Kritik zu „After the Wedding“ von Bart Freundlich - mit Trailer

Julianne Moore als Chefin eines Medienkonzerns : Edle Kulisssen, dünne Geschichte

✮✮ „After the Wedding“ von Bart Freundlich: Bescheidenes Remake trotz starker Besetzung.

Ein Mann braucht für einen guten Zweck dringend Geld – und der Mann, der ihm gegenüber sitzt, weiß das ganz genau und genießt das. Dies ist eine frühe, und die beste Szene aus dem Film „Nach der Hochzeit“, mit dem die Dänin Susanne Bier sich eine Oscar-Nominierung für den besten Auslandsfilm des Jahres 2006 verdienen konnte. Die bestechende Szene zeigt das Gefälle zwischen Arm und Reich, soziale Schranken und daraus erwachsene Verhaltensweisen.

Knapp 13 Jahre später dürfen Kinozuschauer diese Szene noch einmal erleben, nur diesmal mit Frauen, und der Film kommt aus Amerika. Dort hat man einen anderen Blick auf die Welt. Zwar ist das Waisenhaus, das Isabel in Kalkutta leitet, von argen Finanzproblemen bedroht, die Kamerafahrt über blühende Blumenbeete und in wärmstes Licht getauchte Tempelanlagen beschwört aber eher einen exotischen Garten Eden, an dessen Ende, am Rande eines Wasserbeckens, Isabel (Michelle Williams) mit Kurzhaarfrisur und salbungsvollem Lächeln im Lotossitz Kraft für noch mehr Nächstenliebe schöpft.

Die gilt in besonderem Maße dem kleinen Jai, der von den Eltern am Wegesrand ausgesetzt; ein Schicksal, das in Indien traditionsgemäß eher kleinen Mädchen beschieden ist. Isabel braucht Geld, und das wartet in New York, wo die penetrant launige Theresa (Julianne Moore) einen Medienkonzern und – kaum weniger knallhart – ihre fünfköpfige Familie kontrolliert. Das Aufeinandertreffen zwischen Isabel und Theresa in deren Büro fällt aber nur kurz aus, weil die Hochzeit von Theresas ältester Tochter Grace unmittelbar bevorsteht. Isabel wird zur Feier eingeladen, wo sie sich nur widerwillig einfindet. Hier sieht sie erstmals Theresas Ehemann, wirft danach einen vielsagenden Bick auf Grace, und wir wissen, dass Isabel von ihrer lang verdrängten New Yorker Vergangenheit eingeholt worden ist. Was nicht die letzte Enthüllung im luxusdurchtränkten Selbstverständnis amerikanischer Neureichen gewesen sein soll.

Regisseur Bart Freundlich, Ehemann von Julianne Moore und mäßig talentierter Handwerker seiner Zunft, pendelt das alles zwischen „Denver Clan“ und „This Is Us“ ein. Es gäbe ja auch genug Anlass für große Gefühle – sie wollen sich bloß nicht einstellen. Das dänische Original war schon im Gesamtwurf kein Volltreffer, aber durchdrungen vom hartherzigen Gesellschaftsbild der Dogma-Ära.

Das amerikanische Remake hat vor allem Geld im Produktionsbudget zu bieten. Man kaufte sich edle Kulissen und profunde Schauspielkunst. Das Ergebnis ist bescheiden.

USA 2019, 113 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Bart Freundlich; Kamera: Julio Macat; Musik: Mychael Danna; Besetzung: Michelle Williams, Julianne Moore, Billy Crudup, Will Chase.

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