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Leichtathletik
Mit Rehlinger Hilfe den Ringe-Traum erfüllen

Das Bungertstadion spielt in Richard Ringers Karriere eine besondere Rolle. Auch deswegen startet der 29-Jährige ab 2019 für den LC Rehlingen.
Das Bungertstadion spielt in Richard Ringers Karriere eine besondere Rolle. Auch deswegen startet der 29-Jährige ab 2019 für den LC Rehlingen. FOTO: Ruppenthal
Rehlingen. Der deutsche Spitzenläufer Richard Ringer startet ab 2019 für den saarländischen Leichtathletik-Verein. Der will ein Zeichen setzen. Von David Benedyczuk

Vier Mal war Richard Ringer als Sportler beim Rehlinger Pfingstsportfest. Die 55. Auflage steht zwar erst im kommenden Juni an. Dennoch ist der deutsche Spitzen-Langstreckenläufer erneut beim LC Rehlingen zu Gast. Im Haus der Leichtathletik erläutert der 29-Jährige, warum er ab Januar für zunächst zwei Jahre für die saarländische Topadresse an den Start geht. Ein 3000-Meter-Rennen, das vor fünfeinhalb Jahren direkt nebenan auf der Laufbahn im Bungertstadion stattfand, spielt dabei eine wichtige Rolle.


„2013 war eine entscheidende Phase in meiner Karriere“, erzählt Ringer: „Ich bin hier seit langem wieder mal Bestzeit gelaufen – 7:51 Minuten, eine sehr gute Zeit. Danach wurde ich zu meinem ersten internationalen Einsatz bei den Aktiven für die Team-EM in Gateshead nominiert.“ Es folgten große Erfolge wie die Bronzemedaillen bei der Europameisterschaft 2016 über 5000 und bei der Hallen-EM 2017 über 3000 Meter. Also habe er sich gesagt: „Hier fing es an. Warum soll es hier nicht auch enden?“

Perspektivisch tendiert Ringer eher zum Marathon. Jedenfalls nach dem großen Ziel, auf das er künftig mit dem LC Rehlingen als neuem Partner hinarbeitet: Olympia 2020 in Tokio. „Jeder sieht bei mir im Marathon das größte Potenzial. Aber ich habe noch mal Blut geleckt und will bis Tokio noch auf der Bahn zeigen, was ich kann“, betont Ringer. In Rehlingen sind sie froh, einen solchen Top-Athleten an Land gezogen zu haben. „Richard hatte sicherlich lukrativere Angebote. Aber er hat sich zum Glück für uns als kleinen, soliden und mehr familiären Partner entschieden“, sagt der LC-Vorsitzende Thomas Klein: „Wir stehen für Leistungsstärke, haben einen großen Leistungssportbereich mit national und international ambitionierten Sportlern. Das wollen wir mit Richard noch mal untermauern. Und damit nicht zuletzt nach der Misere im Saarsport auch einen Kontrapunkt setzen und wieder ein positives Echo erzeugen.“



Auch der LC Rehlingen war vom Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland nicht verschont geblieben. Von seinem millionenschweren Bauvorhaben, einem Laufschlauch für sein Wintertraining direkt neben dem Stadion, hatte der Verein im Zuge des Skandals Abstand genommen. Warum er nun in externe Sportler statt in die eigene Nachwuchsausbildung investiert? „Wir haben aktuell eine gute Trainersituation. Wenn Trainer gebraucht werden, investieren wir natürlich. Aber hier war ein Athlet auf Vereinssuche. Das haben wir geprüft, ein Angebot abgegeben und vorher sehr wohl überlegt, ob das passt. Auch von der Persönlichkeit her“, sagt Thomas Klein. Die Verpflichtung von Ringer sei „kein finanzielles Harakiri. Wir haben einen Zuschuss erhalten, aber den Großteil über Sponsoren finanzieren können – es gibt keine Einsparungen bei anderen Athleten“, betont Klein, ohne Zahlen zu nennen. Er sieht eine „Win-Win-Situation“.

Ringer lief zuvor 14 Jahre für den VfB LC Friedrichshafen, trainierte am Bodensee lange in der Laufgruppe von Eckhardt Sperlich. Nach der Trennung vom langjährigen Trainer zu Jahresbeginn sei der Kontakt zum Verein abgeebbt, die neue Marschroute lautete fortan: „Ich bin jetzt mein eigener Trainer und möchte was Neues machen.“ Der Schritt fiel ihm nicht leicht, zumal er über sich selbst sagt: „Ich bin eine treue Seele.“ Dennoch hätten ihn die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit vertrauten Personen wie Werner Klein, Bruder des LC-Vorsitzenden und Disziplin-Bundestrainer Hindernislauf, oder Vereinsphysiotherapeut Andreas Massong sowie der Drang nach mehr Professionalität vom Wechsel überzeugt: „Ich will sagen können, dass ich für Tokio alles probiert und ausgereizt habe.“

Ein erster Start für den LC Rehlingen ist im März bei den deutschen Cross-Meisterschaften geplant, wo er auf den vierten Triumph hofft. „Ich will dem Verein natürlich etwas zurückgeben und peile dort den Titel an“, sagt Ringer. Auch das Pfingstsportfest am 9. Juni ist fest gebucht – liegt jedoch ungünstig, da am Vortag die deutsche Meisterschaft über 10 000 Meter in Essen ansteht. „Ein weiteres Rennen am Tag danach ist nicht machbar, aber ich werde wohl als Tempomacher dabei sein“, sagt Ringer.

Gerade über zehn Kilometer ließ er zuletzt aufhorchen, als er im Mai in London als dritter Deutscher nach Ex-Olympiasieger Dieter Baumann (1997) und André Pollmächer (2007) zum Europacup-Sieg lief und seine Bestzeit auf 27:36,52 Minuten schraubte. „Ich habe mich da um eine halbe Minute verbessert. Das zeigt, dass trainingsmethodisch viel gepasst hat“, sagt er. Beim Jahreshöhepunkt, der Heim-EM in Berlin, passte es dagegen gar nicht: Ringer gab über 10 000 Meter entkräftet auf – der erste Ausstieg überhaupt nach 408 beendeten Rennen. Die 5000 Meter (Bestzeit bei 13:10,94 Minuten) musste er wegen Wadenproblemen absagen.

Bittere Momente, die inzwischen aber abgehakt seien. „Man muss versuchen, daraus gestärkt hervorgehen. Ich bin nicht der Typ, der sich lange mit Niederlagen beschäftigt“, betont Ringer. Er blickt lieber voraus, etwa auf die WM im September in Katars Hauptstadt Doha. In Peking 2015 erreichte er als erster Deutscher seit Baumann 1997 den WM-Endlauf über 5000 Meter, belegte Rang 14. Damals sei es eine neue Situation gewesen: „Schon der Vorlauf war sehr intensiv. Im Finale fehlte mir die Kraft, das will ich diesmal besser hinbekommen.“

Zuvor warten noch etliche Kilometer Vorbereitung. „18 Wochen Trainingslager stehen alleine bis Doha an“, sagt Ringer. In Rehlingen wird er daher selten sein. Nach seiner Präsentation im Haus der Leichtathletik ging es für ihn von Frankfurt aus mit dem Flieger weiter nach Kenia – nicht um Urlaub zu machen, sondern um die Basis zu legen, dass er bald viele Erfolge im Rehlinger Dress erringen kann.