Ein Einstieg wie im Traum

Ein Einstieg wie im Traum

Skispringer Severin Freund steht nach seiner komplizierten Verletzung überraschend wieder an der Spitze des Gesamtweltcups. Die Saison wird dennoch auch nach seinem 22. Sieg im Weltcup kein Selbstläufer.

Severin Freund rang nach Worten. Und selbst Bundestrainer Werner Schuster gelang es diesmal nicht, Superlative zu vermeiden. "Ich ziehe meinen Hut, er hat es herausragend gemacht", sagte der sonst mit Lobeshymnen arg geizende Österreicher. Freund war zuvor im finnischen Kuusamo mit schier unglaublicher Konstanz zum ersten Saisonsieg für die deutschen Skispringer geflogen, nachdem er schon am Freitagabend völlig unerwartet Zweiter geworden war. Sein Lohn: Freund reist im Gelben Trikot des Weltcup-Spitzenreiters zum Heim-Grand-Prix am kommenden Wochenende ins sächsische Klingenthal.

22. Weltcup-Erfolg

"Es ist wahnsinnig geil, das Gelbe Trikot zu bekommen. Jeder Weltcup-Sieg macht unheimlich viel Spaß", sagte der Team-Olympiasieger nach seinem 22. Einzel-Erfolg in der Weltcup-Serie. Echte Erklärungen hatte er auch Stunden nach dem Sieg nicht parat. "Ich habe den richtigen Sprung zur richtigen Zeit gemacht, denn ich hatte im ersten Durchgang die besten Bedingungen. Das war ein sehr aggressiver Sprung, der nicht auf vielen Schanzen so funktioniert", sagte Freund. Die 146 Meter lagen nur einen Meter unter dem Schanzenrekord. Im Finale ließ der Bayer dann noch einmal 138 Meter folgen. "Er brauchte eine Top-Leistung - und die hat er gezeigt. Der zweite Sprung war das Beste, was er in Kuusamo gezeigt hat", analysierte Schuster.

Mit dem Finnland-Ergebnis strafte Freund Schuster Lügen, der noch kurz vor dem Weltcup-Auftakt davon gesprochen hatte, keinen Springer in Weltklasse-Form zu haben. Grund: Im April hatte sich Freund einer Hüftoperation unterziehen müssen, war erst im August wieder in das sprungspezifische Training eingestiegen und hat demzufolge erhebliche Rückstände. "Die Dynamik ist da. Severin ist mental extrem stark geworden, arbeitet nüchtern und zielgerichtet. Er kann Dinge schnell auf den Punkt bringen. Wie er arbeitet und trotzdem bodenständig bleibt, nötigt mir den größten Respekt ab", lobte der Bundestrainer nun seinen Schützling.

Freund sieht einen Grund für den Erfolg auch in der Schanze. "Es ist ein sehr spezifischer Bakken, der mir liegt. Ich springe sehr gern in Kuusamo ", unterstrich er. Diese Liebe zu der Schanze lässt seiner Meinung nach auch Automatismen einsetzen. "Tief drinnen habe ich schon das Gefühl für einen guten Sprung, aber das ist nicht so einfach abzurufen", sagte der 28-Jährige.

Sein vordringliches Saisonziel hat Freund bereits erreicht. "Ich wollte wieder gewinnen, das ist geschafft. Jetzt will ich nur noch von Wettbewerb zu Wettbewerb besser werden. Es war ein guter Start für mich, aber es wird nicht einfacher", sagte er. Auch Werner Schuster vermutet, dass es auf und ab gehen wird. "Die nächsten Schanzen sind wieder anders", betonte er. Er will Freund keinen Druck auferlegen. "Er soll sich bis zur Vierschanzentournee weiter in Form bringen", sagte der Trainer.

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