Der Comic-Schurke treibt wieder in den Kinos sein Unwesen

Batmans Erzfeind zurück auf der Leinwand : „Joker“ von Todd Phillips mit Joaquin Phoenix

✮✮✮✮ Regisseur Todd Philips bringt den Joker zurück ins Kino.

Es braucht keinen Unfall mit Chemikalien wie im Comic, um aus Arthur Fleck den Joker zu machen – die ganze Stadt ist toxisch, ein soziales Säurebad. In den Straßen von Gotham City türmt sich wegen eines Streiks der Müll; die Ratten werden zum ernsten Gesundheitsproblem. Noch gefährlicher sind allerdings die Menschen. Während der Comedian Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) den Passanten im Clownskostüm ein Lächeln abzuringen versucht, wird er von Jugendlichen brutal zusammengeschlagen. Das ist ein Tiefpunkt in seinem ohnehin freudlosen Leben. Das manchmal zwanghafte Lachen vergeht Arthur aber trotzdem nicht.

In Todd Phillips „Joker“ (★★★★) über die DC-Comicfigur, die als Nemesis von Bruce Wayne alias Batman zu den bekanntesten Comic-Schurken gehört, findet Arthurs Leiden eine unerwartete Resonanz, die schließlich dazu beiträgt, ihn in den Joker zu verwandeln. Mit seiner motivischen Bezugnahme auf die „Occupy“-Bewegung erinnert der Film von Todd Phillips an den Abschluss von Christopher Nolans „Batman“-Trilogie, „The Dark Knight Rises“. Während dort dem Thema der sozialen Revolte am Ende aber der Stachel genommen wird, lässt Phillips den Zorn und die Wut der Massen, die in der Joker-Figur einen Ausdruck finden, stehen und verwandelt die Figur vom Superschurken zum gebrochenen Antihelden.

Angesiedelt ist der Film in einer Stadtkulisse, die an das New York der 1970er-Jahre denken lässt, aber dennoch beunruhigend gegenwartsdiagnostisch wirkt – als Stimmungsbild eines Landes wie der USA, in der sich gesellschaftliche Gegensätze verstärken und das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Demokratie unter der Präsidentschaft von Donald Trump ernsthaft Schaden nimmt.

USA 2019, 118 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Todd Phillips; Kamera: Lawrence Sher; Musik: Hildur Gudnadottir; Besetzung: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Marc NMaron, Zazie Beetz.

Mehr von Saarbrücker Zeitung