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Ein Würstchen an Loch Nummer fünf

Ein Würstchen an Loch Nummer fünf

St. Wendel. Der Mann, der mit flinker Zange die brutzelnden Würstchen auf dem Grill vor sich dreht, heißt Klaus Bouillon. Inmitten einer kurz geschnittenen grünen Wiese hat der Grill-Meister seinen Stand aufgebaut, nur einen Steinwurf entfernt liegt das felsige Ufer eines größeren Wasserloches

St. Wendel. Der Mann, der mit flinker Zange die brutzelnden Würstchen auf dem Grill vor sich dreht, heißt Klaus Bouillon. Inmitten einer kurz geschnittenen grünen Wiese hat der Grill-Meister seinen Stand aufgebaut, nur einen Steinwurf entfernt liegt das felsige Ufer eines größeren Wasserloches. Etwas weiter weg zeigt eine Fahne an, an welcher Stelle sich Loch Nummer fünf durch die gepflegte Grasdecke des Platzes bohrt. Anlässlich eines Tages der Offenen Tür auf der Anlage des Golfclubs St. Wendel hat der Bürgermeister zur Grillzange gegriffen. Und er erzählt: "Damals haben alle gesagt: Jetzt flippt er völlig aus." Damals, das war 1998. Damals war klar, dass die französische Garnison St. Wendel verlassen würde, und 1999 war das Kasernen- zu einem Konversionsgelände geworden, einem Gelände, das ein neues Flächenkonzept benötigte. Und letztlich auch bekam, wobei die Idee, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz einen Golfplatz anlegen zu lassen, zunächst für kollektives Kopfschütteln gegenüber dem Mann am Grill sorgte. Die Vision des St. Wendeler Verwaltungs-Chefs ist zehn Jahre später Wirklichkeit geworden, und Bouillon ist stolz auf das Geschaffene: "Der Golfpark ist zu einem starken Wirtschaftsfaktor geworden. Wir haben monatlich inzwischen 350 bis 400 Übernachtungen in St. Wendel. Das heißt, dass der Golfplatz ein toller Frequenzbringer ist."Touristen sind wichtig Frequenzbringer, also Touristen, will auch Andreas Kilian nach St. Wendel locken. Kilian arbeitet für den Golfanlagen-Betreiber Hermann Weiland und ist unter anderem für das Marketing zuständig. Auch der Wendelinus Golfpark St. Wendel gehört zur Gruppe von Weiland. Mindestens einmal in der Woche sieht Kilian vor Ort nach dem Rechten. "Es ist klar, dass wir hier in St. Wendel nur mit Touristen schwarze Zahlen schreiben können", erklärt Kilian. Die kommen zumeist aus Deutschland, aber vielfach auch aus Holland und Belgien nach St. Wendel. Teilweise mit Bussen, teilweise mit Flugzeugen der Ryanair-Fluggesellschaft. Oder aus den anderen sieben Clubanlagen, denn es herrscht das Rotationsprinzip "Golf-absolut". Das besagt, dass ein Club-Mitglied auf dem Platz eines anderen Clubs kostenlos spielen darf. Den Golfpark in St. Wendel hat Kilian inzwischen in sein Herz geschlossen. 400 Mitglieder hat der Club, dessen 27-Loch-Championsplatz kürzlich unter die zehn schönsten Deutschlands gewählt wurde. Einen Anteil an dieser Platzierung hat sicherlich auch das neue Golfhotel, das quasi direkt am Abschlag liegt und den Vorteil bietet, dass sich der Golfer auf sein Spiel konzentrieren kann und nicht in der Gegend herumfahren muss. Überhaupt sagt Kilian: "Wenn ich mich hier umsehe, dann brauche ich doch nicht in den Odenwald oder in den Schwarzwald zu fahren. Schöner ist es dort auch nicht." Für Bürgermeister Bouillon zählt der Platz in St. Wendel gar zu den "schönsten Naturparks im Saarland". Daher war es ihm auch wichtig, dass beim Tag der Offenen Tür viele Nicht-Golfer aus der näheren Umgebung einfach nur mal vorbei schauten und sich ansahen, welches Kleinod da vor den Toren der Stadt entstanden ist. Und vielleicht kommt der eine oder die andere ja demnächst mit einem Eisen bewaffnet wieder und versucht es selbst mal.