Volle Attacke in alten Socken

Volle Attacke in alten Socken

St. Wendel. Mit seinen mittlerweile 43 Jahren gehört Dirk Spaniol zu den ganz alten Hasen der internationalen deutschen Supermoto-Meisterschaft. Vieles hat der Inhaber eines "kleinen Motorradladens in Hirzweiler" (O-Ton Spaniol) schon in seinem Sport erlebt, doch die Begeisterung für die Mischung aus Straßenrennen und Motocross ist ungebrochen

St. Wendel. Mit seinen mittlerweile 43 Jahren gehört Dirk Spaniol zu den ganz alten Hasen der internationalen deutschen Supermoto-Meisterschaft. Vieles hat der Inhaber eines "kleinen Motorradladens in Hirzweiler" (O-Ton Spaniol) schon in seinem Sport erlebt, doch die Begeisterung für die Mischung aus Straßenrennen und Motocross ist ungebrochen. "Den Besten der Besten zu finden - das macht die Faszination von Supermoto aus", sagt Spaniol und freut sich auf sein "Heimrennen" an diesem Wochenende in St. Wendel. "Die Atmosphäre im Wendelinuspark ist einmalig. Im vorigen Jahr hat man die Motorräder fast nicht mehr gehört, so laut haben die Zuschauer gejubelt und gejohlt." Er schnauft kurz: "Boah, da krieg ich heute noch Gänsehaut."Das Rennen 2011 wird niemand vergessen, der dabei war. Vor allem Spaniol nicht. Von Beginn an lieferte sich der Suzuki-Pilot einen grandiosen Kampf mit Nico Joannidis. Noch nie konnte Spaniol in der Hubraum-offenen Klasse S2 triumphieren und auch 2011 setzte Joannidis alles daran, dies zu verhindern. Doch dieser Tag war ein Besonderer. "Auf den Tag genau zehn Jahre zuvor hatte ich einen schweren Unfall. Ein paar Knochen waren gebrochen, die Lunge eingefallen. Sah richtig übel aus", erinnert sich Spaniol. "Als ich im Krankenhaus aus der Narkose aufgewacht bin, hatte ich mir überlegt, dass es vielleicht an der Zeit wäre, meine Freundin zu heiraten." Dann aber folgte die Vollbremsung. Es sei vielleicht nicht die beste Idee seines Lebens, den Antrag am Krankenbett zu machen, meint der Biker. Und schob die Sache erstmal auf die lange Bank. "Ich habe das Thema zehn Jahre lang wegdiskutiert." Als er nun aber beim Heimrennen auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Unfall auf dem Weg zum ersten Sieg war, schoss ihm der Gedanke wieder durch den Kopf. "Ein Sieg wäre eine gute Gelegenheit - dachte ich so, aber dann tauchte immer wieder Nico hinter mir auf", erzählt Dirk von den vielleicht längsten Rennrunden seines Lebens. Am Ende hatte er es geschafft. Seine Suzuki rollte als erste über die Ziellinie - der erste Sieg in St. Wendel und der richtige Adrenalinkick für das, was folgen sollte: "Ich war wie im Rausch. Ich wusste, jetzt muss es sein." Vom Siegerpodium aus machte Dirk seiner Katja einen Antrag. Die Menge tobte, Katja sagte ja, seit Oktober sind die beiden verheiratet.

An diesem Wochenende geht es für die Spaniols und den ganzen Supermoto-Zirkus wieder nach St. Wendel. Dirk liegt in der S2 derzeit 20 Punkte hinter seinem langjährigen Kontrahenten und Weggefährten Jochen Jasinski. "Jochen ist stark und enorm schnell", zeigt Spaniol Respekt vor dem Führenden - und lässt eine klare Ansage folgen: "Ich fahre volle Attacke." Vielleicht verhelfen ihm die alten Socken zu einem erneuten Sieg. Spaniol lacht: "Das ist meine Marotte. Ich fahre seit den ersten Rennen 1983 mit den gleichen Socken. Wandersocken in Rot und Blau, die mir meine Eltern mal geschenkt hatten." Die sind x-mal gestopft - aber ohne die fahre ich nicht." Vielleicht sind am Wochenende ja die anderen Fahrer von den Socken über Spaniol. cor

Foto: Queens