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„Dieser tiefgreifende Entschluss ist uns gewiss nicht leicht gefallen“

„Dieser tiefgreifende Entschluss ist uns gewiss nicht leicht gefallen“

Sie sind mit der Entscheidung des Bistums Trier nicht einverstanden, Pastor Otmar Mentgen zu beurlauben. Sie sehen unüberbrückbare Differenzen mit dem Oberkircher Pastor Hanno Schmitt. Zurückgetretene Mitglieder des Pfarrgemeinderates und des Pfarrverwaltungsrates Freisen nehmen Stellung zu den Ereignissen in der Kirchengemeinde.

Der Streit zwischen den beiden Pastören hat die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Pfarrei Freisen schwer belastet. Das geht aus der schriftlichen Stellungnahme der zurückgetretenen Mitglieder des Pfarrgemeinderates und Pfarrverwaltungsrates hervor: "Es ist für diese Gremien nicht nachvollziehbar, weshalb eine funktionierende Kirchengemeinde in ihrer Handlungsfähigkeit durch das völlig zerrüttete Verhältnis der beiden involvierten Pastöre derart beeinträchtigt wurde, dass ein konstruktives Arbeiten nicht mehr möglich war." Und weiter: "Es entstand der Eindruck, dass dieser Konflikt zulasten der genannten Gremien ausgetragen wurde."

Deshalb habe man sich schon im Juni vergangenen Jahres mit einem Brief an den Bischof in Trier gewandt. Darin hätten die Räte die Bitte formuliert, im Sinne der Seelsorge vor Ort eine Entscheidung herbeizuführen. Als Reaktion darauf und nach mehrmaligem Drängen der Freisener Räte sei eine Delegation zu einem persönlichen Gespräch mit der Personalabteilung des Bistums nach Trier geladen worden. "In diesem Gespräch wurde deutlich, dass beide Gremien den Weggang beider Pastöre und somit die Möglichkeit zu einem Neuanfang forderten", heißt es in der Stellungnahme. Die Personalabteilung habe eine Lösung bis Ende 2014 versprochen. Bis zum heutigen Tag sei das Anliegen nicht beantwortet worden.

Mittlerweile habe sich abgezeichnet, dass Pastor Mentgen zum 4. Juni seine Tätigkeit in Freisen beenden werde. Anlässlich einer Dringlichkeitssitzung am 1. April hätten dann die kirchlichen Gremien von Freisen von der Beurlaubung Mentgens ab dem 14. April erfahren. "Diese Entscheidung des Bischofs und die unüberwindbaren Differenzen mit Pastor Schmitt veranlassten die Gremien zu diesem drastischen Schritt des sofortigen Rücktritts. Dieser tiefgreifende Entschluss ist vielen Ratsmitgliedern gewiss nicht leicht gefallen."

"Die Gründe, die uns bei diesem Gespräch am 1. April für die Beurlaubung genannt wurden, können wir nicht mittragen", ergänzt Brigitte Müller. Im SZ-Gespräch schildern das ehemalige Verwaltungsratsmitglied, die ehemalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Petra Bernhard, und der ehemalige stellvertretende Vorsitzende Franz-Josef Schumacher ihre Sicht auf die Ereignisse. Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat hätten in den vergangenen Jahren unter dem Streit der beiden Priester gelitten. "Es gab auch eine negative Einstellung zu uns", so Petra Bernhard. Als ob die Räte nur der verlängerte Arm von Pastor Mentgen seien. Das weist Müller ausdrücklich zurück: "Wir waren nicht immer mit unserem Pastor einer Meinung. Wir sind doch mündige Bürger." Kritik üben sie auch am Bistum. Sie hätten sich eine frühere Reaktion gewünscht. Mit ihrem Rücktritt haben die Vertreter der kirchlichen Gremien auch ihre Solidarität mit Pfarrer Mentgen bekundet. Damit aber ist die Rücktrittswelle nicht zu Ende. Laut Müller und Bernhard haben inzwischen 17 von 25 Messdienern aufgehört, auch Kommunionhelfer und Lektoren. Darüber hinaus hätten drei erwachsene Gruppenleiter der kirchlichen Jugendarbeit ihr Amt niedergelegt. Betroffen seien zwei Gruppen mit etwa 25 Kindern und Jugendlichen.

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HintergrundZurückgetreten ist der Pfarrverwaltungsrat und bis auf zwei Mitglieder der Pfarrgemeinderat Freisen . Zunächst blieb nur ein Pfarrgemeinderatsmitglied im Amt. Ein weiteres machte seinen Rücktritt aber rückgängig, so dass zurzeit wieder zwei Ratsmitglieder im Amt sind. Das Bistum Trier hat den Freisener Pastor Otmar Mentgen seit dem vergangenen Dienstag (14. April) von seinem Dienst in Freisen beurlaubt. Zur Begründung hieß es in einer Mitteilung des Bistums: "In der Vergangenheit hat es immer wieder Konflikte zwischen dem vorgesetzten Pfarrer Hanno Schmitt und Kooperator Mentgen gegeben. Trotz vielfältiger Gespräche mit den Verantwortlichen des Bistums ließ sich dieser Konflikt nicht befrieden." Dabei sei Pfarrer Mentgen vorzuwerfen, dass er sich fortgesetzt nicht an Absprachen und ergangene Weisungen gehalten habe. Und weiter: "Dadurch hat er zu einer Eskalation des Konfliktes beigetragen, der die Gläubigen, insbesondere in der Pfarrei Freisen , schwer belastet." Bereits vor einigen Wochen sei Pfarrer Mentgen die jetzt erfolgte Beurlaubung für den Fall angedroht worden, dass er sich weiterhin nicht an Absprachen halte.Seit der Strukturreform des Bistums, die am 1. September 2011 in Kraft getreten ist, gibt es die Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen. Zu dieser Seelsorgeeinheit gehören die Pfarrorte Oberkirchen, Grügelborn, Freisen und Wolfersweiler mit den Filialen Reitscheid und Walhausen. Leiter dieser Einheit ist seitdem Hanno Schmitt. Kooperator war von Beginn an Otmar Mentgen. vf