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Viel Raum für die richtige Berufsentscheidung

Ein Schüler der Gemeinschaftsschule In den Fliesen beim Bewerbungsgespräch mit dem ZF-Team im Berufsorientierungsraum der Schule. Andere Schüler beobachten das Gespräch. Fotos: GS In den Fliesen
Ein Schüler der Gemeinschaftsschule In den Fliesen beim Bewerbungsgespräch mit dem ZF-Team im Berufsorientierungsraum der Schule. Andere Schüler beobachten das Gespräch. Fotos: GS In den Fliesen
Saarlouis. Wirtschaft und Schüler wollen etwas voneinander: Um besser herauszufinden, was da passt, hat die Saarlouiser Gemeinschaftsschule In den Fliesen jetzt einen „Berufsorientierungsraum“ eingerichtet. Es ist ein Ort der Information, der Begegnung und der Überraschungen. Johannes Werres

Schüler wissen offenbar ganz gut, was für eine Einstellung als Azubi wichtig ist - jedenfalls wenn es um andere geht. Das zeigte sich, als drei Schüler der Neuner-Klassen der Saarlouiser Gemeinschaftsschule In den Fliesen eine Bewerbung abgaben und sich einem Bewerbungsgespräch stellten: unter echten Bedingungen, aber vor einem Team der Ausbildungsabteilung des Getriebebauers ZF und vor den Augen der Mitschüler.

ZF-Leute und Schüler bewerteten die drei Bewerbungen auf Bögen. Die Bögen wurden übereinander gelegt. Und siehe da: Schüler und ZF-Personaler kamen zu fast deckungsgleichen Ergebnissen.

Einer der drei Bewerber profitierte sofort davon: Ihn nahmen die ZF-Leute sofort in den echten Bewerbungs-Gang auf. Für die Personaler ein klarer Fall, und die Fliesen-Schüler hatten das auch erkannt.

Das war sozusagen die Feuer taufe des neuen Funktionsraumes "Berufsorientierungsraum" in der Fliesen-Schule. "So soll das jetzt regelmäßig laufen", erklärt Schulleiterin Ute Strozynski, nachdem sie von der Premiere berichtet hat. Einen vergleichbaren "Berufsorientierungsraum" haben laut Kultusministerium im Saarland bislang nur das Albert-Schweitzer-Gymnasium und die Gemeinschaftsschule am Römerkastell, beide in Dillingen, sowie die Gemeinschaftsschule in Heusweiler. Die Einrichtung in Saarlouis , mit 6500 Euro ziemlich günstig, hat vor allem das Land bezahlt.

Der Raum ist möbliert mit drei Sechser-Tischen in Grün, Blau und Orange. Es gibt zwei Computer mit Internetzugang, Beamer, Rednerpult. "Das kommt schon anders daher als ein normaler Klassenraum", sagt Uwe Burg, der stellvertretende Schulleiter. Kontakte zu Firmen knüpft die Schule direkt oder über die Verbundausbildung Untere Saar (VAUS).

In diesem Raum sollen sich nicht nur Schüler und Firmen begegnen. Schülerinnen und Schüler sollen hier Berufsprofile erarbeiten, im Netz recherchieren, alles ergründen, was mit Berufswahl zu tun hat.

Auch das Wahlpflichtfach "Beruf und Wirtschaft" wird in diesem Raum unterrichtet. Es wird an saarländischen Gemeinschaftsschulen ab kommendem Schuljahr angeboten. Es ist ein zweistündiges Wahlpflichtfach von Klassenstufe sieben bis Klassenstufe zehn. "Beruf und Wirtschaft" schließt an das Fach Arbeitslehre an, das in den Stufen fünf und sechs unterrichtet wird.

In "Beruf und Wirtschaft" kann auch besprochen werden, wie eine Bewerbung aussieht. Denn die allermeisten Schüler "unterschätzen am Anfang den Aufwand für eine erfolgreiche Bewerbung", sagt Burg.

In dem neuen Fach geht es um Geld, um Abläufe in Unternehmen, aber auch um Selbsteinschätzung und das Selbstbild. Ein Abgleich mit professionellen Personalern ist hier nicht vorgesehen. Ob es da auch zu deckungsgleichen Aussagen zwischen ihnen und der Selbsteinschätzung von Schülern käme wie bei der Einschätzung von Bewerbungsgesprächen, bleibt also offen.Drei spielen ein Bewerbungsgespräch unter Echt-Bedingungen, mit echten Personalern, und werden von zwei Kontrollgruppen bewertet. Wer je in einer solchen Kontrollgruppe saß, wird wissen: Es gibt kaum eine intensivere Form des Erlebens und Lernens. Das ist nur eine Möglichkeit, die sich in einem "Berufsorientierungsraum" eröffnet. Aber vielleicht die wichtigste. Denn sie verwandelt Ängste und Unsicherheiten, völlig fehlende Vorstellungen von Anforderungen, in die Ahnung der Wirklichkeit. Den Weg sollte Schule weitergehen. Und Unternehmen werden hoffentlich reichlich Gebrauch machen von der Einladung, sich zu präsentieren, vor allem in dieser intensiven Form. Denn auch sie schmieden hier an ihrer eigenen Zukunft, nicht anders als die Schüler .