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Einblick in ein großes, fremdes Land

Einblick in ein großes, fremdes Land

Mehr als 50 Frauen und Kinder und sogar ein Mann kamen zu der Veranstaltung des Frauenforums nach Contwig. Dort gab es viel Wissenswertes über Indien, über das Schöne und Schreckliche, das in diesem Land geschieht. Versüßt wurde der Vortrag durch Appetithäppchen.

Räucherstäbchen duften mit indischen Gewürzen wie Koriander um die Wette. Obwohl 19 Uhr bereits vorbei ist, strömen noch immer Frauen, zum Teil aus weit entfernten Ländern, mit ihren Kindern in den Festsaal unter dem Dach im Contwiger Rathaus. Sie alle wollen etwas über Indien und das Leben der Frauen dort mit Lichtbildern und einem Vortrag erfahren.

Das große, asiatische Land ist der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto "FrauenLebenWeltweit", zu der das Frauenforum Südwestpfalz einlädt. "Ich bin ganz geflasht - mit so viel Resonanz haben wir nicht gerechnet", staunt Susanne Morsch, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Südwestpfalz, bei ihrer Begrüßung. Mehr als 50 Frauen und Kinder und sogar ein Mann füllten den Saal. Sie alle lassen sich von Hedi Bender, Presbyteriumsvorsitzende in der katholischen Kirche Contwig , nach Indien entführen.

Nach wie vor werden Frauen und Mädchen in Indien im gelebten Alltag stark benachteiligt - obwohl das Gesetz sie rechtlich wie finanziell gleich stellt. Trotz eines Frauenmangels von 30 Millionen Frauen bei mehr als einer Milliarde Einwohnern, werden Mädchen nach der Geburt auf verschiedene Weise getötet, gelten Frauen als minderwertig, sexuelles Freiwild und werden nach wie vor auf dem Land als Witwen verbrannt. Unter der Hand und niemals strafrechtlich verfolgt. Eine kleine Gruppe revolutionärer Frauen in pinkfarbenen Saris greift seit 2006 als organisierte Gang mittlerweile in New Delhi ein, um die Rechte der Frauen zu fördern und verprügelt auch schon mal ungerechte Polizisten oder Vergewaltiger. Gut ausgebildete Frauen hingegen haben zwar minder bezahlte, aber attraktive Jobs in Bereichen wie der Computertechnik. Da Schulen wie Krankenversorgung Geld kosten, werden allerdings zuerst die Jungen geschult und behandelt - auf Kosten der Mädchen .

Die Schere in Indien zwischen Arm und Reich klafft besonders weit auseinander. Hedi Bender weiß das, weil sie bereits 27 Mal das große Land bereist hat und ihre Schwiegertochter Diana Inderin ist - aus Mumbai, wie Bombay heute wieder auf Indisch heißt. Diese ergänzt die Berichte ihrer Schwiegermutter und erklärt die mehr als 60 Bilder, mit denen die Contwigerin ihren Vortrag veranschaulicht: Menschenporträts, Landbevölkerung, Slums in den Großstädten, schöne Wolkenkratzer in der Weltstadt Mumbai, Kinder, Divali als größtes indisches Fest, das Don-Bosco-Projekt in Bombay, wo Straßenkinder unterkommen. All diese Fotos spiegeln die Vielschichtigkeit des großen Landes wider. Hedi Bender hat Indien und auch das Projekt schon mehrfach besucht, Schulmittel oder Medikamente vermittelt. Mit der Ärztin vor Ort, die ein Krankenhaus und eine Schule für mehr als einige hundert Kinder betreibt, hat die Contwigerin Beipackzettel übersetzt, damit diese die Medikamente einsetzen kann. Fast eineinhalb Tage haben sie und ihre Schwiegertochter sowie einige weitere Frauen geschnippelt und gekocht, um die Gäste mit original indischen Köstlichkeiten wie Gemüse-Samosas, Gemüse-Kebabs oder mit Koriander und Minze gewürztem Joghurt zu verwöhnen. Waltraut Veitdt aus Nünschweiler interessiert sich generell für Vorträge aus anderen Ländern, "weil die so lehrreich sind". Sie war ebenso begeistert wie Hildegard Becker aus Waldfischbach, deren Interesse speziell Indien gilt, weil sie bereits dort war. Sie fragten, wie viele andere, nach dem nächsten Treffen. Ein weiterer Termin steht allerdings noch nicht fest.