Zu Besuch beim Kräutermarkt in Tholey

Rundgang über den Kräutermarkt in Tholey : Zwischen Schaumberg-Dudler und Gartenrebell

Verführerischen Düfte haben hunderte Besucher nach Tholey gelockt. Dort standen Kräutermarkt und Klosterfest auf dem Programm.

Ein Duft von Lavendel, Rosmarin, Thymian und Pfefferminze breitete  rund um das Tholeyer Rathaus und die Abtei aus. Der jährliche Kräutermarkt der Gemeinde lockte bei bestem Wetter wieder hunderte Besucher aus dem ganzen Saarland und den angrenzenden Regionen in die Gemeinde am Schaumberg. Zahlreiche Marktstände mit einer vielfältigen Produktpalette rund um das Thema Kräuter luden zum Flanieren, Probieren und Fachsimpeln ein.

„Bei der Auswahl der Teilnehmer achten wir immer darauf, dass bei dem Produktangebot der Bezug zu den Kräutern gegeben ist“, sagte Jutta Backes-Burr von der Gemeinde Tholey. Und das Kräuterthema zog sich wie ein roter Faden von Seifen über Öle, Essenzen, Liköre, Salben bis hin zu Küchenkräutern über den ganzen Markt. Weil die Gemeinde den Markt an das Klosterfest der Benediktinerabtei St. Mauritius koppelt, findet dieser stets am Sonntag nach dem Fest zu Ehren des heiligen Benedikts statt. Seit 2009 ist der Kräutermarkt der  Abschluss der Kräutertage. Diese hatten seit dem 12. Juni wieder viele Kräuterliebhaber angelockt. Zehn Workshops, Vorträge und Kräuterwanderungen standen auf dem Programm. „Die Kräutertage waren wieder ein großer Erfolg. Das Interesse an dem Thema ist groß. Alle Termine waren sehr gut besucht. Einen Seifenworkshop mussten wir sogar wegen der vielen Anmeldungen wiederholen“, resümiert Jutta Backes-Burr. Einen außergewöhnlichen Vortrag habe Pater Paulo Wendling im Rathaussaal gehalten. Der brasilianische Priester, der in Novo Hamburgo eine Naturheilkundepraxis betreibt und bereits mehr als 500 000 Menschen geholfen hat, gab sein Wissen und seine Erfahrungen an etwa 80 Besucher weiter.

Auf dem Kräutermarkt präsentierte sich auch der Kneipp-Verein Tholey, der jedes Jahr dabei ist. Der Höhepunkt im Angebot des Vereins war einmal mehr der Schaumberg-Dudler. „Für unsere Kräuterlimonade legen wir über Nacht verschiedene Kräuter wie Pfeffermine und Giersch in Apfelsaftschorle ein“, verriet Heilkräuterexpertin Vera Lauck-Schneider. Sie hatte für diesen Tag eine Kräuterwanderung geplant, die aber wegen der anhaltenden Trockenheit in der Pflanzenwelt nicht starten konnte. „Wir hätten entlang der Wegstrecke wenig Kräuter vorgefunden“, sagte Lauck-Schneider. So wurde aus der Kräuterwanderung ein Workshop inmitten des Kräutermarktes und die Expertin referierte vor Ort über den Nutzen von Kräutern wie Spitzwegerich und Nigella, auch bekannt als „Jungfer im Grünen“.

Ute Heinrich aus Lebach klebte regelrecht an den Lippen der Kräuterexpertin und hörte gebannt zu: „Ich betreibe selbst einen Wildkräutergarten. Der Besuch des Kräutermarktes ist für mich wie Erholung und ich bekommt viele Anregungen.“ Auch Maria Brück aus Thalexweiler gehört zum Stammpublikum des Kräutermarktes. An einem Stand für Küchenutensilien hatte sie sich für ihre Kräuterküche in neues Messer gekauft: „Mein altes Kneippchen habe ich leider verstruddelt. Das ist ein Messer für alle Fälle, das in keiner Küche fehlen darf.“

Der Kräutermarkt ist aber auch für junge Start-up-Unternehmer eine gute Gelegenheit, um sich zu etablieren und einen Namen zu machen. Einem kleinen aber feinen Stand hatten Michael Graner und Paulina Shiva Carl vor dem Rathaus aufgebaut. „Das sind unsere jungen Gartenrebellen“, verriet Jutta Backes-Burr begeistert.

Der Gartenrebell Michael Graner gerät mit Kräutermarkt-Kundin Pia Rosar ins Plaudern über seine duften Produkte. Foto: Marion Schmidt

Die Newcomer haben sich erst kürzlich mit „Gartenrebell“, ihrer Jungpflanzen-Gärtnerei in Wallerfangen-Gisingen selbstständig gemacht und bieten selbst gezüchtete Kräuter an. Maximal nachhaltig kultivieren lautet ihre Devise. So präsentierten sie ihre Kräuter nicht in Plastikgefäßen sondern in natürlichen, aus Holzverschnitt hergestellten Töpfen. „Wir ziehen nur alte und samenfeste Kräuter. Wenn man bei uns eine Pflanze kauft, ist das eine Anschaffung fürs Leben. Mehr Bio geht nicht“, erklärte Michael Graner. Ihre Produktpalette wollen die Jungunternehmer ausschließlich regional vor Ort auf Märkten und in der eigenen Gärtnerei verkaufen. Im nächsten Schritt sei geplant, ein Bio-Label zu beantragen. Die Bewerbung als Marktbetreiber auf Bauernmärkten hatte bisher leider keinen Erfolg. So war die Präsentation auf dem Tholeyer Kräutermarkt ein gelungener Auftakt, der auch die Besucher überzeugte. „In diesen Töpfen aus dem Naturprodukt sehen die Kräuter besonders ansprechend und schmackhaft aus“, begeisterte sich Pia Rosar aus Tholey. Sie hatte sich am Stand auch gleich mit ein paar Kräutertöpfchen eingedeckt.Bis in die frühen Abendstunden konnten die Besucher auf dem Tholeyer Kräutermarkt die Welt der Kräuter genießen und sich nach Lust und Laune mit Pflanzen, Kräuterprodukten und allerlei nützlichen Dingen eindecken.

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