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Hussong und Vetter lassen es donnern

Hussong und Vetter lassen es donnern

Aus sportlicher Sicht brachten die Speerwurf-Wettbewerbe die hochwertigsten Ergebnisse in Rehlingen. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern wurde die Qualifikationsnorm für die Olympischen Spiele geknackt.

"Schade", sagte Boris Obergföll lachend: "Ich bin extra wegen ihm gekommen, um zu schauen, ob mein Stadionrekord hält." Der Speerwurf-Bundestrainer aus Ludweiler, der unter seinem Geburtsnamen Boris Henry als Aktiver große Erfolge im Rehlinger Bungertstadion gefeiert hatte, hätte sich nur zu gerne die Künste von Speerwurf-Weltmeister Julius Yego angeschaut. Doch der Kenianer, der 2015 in Peking mit der Sensations-Weite von 92,72 Metern Weltmeister geworden war, hatte seine Teilnahme am Pfingstsportfest in Rehlingen am Freitag krankheitsbedingt absagen müssen. Und trotzdem wurde diese Disziplin zur großen Schau bei der 52. Auflage der traditionsreichen Leichtathletik-Veranstaltung.

Den Anfang machten die Damen - und da vor allem Christin Hussong. Die 22-jährige, groß gewachsene Athletin des LAZ Zweibrücken eröffnete das Hauptprogramm im Bungertstadion mit einem großen Knall - im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr erster Wurf landete bei 60,03 Metern - das bedeutete die Qualifikations-Norm für die Europameisterschaften in Amsterdam. Bei jeder Norm-Erfüllung ließen die Rehlinger Verantwortlichen um Vereins-Chef Thomas Klein einen satten Böller als akustisches Signal hochgehen - und Hussong ließ es im vierten Durchgang noch einmal donnern, als sie mit 62,57 Metern die Olympia-Norm von 62,00 Metern erfüllte.

"Deswegen bin ich hierher gekommen", freute sich Hussong, "es ist befreiend, dass ich die Normen jetzt schon abgehakt habe. Auch technisch war der Auftritt hier für meine Verhältnisse ganz okay." Erfreulicher Nebeneffekt: Im starken deutschen Frauenbereich ist sie nun die Jahresbeste. "Wir haben in Deutschland vier Frauen, die alle international eine Medaille gewinnen können", erzählte die U23-Europameisterin von 2015, die am Wochenende bei den Halleschen Werfertagen gleich nachlegen will.

Nachlegen muss Christina Obergföll. Die Ehefrau von Boris Obergföll war überhaupt nicht zufrieden mit ihren 61,62 Metern - 38 Zentimeter zu wenig, um die Olympia-Norm abzuhaken. "Der erste Versuch war noch okay, aber dann habe ich das Tempo im Anlauf erhöht", erklärte die 34-Jährige von der LG Offenburg, "das hat dann aber nicht mehr gepasst." Heraus kamen dann auch keine richtigen Würfe mehr, "sondern Tiefflieger", wie ihr Trainer Werner Daniels anmerkte, "die Schulter passt im Moment nicht zur Geschwindigkeit."

Dafür passte es bei Vereinskollege Johannes Vetter. Der 23-jährige Schützling von Boris Obergföll , der vergangene Saison noch für den SV Saar 05 gestartet war, schleuderte den Speer trotz mäßiger Bedingungen auf beeindruckende 84,38 Meter. Aber er war trotz deutlich erfüllter Olympia-Norm (83,00 Meter) nicht wirklich zufrieden. "Es ist so ein bisschen ein Getrampel", analysierte Vetter, "lange nicht so flüssig und leicht wie im Training". Sein Trainer war angesichts der Norm milder gestimmt. "Johannes hat wahnsinnig viel Kraft", sagte Obergföll, "wir versuchen, diese Kraft in die richtigen Bahnen zu lenken. Da ist noch deutlich mehr drin." Gestern aber nicht - und so durfte Obergföll seinen Stadionrekord von 89,21 Metern, den er 1998 aufgestellt hatte, behalten.