Kinder reisen 300 Jahre zurück

Alsweiler. An diesem Ferientag war Mitmachen angesagt. Wie das wohl war, als es noch keine Autos gab und keine Elektrizität? 24 Stunden lang konnten die acht bis 14 Jahre alten Kinder in der ersten Woche der Osterferien spielerisch in die Geschichte eintauchen und am eigenen Leib erfahren, wie es damals zuging

Alsweiler. An diesem Ferientag war Mitmachen angesagt. Wie das wohl war, als es noch keine Autos gab und keine Elektrizität? 24 Stunden lang konnten die acht bis 14 Jahre alten Kinder in der ersten Woche der Osterferien spielerisch in die Geschichte eintauchen und am eigenen Leib erfahren, wie es damals zuging. "Unser Ziel ist es, den Kindern die Historie näher zu bringen und ihnen zu zeigen, dass es früher ein Leben ohne moderne Technik gab", sagt Wolfgang Simon vom örtlichen Heimatkundeverein, der den außergewöhnlichen Ferientag gemeinsam mit dem Jugendbüro der Gemeinde Marpingen organisierte. Allerlei wurde den Sprösslingen aus der Gemeinde bei ihrer Zeitreise geboten. Beispielsweise durften sie mit Adolf Hoffmann gemeinsam Weidenkörbe flechten. "Ich zeige das nicht nur, die Kinder sollen auch selbst Hand anlegen. Denn sonst ist das ja langweilig für sie", erklärt der Rentner aus Alsweiler. Die erstmals durchgeführte Ferienaktion hält Hoffmann für eine tolle Sache: "Mir macht das riesigen Spaß, mit den Kindern zusammen zu schaffen. Man muss sich halt in die Kinder rein denken und sie für etwas begeistern, dann machen sie auch gerne mit", so Hoffmanns Erfahrung. Während der Rentner das erzählt, schieben sich Franziska Dewes, Selina Hoffmann und Emma Lambert eine Bank in die Sonne. In der warmen Frühlingsluft mahlen die Mädchen aus Urexweiler, indem sie die Getreidekörner zwischen Steinen zerreiben, Mehl. Während der Arbeit berichtet Franziska: "Ich finde die Zeitreise super. Am besten hat mir gestern Abend die Nachtwanderung gefallen, da haben wir Fledermäuse gesucht." Denn der Ferientag über 24 Stunden beinhaltet auch eine Übernachtung in dem historischen Gemäuer - mit Nachtwanderung vor dem Einmummeln in den Schlafsack. Und Emma ergänzt: "Außerdem haben wir noch in alter Schrift geschrieben, alte Spiele gespielt und Brot gebacken." Für das Brotbacken im mit Brennholz befeuerten Steinbackofen ist Sabine Theobald zuständig. Während sie die Rohmasse in Form bringt und ihren "Schülern" Tipps gibt, erzählt sie: "Die Kinder haben den Teig selbst hergestellt. Damit er auch richtig rustikal ist, haben wir Schrotkörner darunter geknetet." Und sie verrät, wie der Brotteig zu seiner schönen braunen Farbe kommt: "Durch überkaramellisierten Zucker und Fenner Harz."Auf Dachboden übernachtetDas will sich Jakob Recktenwald aus Alsweiler gut merken, falls er, wenn er wieder in der Jetzt-Zeit angekommen ist, selbst einmal Brot backt. "Mir gefällt das alles richtig gut hier. Die Fledermauswanderung und die Übernachtung auf dem Dachboden, das war echt ein Abenteuer. Und auch das Backen macht mir Spaß. Ich fände es schön, wenn so etwas öfter gemacht würde", sagt der Zehnjährige. Dafür stehen die Chancen nicht schlecht, wenn es nach Bürgermeister Werner Laub geht: "Das Hiwwelhaus in dieser Form in das Ferienprogramm zu integrieren, war ein Versuch, der durchaus gelungen ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das fest ins Programm aufgenommen wird." Auch war er fasziniert, mit welcher Begeisterung Jung und Alt gemeinsam zu Werke gingen: "Das geht ja weit über das einfache Erzählen, wie es damals so war, hinaus. So gesehen wird das Hiwwelhaus jetzt auch als Mehrgenerationenhaus genutzt."