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Eisschwimmen
Wagemutige Schwimmer im kalten Nass

 Ein Blick von oben auf das Geschehen am Badesee im rheinland-pfälzischen Baumholder.
Ein Blick von oben auf das Geschehen am Badesee im rheinland-pfälzischen Baumholder. FOTO: Markus Heinz
Baumholder. Jahr für Jahr werden es mehr Teilnehmer beim Neujahrsschwimmen in Baumholder. Diesmal stürzten sich 41 Menschen ins eiskalte Wasser. Von Melanie Mai

Schon ein Blick auf den Parkplatz verrät: Hier ist richtig was los.  An den zahlreichen Autos sind jede Menge WND-Kennzeichen zu erkennen. Den ersten Eindruck bestätigt auch Benita Braun von der DLRG-Jugend Baumholder, die das Neujahrsschwimmen organisiert: „So viel Betrieb herrschte noch nie.“ Es ist das siebte Schwimmen dieser Art am Badesee – und Rekorde meldet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im und neben dem Wasser.


41 Teilnehmer wagen am Sonntag bei winterlichen Temperaturen den Sprung ins drei Grad kalte Wasser. Schon beim Runterzählen am Sandstrand bibbern die Männer und Frauen. Doch beim Startsignal zögern sie nicht, springen mit Elan in den See. Einmal um den Steg herum, dann auf der anderen Seite wieder raus: Das ist die Strecke, die Braun den Teilnehmern erklärte. Sichtlich froh, diese geschafft zu haben, sind die meisten. Aber einige von ihnen drehen gleich noch eine Runde. Oder sie wärmen sich kurz auf und gehen dann erneut schwimmen. Enrico Ruß aus Satow bei Rostock, der zum zweiten Mal in Folge die weiteste Anreise hatte, ist sogar so abgebrüht, dass er zwischendrin einen Plausch im Wasser hält. „Am Anfang war es eisig, aber bei der dritten Runde wird es angenehm“, erzählt der 49-Jährige von seinem Erlebnis.  Wie schon im Vorjahr, vermisst er aber eine entscheidende Substanz im Gewässer: „Es fehlt eindeutig der salzige Geschmack.“ Das ist er von der Ostsee gewohnt, wo er traditionell am Neujahrsschwimmen teilnimmt. In diesem Jahr sei es allerdings wegen des Sturms ausgefallen. Den Hinweis auf das Neujahrsschwimmen in Baumholder gab ihm übrigens seine Freundin, die in Birkenfeld wohnt.  Ruß wird auch 2020 wieder mit von der Partie sein, sagt er. Und hat auch eine Idee für die Organistoren parat: „Es könnten doch alle in diesen schönen Ostsee-Badeanzügen schwimmen, das gäbe doch ein schönes Bild“, sagt er und zeigt auf seinen blau-weiß gestreiften Anzug. Benita Braun stimmt ihm zu: „Das gilt es zu überlegen.“

Aber auch ohne einheitliche Kleidung bietet sich ein schönes Bild am Badesee. Jahr für Jahr steigerte sich seit der Premiere im Jahr 2013 die Anzahl der Schwimmer. „Am Anfang waren es praktisch nur Teilnehmer von der DLRG“, sagt Braun. Im vergangenen Jahr gingen dann schon 39 Wagemutige ins Wasser. Und jetzt eben 41. Darunter auch einige Saarländer und sechs Amerikaner. „Es macht richtig Spaß, wir sind nur am Rennen“, betont die Mit-Organisatorin auch den Aufwand, den die DLRG-Jugend, der auch der Erlös der Veranstaltung zugute kommt, leistet. Insgesamt seien 60 Helfer im Einsatz, sagt auch Günter Heinz, der technische Leiter der DLRG. Und freut sich darüber, dass „es immer mehr wird“. Damit meint er nicht nur die Teilnehmer, sondern auch den Betrieb vor und nach dem Schwimmen. Noch lange stehen Hunderte Besucher bei Glühwein und Waffeln zusammen.



Unter ihnen auch Mit-Schwimmer David Hetzel. Er ist zum vierten Mal mit von der Partie und beschreibt seine Intention, im Januar in ein Freigewässer zu gehen, so: „Ich habe das Gefühl, das bringt mich erkältungsfrei durchs Jahr.“