Nach seinem Tod kommt Künstler M.C. Escher noch einmal selbst zu Wort

Biografischer Film über den Künstler : Unwiderstehlich und faszinierend

✮✮✮✮✮ Die superbe Doku „M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit“ von Robin Lutz.

„Ich fürchte, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Drucke machen kann; ich selbst.“ So schrieb es M.C. Escher 1969 in einem Brief an einen amerikanischen Sammler, und hätte es wohl nicht für möglich gehalten, dass genau dieser Fall 46 Jahre nach seinem Ableben eintreten würde.

 Das ist nicht wortwörtlich geschehen, aber Regisseur Robin Lutz und Co-Autorin Marijnke de Jong fanden einen bislang kaum einmal genutzten Kniff, indem sie den Künstler gemäß seiner Tagebücher, Briefe, Vorträge und Kataloge tatsächlich selbst zu Wort kommen lassen. Zeitgenössische Fotos und Filmmaterial ergänzen das gedankliche Grundmaterial des Mannes, der 1898 in Leeuwarden als jüngster von fünf Söhnen eines Ingenieurs zur Welt kommt. Er ist ein schlechter Schüler, auch das Studium der Architektur bricht er vorschnell ab. Seine Faszination gehört dem Linolschnitt, später dem Holzschnitt und anderen grafischen Techniken. Arabische Ornamente in der Alhambra mit ihren wiederkehrenden Motiven inspiriert ihn entscheidend. Er versucht, ab 1936 die Illusion der Unendlichkeit in seine Werke zu bannen.

Es ist kaum zu fassen, wie lebendig und unmittelbar diese autobiografische Filterung in einer von Gewalt durchdrungenen Zeit (Escher flieht aus Italien und danach aus Spanien vor dem Faschismus, in Holland erlebt er den Einmarsch der Nazis und die Deportation seines Lehrers Samuel Jessurun de Mesquita) das Leben und Wirken des Mannes erfahren lässt, der sich selbst vor allem als Mathematiker begriff. Escher auf Fotos, die ihn als jungen Mann zeigen, sieht aus wie ein moderner Hipster mit Vollbart unter stufig aufsteigendem Haupthaar. Landschaften heute werden in Bezug gesetzt zu Fotos und der künstlerischen Umsetzung im Holzschnitt, der Grundlage für die Drucke darstellt, die Escher zu einer Ikone der Populärkultur des 20. Jahrhunderts werden lassen. Digitale Eingriffe entlang der Wände der Alhambra führen vor Augen, wie sich Eschers Sichtweise auf die Welt verändert, weil wiederkehrende Muster, Flächen und Linien wie kein anderer erkennen und neu gestalten kann.

Dieser Blick ermöglicht erst die Werke, mit denen Escher nach Kriegsende zu Weltruhm gelangt – Treppen, die innerhalb eines Raums hinauf- und zugleich hinabführen; Muster, die sich im Unendlichen verlieren; das Selbstporträt in einer Metallkugel. Es gibt keine einzige überflüssige Minute in diesem Film, der so unwiderstehlich zu faszinieren vermag, weil er – auch dank Matthias Brandt, der Escher superb seine Stimme leiht – auf unterhaltsame Weise Kunst begreifen lässt. Maurits Cornelis Escher starb 1972 in Hilversum. Er hat 2018 einen fabelhaften Film über sich und seine Arbeit gemacht.

NL 2018, 81 Min.; Regie: Robin Lutz; Drehbuch: Marijnke de Jong, Robin Lutz; Kamera: Robin Lutz; Sprecher: Matthias Brandt.

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