1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Erlebnisreiche Fahrt im Motorrad-Beiwagen

Erlebnisreiche Fahrt im Motorrad-Beiwagen

St. Wendel. Für viele geistig behinderte Menschen im Kreis St. Wendel ist es der schönste Tag des Jahres, ein wenig wie Weihnachten: die Tour im Motorradgespann. Alle zwei Jahre wiederholt sich das knatternde Schauspiel mit dem beißenden Benzin-Geruch. Vor dem Lebenshilfe-Zentrum St. Wendel warten mehr als 50 Behinderte mit ihren Angehörigen ungeduldig auf die Motorradfreunde

St. Wendel. Für viele geistig behinderte Menschen im Kreis St. Wendel ist es der schönste Tag des Jahres, ein wenig wie Weihnachten: die Tour im Motorradgespann. Alle zwei Jahre wiederholt sich das knatternde Schauspiel mit dem beißenden Benzin-Geruch. Vor dem Lebenshilfe-Zentrum St. Wendel warten mehr als 50 Behinderte mit ihren Angehörigen ungeduldig auf die Motorradfreunde. Sobald die in ihren schwarzen Lederkombis angebraust kommen, beginnen die Augen der Behinderten zu leuchten, fast wie an Weihnachten eben. Waldemar Lauk aus Wemmetsweiler und seine Motorrad-Kumpels bereiten hier den Behinderten der Lebenshilfe-Freizeitgruppe eine Riesenfreude. Bei nasskaltem Schmuddelwetter waren diesmal rund 30 Gespanne und einige Solo-Maschinen aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz dabei. Doris Breid, Leiterin der Lebenshilfe-Freizeitgruppe, möchte die Tour nicht missen: "Der Motorrad-Ausflug ist für unsere Leute ein tolles Erlebnis. Seit 1985 gibt es diese Tour. Einfach Klasse, was Waldemar Lauk, Herbert Meyer und ihre Freunde hier für unsere Behinderten organisieren." Manuela, Nadja, Gudio und vielen anderen behinderten Menschen war der Regen völlig schnuppe. Voller Vorfreude setzten sie ihre Motorradhelme auf und kletterten mutig in die Gespanne. Im Konvoi führte die verkürzte Schlechtwetter-Fahrt über Urweiler, Leitersweiler, das Ostertal und den Wendelinushof zurück zum Lebenshilfe-Zentrum, wo der erlebnisreiche Tag mit einem zünftigen Grillfest gemütlich zu Ende ging. Da hatten Fahrer, Beifahrer und Betreuer natürlich reichlich zu erzählen. Die Behinderten bedankten sich bei ihren Fahrern mit Multifunktionstüchern und selbst gebastelten Schutzengeln. Die zwölfjährige Nadja war zum ersten Mal mit und strahlte: "Das war toll, beim nächsten Mal fahr ich wieder mit." Auch Manuela (24) war von der Fahrt im Beiwagen der 98-PS-starken BMW K1100 begeistert: "Ich hatte ein bisschen Angst, aber der Alfred ist prima gefahren, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam. Der Regen hat mir gar nix ausgemacht." Auch "Chauffeur" Alfred Schneider (49) aus Baumholder hatte seinen Spaß: "Einfach toll, wie sich die Behinderten freuen können, viel mehr als die so genannten Normalen. Und das Wort danke kennen die auch noch." Die Gespannausfahrt bei der Lebenshilfe ist sicher ein ungewöhnliches, aber nachahmenswertes Beispiel für den zwanglosen Umgang mit behinderten Menschen - gelebte Integration eben. red