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Der Film „Ema“ von Pablo Lorrain startet in den Kinos

Jetzt im Kino : Mitreißende Tänze unter der Feuerkugel

✮✮✮✮ Neu im Kino: „Ema“ von Pablo Lorrain: Packende Geschichte um eine junge Frau.

Voller Ekstase tanzt die selbstbewusste Chilenin Ema (Mariana Di Girolamo) zu den elektronisch harten Rhythmen Reggaeton. Die Stärke des lateinamerikanischen Tanzes beflügelt die junge Tänzerin aus Valparaíso, ihren Sehnsüchten, Wünschen und Zielen nachzugehen. Aber auch Entscheidungen in Frage zu stellen.

Ohne Termin sucht die androgyne Ema eine Sozialarbeiterin des Jugendamts auf. Vergebens versucht Ema, ihr Kind, das sie zur Adoption frei gegeben hat, zurückzubekommen. Doch Polo, das elfjährige Waisenkind, das sie zusammen mit Ehemann Gastón (Gael García Bernal) zu sich genommen hatte, lebt bereits bei einer anderen Familie. Emas alleinige Entscheidung Polo wegzugeben sorgt für eine Ehekrise, die ihren Nährboden aus einem unerfüllten Kinderwunsch und egoistischen Lebensentscheidungen des Paares speist.

Als wiederholendes Element mit starker Symbolkraft zeigt Regisseur Pablo Lorraín mitreißende Szenen einer modernen Tanzaufführung. Vor einer großen glühenden Kugel bewegt sich die Tanzgruppe in rotierenden Bewegungen um Ema herum. Sie bildet ein Zentrum und wird immer enger von den Tänzern umkreist. Der Feuerball fängt in jeder neuen Szene vermehrt an zu glühen und zu pochen.

Dem Zuschauer wird zwar kaum die Möglichkeit gegeben, hinter die Gedankengänge der Tänzerin zu blicken. Doch der Regisseur lädt mit einem häufigen Wechsel der Blickwinkel und frontaler Gegenüberstellung das Publikum ein, sich sowohl als stiller Beobachter als auch Teil der Konfrontationen gegenüber Ema und ihren Entschlüssen zu sehen. Die Handlungen der Personen werden nicht als moralisch richtig oder falsch eingeordnet, eine Bewertung wird dem Zuschauer überlassen.

Mit einer aussagekräftigen Bildsprache, mit feiner Mimik und körperbetonter Gestik spiegelt der Film die inneren Uneinigkeiten und Befreiungsversuche von Ema wieder. Durch kompromissloses Ausleben ihrer Sexualität und der leidenschaftlichen Hingabe für den Tanz verschwimmen in Emas Welt die klischeehaften Rollenbilder, die oft mit dem Muttersein assoziiert sind.

„Ema“ knüpft an den gegenwärtigen Zeitgeist der genderfluiden Auseinandersetzung zwischen den Rollen von Mann und Frau an und bereichert das Thema mit einem mutigen, originellen und rauschhaften Kinoerlebnis.

Chile 2019, 102 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Pablo Larrain; Kamera: Sergio Armstrong, Musik: Nicolas Jaar; Besetzung: Mariana Di Girolamo, Gael Garcia Bernal, Paolo Giannini, Santiago Cabrera.