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Ein Auftritt, der Mut macht

Ein Auftritt, der Mut macht

Minutenlang liegt Laura Müller auf der Bahn, beinahe regungslos. Sie ist völlig ausgelaugt. Schnellen Schrittes geht Trainer Uli Knapp zu ihr, gibt ihr einen anerkennenden Klaps auf den Rücken. "Das war ein klasse Lauf", sagt er, "ich bin sehr zufrieden." Müller wird die Worte gehört haben, reagieren kann sie nicht. Die Freude kommt erst eine gute Viertelstunde später. Dann wird der 20-jährigen 400-Meter-Läuferin vom LC Rehlingen klar, dass sie beim 52. Pfingstsportfest in Rehlingen, ihrem Heimrennen, einen optimalen Start ins EM- und Olympia-Jahr hingelegt hat.

In 52,97 Sekunden wird Müller, die Hoffnungsträgerin der saarländischen Leichtathletik, Dritte hinter Ruth Spelmeyer (52,63) und Lydia Jele aus Botswana (52,71). Die restlichen Konkurrentinnen aus Deutschland distanziert sie allesamt. Von der EM-Norm (52,30) und der Olympia-Norm (52,20) ist Müllers Zeit zwar noch ein Stück entfernt, aber "das war gar nicht mein Ziel", sagt sie: "Ich wollte auf jeden Fall schneller einsteigen als vor einem Jahr." Und das gelingt ihr. "Ich war eine Sekunde schneller als 2015. Wenn ich die Saison auch eine Sekunde schneller beende als 2015, dann wird sie perfekt", sagt Müller, deren persönliche Bestzeit aktuell bei 52,22 Sekunden liegt. Noch.

Dass Müller mehr drauf hat, zeigt der Lauf in Rehlingen deutlich. Die Atmosphäre genießt die Dudweilerin genau so, wie der LC Rehlingen seine Identifikationsfigur in den Mittelpunkt stellt. Bei ihrer Präsentation vor dem Lauf blitzt die Sonne hinter den Wolken hervor. Die gut 3000 Zuschauer im Bungertstadion nehmen die aufkommende Wärme dankend an und jubeln ihrem Star zu - lauter als allen anderen an diesem Tag, auch Deutschlands Leichtathletin des Jahres 2015, Hindernisläuferin Gesa Krause. Thomas Klein, der Vereinspräsident des LC Rehlingen , strahlt mit der Sonne um die Wette, auch wenn sich diese nur ein paar Minuten blicken lässt. "Wir hatten es viel schlimmer erwartet", sagt er und meint das Wetter, nicht Müllers Lauf.

Sie steht fokussiert am Startblock. Die pinkfarbene Jacke hat sie abgelegt, die schwarzen Stulpen an den Armen sorgen für einen Blickfang. Laura Müller ist bereit. Und mit dem Startschuss trommelt die 20-Jährige über die Bahn. Drei Monate hatte sie kein Rennen mehr bestritten, jetzt gibt sie Gas - und führt das Feld nach 200 Metern an. Erst hinten raus fehlt ihr das Stehvermögen. "Aber das ist gar nicht schlimm", sagt Müller, "ich brauche immer drei, vier Rennen, bis ich meine beste Form auch auf den letzten Metern habe. Da ist es egal, wie viel oder wie hart man trainiert hat. Ein Wettkampf ist immer etwas anderes als Training."

Nach dem Zieleinlauf ist es nicht nur die Anstrengung, die sie beinahe zusammenbrechen lässt, sondern auch die Anspannung. Schließlich sind nicht wenige wegen ihr gekommen - so auch der ehemalige Präsident des Landessportverbandes für das Saarland, Gerd Meyer , der kurz vor der Eröffnung des Hauptprogramms frohlockt: "Auf Laura bin ich besonders gespannt." Die Erwartungshaltung ist riesig, und Müller weiß das. Sie nimmt sie an: "Aber ich war doch nicht so entspannt, wie ich im Vorfeld dachte." Trotzdem ist der Einstieg gelungen. Sehr gut sogar. Jetzt fiebert sie den nächsten Rennen entgegen, eventuell schon am kommenden Wochenende beim Meeting in Hengelo in den Niederlanden. Entschieden ist das noch nicht. Aber Müller weiß jetzt, wozu sie in der Lage ist. Und das macht ihr Mut - ebenso dem LC Rehlingen und der saarländischen Leichtathletik.

Zum Thema:

Auf einen Blick Weitspringerin Sosthene Moguenara vom LAZ Saarbrücken hat einen perfekten Einstand in die Olympia-Saison gefeiert. Die 26-jährige frühere Wattenscheiderin kam beim Diamond-League-Meeting am Samstag in Shanghai auf 6,74 Meter und erfüllte damit gleich bei ihrem ersten Saisonstart die Vorgabe für die Sommerspiele in Rio. Nach einem ungültigen ersten Versuch sprang die Vize-Europameisterin in der Halle im zweiten Durchgang mit 6,70 Metern exakt die Olympia-Norm. Im dritten Versuch folgte mit 6,74 Metern ihr bester Sprung. Die Neu-Saarländerin wurde bei dem Wettkampf Vierte, den Sieg sicherte sich die Serbin Ivana Spanovic mit 6,95 Metern. In Shanghai gab es einen deutschen Sieg: Speerwerfer Thomas Röhler, WM-Vierter aus Jena, gewann mit 85,71 Metern. sid