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Selbstbestimmt leben dank eines Berufs

Selbstbestimmt leben dank eines Berufs

Schwarzenbach. Zwar hat sich dank Ausbildungsinitiative und Engagement von Politikern und Verantwortlichen der Wirtschaft die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in der Vergangenheit entspannt - doch gilt dies vor allem für Jugendliche, die ohne wesentliche Einschränkungen vermittelbar sind

Schwarzenbach. Zwar hat sich dank Ausbildungsinitiative und Engagement von Politikern und Verantwortlichen der Wirtschaft die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in der Vergangenheit entspannt - doch gilt dies vor allem für Jugendliche, die ohne wesentliche Einschränkungen vermittelbar sind. Für all die aber, die mit Handicaps, seien sie körperlich oder psychisch, in ihr Berufsleben starten müssen, ist die Lage nach wie vor nicht einfach. Das Christliche Jugenddorf (CJD) Schwarzenbach mit seinem Berufsbildungswerk hat sich die Betreuung und Bildung dieser Gruppe auf die Fahnen geschrieben, seit Jahrzehnten werden Jugendliche und junge Erwachsene, die mit weitaus schlechteren Voraussetzungen als üblich starten müssen, an den ersten Arbeitsmarkt heran geführt. Der Grundsatz des CJD-Berufsbildungswerkes: Eine qualifizierte Berufsausbildung ist für Menschen mit Behinderungen die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. "Das Berufsbildungswerk ist eine außerbetriebliche Ausbildungsstätte, in der Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen eine geregelte Ausbildung absolvieren können", fasst Christine Becker, Leiterin des Kundenzentrums des CJD in Schwarzenbach, die Aufgabe und Zielsetzung zusammen. "Bei den Handicaps kann es sich um Lernbehinderungen, Körperbehinderungen oder psychische Einschränkungen handeln." Auf dem freien Markt kann sich das CJD nicht bewegen, die Zuweisung der Lehrlinge erfolgt über die Arbeitsagenturen. "Interessierte müssen sich an die zuständige Arbeitsagentur und die dortigen Rehabilitationsberater wenden." Das Angebot des CJD-Berufsbildungswerkes umfasst unter anderem Ausbildungen in den Bereichen Agrarwirtschaft, Bautechnik, Elektro, Holz, Hauswirtschaft, Metall und einigen mehr. Dabei legt man in Schwarzenbach großen Wert auf Praxisnähe, nicht wenige Berufe werden in Kooperation mit externen Betrieben, aber auch mit hauseigenen Einrichtungen wie dem Café Zauberlehrling in Homburg durchgeführt. Zuständig für die Abstimmung und übergeordnete Supervision ist Ausbildungskoordinator Thorsten Zimmer. "Ich bin unter anderem dafür verantwortlich, dass unsere eigenen Ausbildungspläne mit den Ausbildungsrahmenplänen der einzelnen Berufe übereinstimmen." Diese Kontrolle sorgt auch dafür, dass die Azubis des CJD wirklich das lernen, was sie sollen - auch eine Garantie für die Qualifikation der späteren Gesellen und ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Unter den zahlreichen Lehrlingen ist derzeit auch Nadine Pilger. Sie ist im dritten Lehrjahr zur Tischlerin. "Mir gefällt es sehr gut hier, das Klima ist gut, die Ausbilder kompetent, und wir arbeiten sehr gut zusammen." Nach ihrer Gesellenprüfung zieht es Nadine wohl wieder auf die Schulbank. "Ich will mein Fachabi machen und später vielleicht Architektur studieren."

Hintergrund Das CJD Schwarzenbach bietet neben dem Angebot des Berufsbildungswerkes auch ein Bildungszentrum. Hier geht es um die Integration von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf in den ersten Arbeits- oder Ausbildungsmarkt. Ein Schwerpunkt hierbei: das Programm "100 Plus" als Konzept zur Ausbildung von Jugendlichen in Kooperation mit Betrieben (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen/BaE).Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Jugendhilfe, für die Zukunft sind zwei Produktionsschulen geplant. thw