Hysterie empfanden, nimmt die Sensibilität dafür nun zu."Es gibt auf jeden Fall eine dynamische Wetterveränderung", bestätigt Professor Gebhard Schüler von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft im Gespräch mit unserer Zeitung. Durch das veränderte Klima verhalten sich zwar die Menschen kaum anders, doch Pflanzen- und Tierwelt reagierten bereits auf die Veränderungen. Es gebe dabei Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen die Schädlinge, Verlierer seien hingegen die Bäume, die von den Schädlingen befallen werden. "Früher gab es von den Borkenkäfern zwei Generationen pro Jahr, heute vier", berichtet Schüler. Im Pfälzerwald ist vor allem die Buche gefährdet. Aber auch die Eiche, vor Jahren frei von Schädlingsbefall, ist befallen. Mittlerweile gibt es im Pfälzerwald bereits starke Baumschäden. Zwar seien noch keine starken Ausfälle zu bemerken, doch in 20 Jahren werde sich die Lage zuspitzen, ist sich Schüler sicher.Auch für andere Pflanzen hat sich die Ausgangssituation verändert. Der World Wide Fund for Nature (WWF) gibt zu bedenken, dass die milden Wintertemperaturen eine vorverlegte Blütezeit beschleunigen. Diese bergen die Gefahr, dass Pflanzen durch auftretenden Spätfrost im Frühjahr in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. Aber auch die Tierwelt sei betroffen. Besonders die Amphibien bekommen die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Sie sind in ihrer Mobilität eingeschränkt und verlieren zunehmend ihren Lebensraum. Das verfrühte Laichen zum Beispiel von Fröschen ist laut WWF immer häufiger zu beobachten. Zugvogelarten ziehen zunehmend später weg und kehren früher wieder zurück. Häufig ist auch eine Verkürzung der Zugstrecken oder Überwintern im Brutgebiet festzustellen. Der Biologe Jürgen Ott erklärt, dass die kälteliebenden Tierarten mehr und mehr von den wärmeliebenden Arten ersetzt werden. Er beobachtet dies in der Südwestpfalz vorrangig bei den Libellen. Auch die Lebewesen, die Winterschlaf halten, werden in ihrem Rhythmus durch die Klimaveränderung gestört sa "Einer muss es ja machen."Michael Wolf,EBZ-Mitarbeiter