Für den KSV Köllerbach ist nach dem Final-Hinkampf noch alles drin

Ringen : Für den KSV Köllerbach ist noch alles drin

Die Ringer verlieren den Hinkampf um die deutsche Meisterschaft gegen Burghausen mit 13:15 und wollen noch einmal voll angreifen.

Die Taktik für den Rück­kampf am kommenden Samstag steht bereits fest. „Wir gewinnen mit drei Punkten Unterschied, dann ist alles gut.“ Diese Marschrichtung gab Thomas Geid, der Mannschaftsverantwortliche des KSV Köllerbach, in der Völklinger Hermann-Neuberger-Halle aus, wenige Minuten nachdem seine Mannschaft im Hinkampf um die deutsche Ringer-Mannschaftsmeisterschaft gegen den Titelverteidiger Wacker Burghausen mit 13:15 unterlegen war.

„Ich bin stolz auf die Leistung jedes Einzelnen. Was die Jungs heute wieder abgerissen haben, ist aller Ehren wert“, sagte Geid nach der überraschend knappen Niederlage und teilte aus: „Wenn ich einigen Experten vor dem Kampf zugehört hatte, hatte man uns keine vier Punkte zugetraut. Jetzt hat auch Burghausen angefangen zu rechnen.“

Der Abend vor mehr als 1500 Zuschauern begann erwartet schwierig. Köllerbachs Nachwuchsringer Giovanni Comparetto hatte in der Klasse bis 57 Kilogramm Freistil gegen Ahmet Peker keine Chance, musste nach 1:28 Minuten auf die Schultern. „Gegen Peker hätte es auch ein Andrij Yatzenko schwer gehabt“, relativierte Geid und erklärte die Taktik: „Wir haben dafür auf Nicolai Ceban in der Klasse bis 98 Kilo gesetzt. Das ist ja auch so aufgegangen.“

Mannschaftsringen ist halt auch wie Schach. Geids Turm Heiki Nabi hatte in der Klasse bis 130 Kilo greco allerdings Probleme mit dem 20 Kilo leichteren Ramsin Azizsir. Statt der erhofften drei steuerte Köllerbachs Este beim 4:0 nur drei Mannschaftspunkte bei. „Ich hatte unter der Woche ein schweres Konditionstrainingslager mit der Nationalmannschaft“, sagte Nabi: „Ich war einfach müde.“

Steven Ecker machte in der Klasse bis 61 Kilo greco einen seiner besseren Saisonkämpfe. Der Wechsel vom Olympiastützpunkt Saarland nach Frankfurt/Oder hat für ihn nicht den erhofften Leistungssprung gebracht. Gegen Andreas Maier unterlag Ecker mit 0:9. Danach besiegte aber der schon angesprochene Ceban die deutsche Nummer eins in der Gewichtsklasse, Erik Thiele, mit 2:1. Valentin Seimetz musste nach 4:43 Minuten die technische Überlegenheit von Cengizhan Erdogan in der Klasse bis 66 Kilo Freistil anerkennen. Zur Pause führten die Gäste mit 11:3, machten bereits erste Erinnerungsfotos auf der Matte. Natürlich eine Vorentscheidung – aber noch lange nicht das Ende.

Denn der Köllerbacher Tarek Abdelslam (86 Kilo greco) weckte die Halle auf und nährte neue Hoffnung. Nach 75 Sekunden schickte Kampfrichter Jeffrey Spiegel den Burghausener Roland Schwarz wegen Passivität in die Bodenlage. Abdelslam packte seinen Gegner, drehte ihn fünf Mal in Folge durch, ging mit 11:0 in Führung. Zum technisch überlegenen oder gar Schultersieg reichte es aber nicht ganz. „Ich habe in Bukarest die Landesmeisterschaft gerungen und bin am Freitagabend noch bulgarischer Meister geworden“, sagte er nach dem 14:0-Sieg: „Ich wollte diesen einen Punkt noch, aber der Körper hat ihn nicht mehr hergegeben.“

Marc-Antonio von Tugginer ließ sich in der Klasse bis 71 Kilo greco von Witalis Lazovski früh mit einem Doppelarmangriff überraschen, lag nach drei Minuten mit 0:9 zurück. Dann drehte der Polizeikommissar auf. Sein Ausheber mit Überwurf war sehenswert, das Ergebnis mit 6:9 achtbar. In der Klasse bis 80 Kilo Freistil hatten beide Seiten „Untergewicht“. Burghausens Johann Steinforth brachte 77,4, Köllerbachs Mihail Sava nur 72,7 Kilo auf die Waage. Das sportliche Schwergewicht war dann aber Sava. Schnell geriet er in Oberlage, legte sich seinen Gegner zurecht und drehte ihn per Beinschraube fünf Mal hintereinander. Drei weitere Wertungen folgten, Sava steuerte nach 2:48 Minuten vier Mannschaftspunkte bei. Der Zwischenstand nun: 10:13.

Doch es folgte die erste Saisonniederlage für Routinier Andrej Shyyka in der Klasse bis 75 Kilo Freistil. Der 0:7-Endstand auf der Anzeigetafel war aber deutlicher als der Kampfverlauf gegen Weltklasse-Mann Söner Demirtas. Der war schon Olympia- und WM-Dritter. Demirtas musste in der Bundesliga noch nie über die volle Distanz gehen, der 39-jährige Shyyka verlangte ihm alles ab, war sogar selbst drei Mal dicht vor einer Wertung.

In den unteren Gewichtsklassen war Wacker Burghausen am Samstag zu stark für den KSV Köllerbach. Hier hat Nachwuchsringer Giovanni Comparetto (unten) keine Chance gegen Ahmet Peker. Foto: Ruppenthal

Wacker führte 15:10. Der Abend war vor dem letzten Kampf entschieden – die Meisterschaft noch nicht. „Ich bestand nur aus Motivation. Alles oder nichts“, beschrieb Timo Badusch seine Gemütslage vor dem Kampf gegen Matthias Maasch (75 Kilo greco). Die ersten drei Minuten waren atemberaubend. Für seine Spezialtechnik, einen Ausheber mit Überwurf bei hoher Amplitude, gab es fünf Punkte – die höchste technische Wertung des Abends. Nach seiner schweren Schulterverletzung war es erst das zweite Mal in dieser Saison, dass Badusch diese Technik einsetzte. „Das Vertrauen in die Schulter ist komplett zurück“, sagte Badusch nach seinem 13:3. Der Endstand: 13:15. Und alles ist drin. Mit dem Stilartwechsel steht der KSV im Rückkampf stärker. „Wir fahren mit dem stärksten Aufgebot nach Burghausen“, sagte Teamchef Geid: „Und wir fahren nicht dorthin, um Zweiter zu werden.“