1. Sport
  2. Saar-Sport

KSV Köllerbach verliert auch Final-Rückkampf um deutsche Meisterschaft

Ringen : Mit Kampfgeist und Größe zu Platz zwei

Die Ringer des KSV Köllerbach verlieren den Final-Rückkampf gegen den alten und neuen Meister Wacker Burghausen klar mit 10:19.

Samstagabend, 21.05 Uhr. Die Sportparkhalle in Burghausen explodiert beinahe. Mehr als 2200 Fans feiern den technisch überlegenen Punktsieg von Roland Schwarz gegen Marc-Antonio von Tugginer vom KSV Köllerbach und die damit verbundene Titelverteidigung des deutschen Ringer-Mannschaftsmeisters Wacker Burghausen. Schwarz hatte sein Team mit einer ganz starken Leistung in der Gewichtsklasse bis 80 Kilo griechisch-römisch mit 15:8 in Führung gebracht. Damit war es für die Gäste auch rechnerisch nicht mehr möglich, in den verbliebenen zwei Kämpfen den Zwei-Punkte-Rückstand aus dem Hinkampf aufzuholen. „Wir haben uns beim 15:13 in Völklingen durchaus schwerer getan, als ich das erwartet habe“, gestand Wackers Meistertrainer Eugen Ponomartschuk nach dem 19:10-Erfolg seines Teams im Rückkampf: „Nach dem engen Vorkampf war es nicht vorauszusehen, dass es am Ende so klar wird.“

Am Anfang des Abends stand für die Köllerbacher die erwartete Niederlage von Steven Ecker in der Klasse bis 57 Kilogramm greco gegen Fabian Schmitt. Dass diese mit 0:17 so deutlich ausfiel und Burghausen vier Teampunkte bescherte, war ein erster kleiner Rückschlag. Wacker taktierte clever, stellte in der Klasse bis 130 Kilo Eigengewächs Leon Karic, der gegen Köllerbachs Aleksander Khotsianivski nach 56 Sekunden auf die Schultern musste.

Es folgte der erste Schlüsselkampf. Der Ex-Burghausener Mikyay Naim sollte in der Klasse bis 61 Kilo Freistil gegen Ahmet Peker möglichst viele Punkte holen. Naim führte bis Sekunden vor dem Ende mit 11:8 – das hätte zwei Punkte für den KSV bedeutet. Dann schaffte Peker eine Viererwertung – das wäre ein Zähler für Wacker geworden. Doch Naim konterte noch einmal, nach Videobeweis gab das Kampfgericht eine Zweierwertung für den Köllerbacher, der damit wenigstens einen Mannschaftspunkt rettete. „Ich habe fünf Jahre hier gerungen, darum war es natürlich schwer heute. Die kennen mich, aber trotzdem war es zu wenig“, sagte Naim enttäuscht: „Ich wäre so gerne mit dem KSV Meister geworden.“

Das wäre gerne auch Kilian Schäfer (98 Kilo Greco) geworden, der beim 0:15 (vier Mannschaftspunkte) gegen Publikumsliebling Ramsin Azizsir keine Chance hatte. „Unser Ziel war es, vor der Pause drei Kämpfe zu gewinnen“, sagte Köllerbachs Teamchef Thomas Geid zur Taktik, die dank Etienne Kinsinger aufging. Der Student aus Saarbrücken besiegte Andreas Maier klar mit 8:0 und sorgte somit für den 8:8-Pausenstand. „Die drei Mannschaftspunkte für mich waren okay, aber im Hinterkopf hatte ich schon eine Vier“, sagte Kinsinger.

80 mitgereiste Köllerbacher Fans rechneten und hofften – doch das Titelrennen sollte in den nächsten beiden Kämpfen entschieden sein. 14 Sekunden vor dem Schlussgong musste Piotr Ianulov (86 Kilo Freistil) gegen Wackers Weltklasse-Ringer Kachaber Khubezhty den 2:2-Ausgleich hinnehmen. Diese letzte Wertung gab den Ausschlag, dass die Bayern den Mannschaftspunkt verbuchen durften. „Es war ein dummer Fehler – scheiße“, ärgerte sich Ianulov, der angekündigt hat, auch nächste Saison für den KSV auf die Matte gehen zu wollen.

13 Mal hat das in dieser Saison auch Mihail Sava getan – und dabei zwölf Siege eingefahren. Ausgerechnet am Samstag gab es gegen Magomedmurad Gadzhiev in der Klasse bis 71 Kilo Freistil beim 0:3 die erste Niederlage. „Es gibt Gegner, mit denen kommt man einfach nicht zurecht. Das war hier der Fall“, erklärte Geid, der nach der anschließenden Niederlage von Tugginers dem Favoriten gratulieren musste.

Ringen hat in Burghausen einen anderen Stellenwert. Die Stadt baut den Ringern aktuell eine Trainingshalle für 2,5 Millionen Euro, unterstützt die Sparte zusätzlich mit einem „respektablen sechsstelligen Betrag“, wie Bürgermeister Hans Steindl erklärte. Unterstützung in einer Größenordnung, von der die Saar-Clubs nur träumen können.

 Da ist das Ding, das auch die Köllerbacher gerne gehabt hätten: Der alte und neue deutsche Meister SV Wacker Burghausen feiert.
Da ist das Ding, das auch die Köllerbacher gerne gehabt hätten: Der alte und neue deutsche Meister SV Wacker Burghausen feiert. Foto: Andreas Schlichter
 Der Köllerbacher Teamchef Thomas Geid (links) und Trainer Hüseyin Dincay (rechts) trösten Piotr Ianulov nach dessen knapper Niederlage.
Der Köllerbacher Teamchef Thomas Geid (links) und Trainer Hüseyin Dincay (rechts) trösten Piotr Ianulov nach dessen knapper Niederlage. Foto: Andreas Schlichter
 Der Köllerbacher Timo Badusch (rechts) gewinnt, fordert aber zum Jubel für den Gegner Matthias Maasch auf, der seine Karriere beendet.
Der Köllerbacher Timo Badusch (rechts) gewinnt, fordert aber zum Jubel für den Gegner Matthias Maasch auf, der seine Karriere beendet. Foto: Andreas Schlichter

Größe zeigte dann Timo Badusch. Er besiegte zwar im für die Entscheidung bedeutungslos gewordenen Kampf der Klasse 75 Kilo greco seinen Gegner Matthias Maasch klar nach Punkten, überließ ihm dann aber die Matte für stehende Ovationen. Der WM-Fünfte von Las Vegas beendete am Samstag seine Karriere und wird künftig als Trainer tätig sein. Maasch kämpfte mit den Tränen – Badusch auch. „Die Niederlage tut verdammt weh“, sagte Köllerbachs Kapitän, nachdem auch Andrej Shyyka (75 Kilo Freistil) gegen Söner Demirtas chancenlos war (0:15/0:4): „Aber wir haben uns gewehrt, hatten keine Angst. Wir haben Werbung für den Ringersport und uns selbst gemacht. Und wir werden im nächsten Jahr stärker zurückkommen.“