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„Und dann wird ein Fest daraus“

„Und dann wird ein Fest daraus“

Sieger beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Kreis Saarlouis ist Altforweiler. Der 2099 Einwohner zählende Ort in der Gemeinde Überherrn wurde aus fünf Teilnehmern im Kreis Saarlouis ermittelt. Altforweiler tritt in wenigen Monaten auf Landesebene an.

"Jetzt kann uns nur noch ein Gewitter stoppen", sagte Altforweilers Ortsvorsteher Gerhard Hewer am Sonntagnachmittag im schattigen Hof des "Maison Créative". Dann startete die Dorfgemeinschaft ihre Präsentation bei "Unser Dorf hat Zukunft" und führte die achtköpfige Jury in überzeugender Manier durch den Ort. 2099 Einwohner leben hier. An verschiedenen Stationen zeigten viele von ihnen Flagge für ihr Dorf. Darunter am ehemaligen Verbrauchermarkt. Der steht zwar seit geraumer Zeit leer, aber die Kreativen in Altforweiler haben bereits konkrete Pläne.

"Wir brauchen ganz dringend ein neues Dorfzentrum", erklärte Marcus Gersing, Vorsitzender des Ortsinteressenvereins. Denn 65 Prozent der Bewohner seien in Vereinen engagiert, etwa zwei Dutzend Vereine seien Mitglied des OIV. Der alte Verbrauchermarkt soll Zentrum für die Vereine werden, erklärte Ortsratsmitglied Ralf Cavelius. Im vorhandenen Erdgeschoss könne eine moderne Feuerwehr-Station integriert werden, darauf aufgestockt kämen Vereinsräume und Säle. Bürgermeister Bernd Gillo bekräftigte die Bedeutung dieses Projektes für die zukünftige Entwicklung.

Durch Wohngebiete unterschiedlichen Alters führte Hewer die Jury. Es gebe keinen Leerstand, vielmehr habe man eine starke Nachfrage nach Grundstücken. Ein neues Baugebiet sei in Planung. Aber nicht nur das ganz Große zählt in Altforweiler . So hat die emsige Bürgerwerkstatt Bänke aufgestellt, von denen vor allem weniger rüstige Bürger profitieren. Wegekreuze wurden saniert und Bäume gepflanzt.

Richtig stolz zeigten sich die Altforweiler Schaffer in ihrer Kita. Umfangreich erweitert war sie 2013 wieder eröffnet worden. Neben der Bürgerwerkstatt sind hier zahlreiche Eltern im Einsatz, um dem Nachwuchs gute Bedingungen zu schaffen.

"Im Ort braucht man nur einen Bierstand aufzustellen", hieß es mehrfach, "und dann wird ein Fest daraus." Einen Eindruck davon vermittelte eine Feier mit Musikverein auf dem Kirmesplatz. Um 10.30 Uhr startete Felsberg am Sonntagmorgen zu "Unser Dorf hat Zukunft". Am Ortseingang aus Richtung Saarlouis begrüßten Ortsvorsteherin Agnes Klein sowie einige Vertreter der Dorfgemeinschaft und Bürgermeister Bernd Gillo die krankheitsbedingt nur noch achtköpfige Jury.

Am alten Kalkwerk informierte die Gruppe um Klein über diesen früheren Wirtschaftszweig. Sogar eine Seilbahn habe es gegeben, die vom Sauberg Kalkstein zum Werk transportierte. "Alles, was wir hier in der Gemeinde machen", sagte Gillo im kühlen Museum der Teufelsburg , "ist orientiert an der Zukunft". Holger Zenner, Vorsitzender des Fördervereins Teufelsburg , informierte dort über die touristische Nutzung der Anlage. "Wir ziehen immer mehr Besucher an."

Später führte Klein in die Pfarrkirche St. Nikolaus von 1898 und stellte auch das 2013 entstandene neue Pfarrheim vor. Abkühlung gab es zwischendurch am alten Troch-Brunnen. Richtig auftrumpfen konnten die Felsberger in ihrem Dorfzentrum. Stolz führte Leo Robert, Vorsitzender der Ortsinteressengemeinschaft, durch die von Vereinen und für private Feiern genutzten Räume. Seit 2007 habe die Dorfgemeinschaft das Gebäude um- und angebaut, berichtete der frühere Ortsvorsteher Klaus Schwarz. Außerdem wurde die rund 4000 Quadratmeter große Fläche gestaltet.

Von der alten Mühle im Westen Leidingens bis zur Neutralen Straße ging es dann am Sonntagabend. Ortsvorsteher Wolfgang Schmitt führte die Jury durch eine Allee aus Ahorn und Linden am Ortseingang in das Grenzdorf hinein.

"Ein kleines Dorf" sei man, sagte Schmitt, mit gerade mal 181 Einwohnern. Die französische Seite habe 24, sagte deren Maire, Barthélémy Lemal. Gemeinsam mache man bei "Unser Dorf hat Zukunft" mit, unter dem Motto "Wir verstehen uns!" Ein lebhaftes Fest am Dorfbrunnen bildete den Rahmen für die begeisternde Bild-Präsentation von Leidingens Vorzügen und Zukunftsplänen.

Im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus verwies Schmitt auf den sechsmaligen Wechsel der Staatszugehörigkeit seit 1766. Das habe das Finden einer klaren Identität erschwert. Doch seit einigen Jahren stärkten die Einwohner ihr Wir-Gefühl. Und auch die Zusammenarbeit mit französisch Leiding auf der anderen Straßenseite. Am Kirchhang sind je fünf Rosen für die deutsche und die französische Seite gepflanzt. Grenzblickfenster stehen in Nähe der beiden Pfarrkirchen, ein gemeinsamer Grenzblick-Wanderweg steht kurz vor der Fertigstellung. "Leidingen hat eine Vision", betonte Schmitt Pläne über den Wettbewerb hinaus. "Das Dorfgemeinschaftshaus soll zum Haus der deutsch-französischen Begegnung ausgebaut werden."

 Die Neutrale Straße verbindet das deutsche Leidingen und das französische Leiding.
Die Neutrale Straße verbindet das deutsche Leidingen und das französische Leiding.
 Ortsvorsteherin Agnes Klein (vorne links) mit Jury-Leiter Jörg Dietrich (vorne rechts) und der Jury in der Felsberger Pfarrkirche
Ortsvorsteherin Agnes Klein (vorne links) mit Jury-Leiter Jörg Dietrich (vorne rechts) und der Jury in der Felsberger Pfarrkirche

Zum Thema:

Auf einen BlickHemmersdorf, Dörsdorf, Felsberg, Altforweiler und Leidingen präsentierten sich auf Kreisebene bei "Unser Dorf hat Zukunft". Im Vordergrund standen Bürgerengagement, Lebensqualität und zukunftsfähige Entwicklung. Zugrunde lag ein Kriterienkatalog des Umweltministeriums, der Zeitrahmen betrug jeweils zweieinhalb Stunden. Den Sieger fand die Jury am Sonntagabend erst nach längerer Diskussion im Landratsamt. Altforweiler geht nun in wenigen Monaten auf Landesebene ins Rennen . Für alle Teilnehmer wird ein Ergebnisbericht erstellt, eine Feier ist für den 23. Juli im Landratsamt vorgesehen. az