Der tanzende Kronleuchter

Die erste Ausstellung im Alten Schloss in Dillingen nach der Sommerpause zeigt Gemälde des Berliner Künstlers Axel Geis, der bereits in Amerika eine feste Größe in der Kunstszene ist. Die Laudatio zur gut besuchten Vernissage hielt Kunsthistorikerin Silke Immenga.

Das besondere Augenmerk gilt dem siebenteiligen Gemäldezyklus "Chandelier" (Kronleuchter), den Axel Geis für das fürstliche Ambiente im Alten Schloss Dillingen geschaffen hat. "Atelierfrisch" verbreiten sie noch den Geruch von Terpentin und stehen in direktem Kontakt zu den Örtlichkeiten, wie Francis Berrar, Erster Vorsitzender des Dillinger Kunstvereins im Alten Schloss, zur Einführung sagte.

In den großformatigen Werken (240 x 180 cm) widmet sich Geis erstmals ausschließlich einem Gegenstand in Serie, dem Kronleuchter. Ein Experiment, das auf einer Arbeit des kanadischen Künstlers Rodney Graham aus dem Jahr 2005, "Torqued Chandelier Release" basiert, wobei es Geis wichtig ist, die Reihenfolge der Bilder zu beachten. Denn: "Geis' moderater, aber nichtsdestotrotz spürbarer Perspektivenwechsel von Bild zu Bild sorgt für die Illusion, dass nicht wir, die Betrachter uns bewegen, sondern der Kronleuchter selbst", schreibt Boris Pofalla von der FAZ im aufwändigen Ausstellungskatalog. Ein Lüster in seiner privaten Berliner Wohnung, den er fotografierte und vom Foto in die Malerei übertrug, diente ihm als Vorlage. So erzählt es Silke Immenga von der Universität des Saarlandes in ihrer Laudatio.

Axel Geis, Jahrgang 1970, ist ein figurativer Maler, der sein Handwerk mit traditionellen Mitteln virtuos beherrscht und in der Berliner Kunstszene einen festen Platz eingenommen hat. Bekannt wurde er mit seinen klein- und mittelformatigen Menschenbildern, von denen elf hier zu sehen sind. Die dargestellten Personen im Ganz- oder Halbfigurenportrait scheinen in sich gekehrt, auch wenn sie den Betrachter ansehen. Als Vorlage dienen dem Künstler vielfach ein Konvolut an Dias und Fotos aus Familienbesitz, auch berühmte Bilder der Kunstgeschichte und Filmmaterial.

Beeindruckend - insbesondere das querformatige Gemälde im letzten Raum. Es orientiert sich an dem Gruppenportrait "Töchter des Edward D. Boit" (1882) des amerikanischen Gesellschaftsmalers John Singer Sargent, der eine Vorliebe für die spanische Malerei entwickelte, wie Silke Immenga wissen lässt.

Geis nimmt eine Kinderfigur aus dem Gruppenbild mit Geschwistern und Kindermädchen heraus und setzt sie auf einen grauen Teppich in einem sonst schlichten Raum. Im malerischen Abstraktionsprozess aus dem erzählerischen Kontext herausgenommen, erzählt Axel Geis so eine neue Geschichte.

Bis 15. September. Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag, Samstag 16 bis 19 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr.