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Mit Abholservice und Lieferdiensten im Kampf gegen Corona

Corona und Gastro-Branche : Fertig zubereitet – Essen in der Pandemie

Schulen geschlossen, Feste abgesagt, die Kunden in Angst: In der Corona-Krise setzen Gastro-Betriebe nun verstärkt auf Lieferservice.

„Uns sind 100 Prozent der Aufträge weggebrochen“, sagt Marco Christ. Kein Schlucken. „Moment, eher 99 Prozent“, verbessert der Inhaber von Christ Party & Catering: „Wir versorgen ja noch die Notbetreuungen mit Essen.“

Corona hat sämtliche Lebensbereiche unterwandert und auch die Gastro-Branche nicht verschont. Der Einbruch kam unvermittelt, war heftig und wird wohl noch lange nachwirken. Viele Betriebe werden Kurzarbeit anmelden müssen, schlimmstenfalls sogar schließen. Vorübergehend. Wie weiter, wenn die Schulen geschlossen sind und keine Kinder mehr dort essen? Wie weiter, wenn wegen Corona die Schließung des Geschäfts vorgeschrieben ist? Kann es überhaupt weitergehen?

„Die Frage ist nicht, ob es weiter geht. Die Frage ist wie“, sagt Christ bestimmt. „Wir haben einfach Bock zu kochen.“ Und so wird weitergekocht. 150 warme Mahlzeiten werden zurzeit täglich an die Notbetreuungen geliefert. Daneben hat Christ kurzerhand einen Lieferservice auf die Räder gestellt, der im Umkreis von 15 Kilometern Essen direkt vor die Haustür fährt. Auch beim Caterer vor Ort können Kunden Essen abholen.

„Wir möchten den Kunden zeigen, dass wir da sind“, sagt Christ. Beim Liefergeschäft in Zeiten von Corona sieht er noch Luft nach oben: „Zehn Lieferfahrzeuge stehen bereit und 60 Aushilfen, die mitarbeiten können.“

Raoul Mailänder übernimmt das Ausliefern selbst. Ihm gehört der Kaufmannsladen in Dillingen. „Das Virus hat auch hier eingeschlagen“, sagt er. Vorige Woche war weniger Kundschaft im Laden als sonst. „Seit Freitag ist es wieder besser.“

Trotzdem hat auch Mailänder auf das Virus reagiert. Er möchte mit dem Lieferdienst seines Ladens den Schwächeren helfen: „Viele Ältere oder in der Mobilität eingeschränkte Menschen können nicht so ohne Weiteres einkaufen gehen. Jetzt erst Recht nicht.“ Auf Wunsch fährt Mailänder die Lebensmittelbestellungen direkt zu den Kunden.

Angst vor dem Coronavirus hat er keine. „Ich habe mehr Angst vor der Panikmache und dem teils spürbaren Egoismus“, meint Mailänder. Mit seinem Lieferdienst will er ein Zeichen der Kraft in einer gefühlt unruhigen Zeit setzen: „Viele Menschen sind besonnen und ich hoffe, dass sie es bleiben. Gemeinsam kommen wir da durch“, ist Mailänder sicher.

Die Metzgerei Jochem in Schwalbach bietet schon seit mehreren Jahren einen Lieferdienst. 50 bis 60 Portionen an warmen Speisen finden so täglich ihren Weg zu den Bestellern. „Wegen Corona ist die Nachfrage nach Essenslieferungen bisher noch nicht gestiegen. Aber ich rechne damit“, sagt Kathrin Jochem, die in der Metzgerei arbeitet.

Den Lieferservice einzustellen? Für Jochem undenkbar. Selbst wenn sich die Virussituation verschlimmern sollte: „Der Lieferdienst bleibt. Wir sind gegenüber Menschen verpflichtet, die in solch einer außergewöhnlichen Situation niemanden haben“, meint Jochem.

Für Manuela Grillo, Inhaberin des Bistros Felsenkeller in Hülzweiler, war ein Lieferdienst zu keiner Zeit eine Option: „Schon wegen langer Fahrtwege, sind die Kosten wahrscheinlich zu hoch.“ Dafür gibt es warmes Essen vor Ort zum Abholen. Zubereitet innerhalb von 20 Minuten nach Bestellung.

Und auch Ralf Steuer, dem das Hotel-Restaurant Litermont in Nalbach gehört, hat sich vorerst für einen Abholservice vor Ort entschieden. „Kunden können hier warme Speisen und Salate bekommen“, sagt Steuer. Je nach Entwicklung der Virus-Situation kann sich Steuer auch vorstellen, bald einen Lieferservice anzubieten.