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Altes Gemäuer fasziniert den Autor

Altes Gemäuer fasziniert den Autor

Nonnweiler. "Mit der Mühle Gard haben wir in der Gemeinde eine Perle. Sie ist hervorragendes ein Beispiel dafür, wie man eine historische Bausubstanz restaurieren kann." Mit diesen Worten drückte der Nonnweiler Bürgermeister Hans Uwe Schneider seine Freude über das gelungene Werk aus. Der neue Besitzer, Dr

Nonnweiler. "Mit der Mühle Gard haben wir in der Gemeinde eine Perle. Sie ist hervorragendes ein Beispiel dafür, wie man eine historische Bausubstanz restaurieren kann." Mit diesen Worten drückte der Nonnweiler Bürgermeister Hans Uwe Schneider seine Freude über das gelungene Werk aus. Der neue Besitzer, Dr. Robert Gard, stellte seine Mühle in der Kurhalle den 200 Besuchern in Wort und Bild vor. Im zweiten Teil des Abends blickte der Historiker Johannes Naumann in das soeben erschienene Buch über die alte Dorfmühle. Als die Mühle vor Jahren zum Verkauf stand interessierte sich Robert Gard für sie, weil "altes Gemäuer und die Geschichte, die dahintersteckt, mich immer fasziniert hat." Er erwarb sie und begann, sie im Stil eines südwestdeutschen Bauernhauses zu renovieren und zu restaurieren. Während den mehrere Jahre dauernden Arbeiten gab es auch Überraschungen. So wurde hinter Gipsplatten die einst mit Fachwerk ausgestattete Mahlstube entdeckt. Ein Bagger legte das zugeschüttete Mühlradbecken wieder frei. Es wurde gebraucht, weil sich eines Tages wieder ein Wasserrad an dem fast 450 Jahre alten Gebäude drehen sollte. Zwei Handwerker aus Schillingen bauten dieses Rad nach alten Vorlagen nach. Das Wasser wurde aus dem verrohrten Auensbach genommen. "Es war ein großer Moment, als sich nach 40 Jahren wieder ein Mühlrad drehte", sagte Gard bei seiner Präsentation. Die Wasserkraft erzeugt jetzt Strom, könnte aber auch wieder ein Mahlwerk antreiben. Das Gebäude ist inzwischen nicht nur zu einer Bleibe für seine Familie geworden. Der Arzt hat dort auch ein Seminarzentrum zur Ultraschallfortbildung eingerichtet. Nicht nur die alte Dorfmühle ist zum Schmuckstück geworden, sondern auch das über sie herausgegebene Buch. Der Historiker Johannes Naumann, der es zusammen mit Gard geschrieben hat, ging auf die einzelnen Kapitel ein. Das erste blickt auf die Geschichte der saarländischen Mühlen in den verschiedenen Epochen zurück. Viele Seiten sind dem Dorf Bierfeld und seiner Entwicklung gewidmet, bevor der Leser Näheres über den Bau - die Erlaubnis dazu datiert vom 10. Januar 1563 - und die Technik der Dorfmühle erfährt. Die folgenden Buchabschnitte sind eine spannende Chronologie der Ereignisse in den folgenden Jahrhunderten. Sie beschreiben die Zerstörung der Mühle in den Kriegen des 17. Jahrhunderts und ihren Wiederaufbau im 18. Jahrhundert. Das Geschehen während der Französischen Revolution, der Zeit Napoleons und Preußens hat Johannes Naumann genau erforscht und in dem Buch niedergeschrieben. Und immer werden die Aufzeichnungen auch vom Dorfgeschehen begleitet. Müller starb in TrümmernEin schwarzer Tag für Bierfeld war der 27. Dezember 1944. Bei Fliegerangriffen wurde auch das Mühlenensemble getroffen. In den Trümmern starb dabei der Müller Peter Heck. Fotos, Skizzen, Pläne und Schriftdokumente ergänzen das wertvoll ausgestattete Buch. Es vereinigt sowohl die Mühlengeschichte in sich als auch die des Dorfes und ist ein Heimatbuch im besten Sinne. Gard lüftete auch die Bedeutung des klammerartig aussehenden Handzeichens, das an mehreren Stellen des Bandes auftaucht. Das Zeichen stammt von Stefan Gard, dem ältesten bekannten Vorfahren des Arztes. Er ist einer jener Einwohner von Bierfeld gewesen, die im Jahre 1753 den Johannes Emmerich zum Wiederaufbau der Mühle ermächtigten. Handzeichen waren seinerzeit üblich, weil viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten. Zu ihnen gehörte offenbar auch Stefan Gard. Ein Querflötenensemble, das Jugendensemble und eine Bassgruppe der Kreismusikschule übernahmen den musikalischen Teil des Abends. Besonders gut passte die Komposition "The Windmills of your mind".

Auf einen BlickDie Alte Dorfmühle zu Bierfeld - mehr als nur Geschichte: Herausgeber: Historischer Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes, Edition Schaumberg, Thomas Störmer, Alsweiler; Druck: Ottweiler Druckerei; 215 Seiten, gebunden, 26,90 Euro. ISBN 978-3-941095-00-7. gtr