Landwirte hadern mit Ernte

Ein Drittel weniger als im letzten Jahr ernten die Landwirte der Region dieses Jahr beim Getreide. Das Mehl sei nicht ins Korn gewachsen, die Körner sind dünn wie schon lange nicht mehr.

Noch stehen Hafer, Roggen oder Weizen auf dem Halm. Bei Hans Lauer vom Stockbornerhof gestern sogar noch die Hälfte der fast 60 Hektar großen Getreideanbaufläche. Dennoch, eine Erntebilanz lässt sich jetzt schon ziehen, denn am Ertrag werden die verbleibenden Erntetage nichts mehr ändern. Rund ein Drittel werden die Landwirte im Zweibrücker und Pirmasenser Land ernten. Dies wurde von jedem der Befragten genannt.

Die vorweggenommene Schlussbilanz zur Ernte 2016 ist für alle landwirtschaftlichen Betriebe niederschmetternd, obwohl von einer regelrechten Missernte nicht die Rede sein könne. Einig sind sich zudem die Landwirte in der Region bei der Ursachenforschung. Das Wetter spielte einmal mehr nicht mit. Und wie bei einer großen Maschine greift ein Rad ins andere, kommt zum Regen im Frühjahr der nachfolgende Pilzbefall.

Der nimmermüde Arbeitseinsatz kann nur mithelfen im Anbau noch das zu retten, was zu retten ist, erklärt etwa Jungbauer Steffen Sewohl aus Battweiler.

Großflächig steht das Unkraut im Acker, hat nicht nur zu Einbußen beim Anbau geführt sondern beeinträchtigt auch jetzt zur Ernte die Feldarbeit, wie Lohndreschunternehmer Gernot Lauer aus Mauschbach feststellt. "Wir haben unwahrscheinlich viel Grünes in den Anbauflächen. Da wird das Material stark beansprucht, und der Auswurf ist allgemein schlecht." Hans Lauer vom Stockbornerhof sieht nicht allein die Einbußen beim Getreideanbau. Der Milchbauer mit dem großen Milchviehstall von mehr als 100 Tieren verfüttert weitgehend die Ernte im eigenen Tierbestand, und weil der Milchpreis noch immer im Keller ist, werden die Sorgenfalten von Lauer und seinen Berufskollegen keineswegs geringer.

Ein Lied, das auch Landwirt Jörg Klein aus Winterbach singen kann, der auf einer 30 Hektar großen Fläche die Getreideernte einbringt. Futtererbsen, Roggen und Weizen sind bei ihm noch abzuernten. Wie viele seiner Kollegen in der Region wartet auch Klein auf den landwirtschaftlichen Dienstleister. "Wer keinen eigenen Mähdrescher hat, muss eben warten, bis er an der Reihe ist." Diese Gelassenheit weiß der Landwirt in der x-ten Generation auch auf die Ernteerträge zu übertragen. "Wir nehmen das, was wir bekommen. Zu ändern ist das ohnehin nicht." Wie bei Hans Lauer wird ein Großteil verfüttert. Was Klein jedoch ärgert, ist die Preisgestaltung in der Branche. Letztes Jahr habe er für den Tierbestand Weizen zukaufen müssen, die Tonne für 140 Euro. Als jetzt auf Teilen seiner Anbaufläche die Erträge durchaus gut ausfielen, bot Jörg Klein Getreide zum Verkauf an. Für die Tonne wollte man allerdings nur noch 100 Euro zahlen. "40 Euro weniger - da soll man sich nicht ärgern!" Jetzt schafft der Winterbacher Bauer sich noch Lagerflächen, denn so will er sich doch nicht über den Tisch ziehen lassen.

Das Mehl sei in diesem Jahr nicht ins Korn gewachsen, gibt Bauer Wilfried Sewohl eine alte Bauernweisheit wieder. Wie ein besserer Ertrag in diesem Jahr möglich gewesen wäre, hat Sewohl zudem parat: "Das Wetter vom letzten und diesem Jahr gemixt, das hätte uns gute Erträge beschert."