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Gegenwind für Bergbau-Gutachten

Saarbrücken. Das Gutachten zu den 14 wichtigsten Bergbau-Denkmälern im Land stößt auf Kritik. Zugleich bewirbt sich der Bildstocker Rechtsschutzsaal für die Aufnahme in die „Saarländische Bergbaustraße“. red

Die Entscheidung der Landesregierung auf Grund eines neuen Gutachtens, nur vier von 14 RAG-Bergbau-Standorten mit Landesgeldern denkmalgerecht zu erhalten, stößt auf Kritik. Die Linke im Saarbrücker Stadtrat beispielsweise hält die Konzentration der Landesmittel auf vier Premiumstandorte für grundlegend falsch. Die stellvertretende Fraktionschefin Gabriele Ungers fordert hingegen "den dauerhaften Erhalt von allen ehemaligen Grubenanlagen in Saarbrücken", also auch des Alsbachschachtes in Burbach, des Dellbrück-Schachtes in Klarenthal und der Grube Jägersfreude. Auch diese Bauwerke besäßen die Qualität von Wahrzeichen und dürften nicht verfallen, "nur weil SPD und CDU vom Bergbau-Erbe nicht mehr viel wissen" wollten, so Ungers in einer Pressemitteilung. Ungers sieht zudem die RAG in einer stärkeren Verantwortung. Das Unternehmen habe am Saar-Bergbau lange Zeit sehr gut verdient. Sie erinnert daran, dass es in Nordrhein-Westfalen einen Grundstücksfonds gibt, aus dem die Städte und Gemeinden unterstützt würden, die eine Sanierung der Industriebrachen aus eigener Kraft nicht leisten können. Dies habe die saarländische Landesregierung jedoch 2011 für "nicht erforderlich gehalten".

Auch Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried (SPD) ist unzufrieden mit den Plänen seines Genossen Heiko Maas, denn die Kokereigasmaschinenzentrale in Neunkirchen-Heinitz hat es nicht unter die Premiumstandorte geschafft, trotz ihres unumstritten hohen Denkmalwertes. Fried fürchtet jetzt das "Aus". Er kritisiert, das Gutachten sei offensichtlich unter der Maßgabe erstellt worden "nur vereinzelte förderungswürdige Standorte herauszufiltern". Dadurch wälze das Land die Aufgabe, das nationale Erbe zu erhalten, auf die kommunale Ebene ab. Das hält der Neunkircher Stadtchef für fragwürdig, weil das Land zur gleichen Zeit eine Bergbaustraße einrichten wolle, für die es eine größere Anzahl sehenswerter Bauwerke geben müsse. Fried appelliert, dem Saarland nicht sein "historisches Gesicht" zu nehmen. Nach dem Gutachten hält er die Mehrzahl der Bergbau-Denkmäler für "dem Untergang geweiht". In eine andere Richtung zielt die Friedrichsthaler CDU-Chefin Anja Wagner-Scheid. Sie regt an, den Rechtsschutzsaal Bildstock als ältestes Gewerkschaftshaus Deutschlands zu einem Etappenziel an der Bergbaustraße zu machen.