Neues Leben im "toten Dorf"

Rammelfangen/Bedersdorf. Die nasse Wäsche klatscht auf ein Brett, aus dem steinernen Brunnen plätschert das Wasser, während drei Waschweiber tratschen wie anno dazumal. In Bedersdorf war am Freitagmittag nicht die Vergangenheit eingekehrt, sondern die Jury des Landkreises Saarlouis für den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"

Rammelfangen/Bedersdorf. Die nasse Wäsche klatscht auf ein Brett, aus dem steinernen Brunnen plätschert das Wasser, während drei Waschweiber tratschen wie anno dazumal. In Bedersdorf war am Freitagmittag nicht die Vergangenheit eingekehrt, sondern die Jury des Landkreises Saarlouis für den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Zwei Stunden lang führte Ortsvorsteherin Gabriele Harpers zusammen mit Einwohnern die achtköpfige Jury durch den 280 Einwohner zählenden Ort. Was es dabei zu sehen gab, war neben etwas folkloristischer Inszenierung vor allem eine engagierte Dorfgemeinschaft. "Da hat sich einiges getan seit dem letzten Mal", hieß es anerkennend von Seiten der Jury. So ist der alte Dorfbrunnen als idyllischer Kommunikationsplatz angelegt. "Aber wir sind damit noch nicht ganz fertig", gestand Ortsvorsteherin Harpers. "Da gibt es noch einen weiteren Bauabschnitt." Genau so tatkräftig wurde der Kinderspielplatz in Schuss gebracht, werden Altennachmittage und Bastelstunden im Dorfgemeinschaftshaus organisiert. "Wir haben noch ein paar Ideen", versicherte Harpers zum Abschluss der Begehung. Einige Kilometer weiter am renovierten Kriegerdenkmal in Bedersdorf warten Ortsvorsteher Alois Tasch und Dorfbewohner auf die Jury. Bei einer Begehung vor rund fünf Jahren war der Ort noch als "totes Dorf" bezeichnet worden. Davon angestachelt brachten Tasch und eifrige Helfer den Ort wieder auf Zukunftskurs. Seither ist Bedersdorf Teil der Viezstraße, das alte Feuerwehrhaus soll zum Viezhaus werden, die Kirmes findet wieder im Ort statt, eine Gaststätte gibt es hier ebenfalls, und ein Bürocontainer wurde in Eigenregie zum holzverkleideten Multifunktionsgebäude. Fassaden aus den 60er und 70er Jahren wechseln unterwegs mit schmucken Lothringerhäusern. "Wie viele Leerstände haben Sie?", will die Jury wissen. "Keine!", antwortet Tasch stolz. Beim letzten Wettbewerb stand bereits auf der Rückfahrt der Kreissieger fest, teilte Jury-Leiter Jörg Dietrich mit. Diesmal könne es enger werden, da viele Orte ordentlich zugelegt hätten.

HintergrundDer 23. Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ist für Gemeinden und Gemeindeteile bis zu 3000 Einwohnern und überwiegend dörflichem Charakter. Der Wettbewerb setzt "Unser Dorf soll schöner werden" fort und zielt auf die Unterstützung einer ganzheitlichen und nachhaltigen Entwicklung der Dörfer. 2008 werden im Saarland die Wettbewerbe auf Kreisebene durchgeführt, 2009 folgt der Landeswettbewerb und 2010 die Prämierung auf Bundesebene. az